Umfangreiche Kaufvereinbarung fürs Bahnhofshotel vom Gemeinderat mehrheitlich abgesegnet
Ein „Verkaufspaket“, so die Sprachregelung in der Vorlage der Stadtverwaltung für den Gemeinderat, ist jetzt geschnürt, um an das Schlüsselareal für die Landesgartenschau heranzukommen. Es geht um das Bahnhofshotel. Die Vereinbarung für Übernahme der Immobilie aus dem Besitz der Firma Lauser ist außergewöhnlich.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Das wurde am Mittwoch in der Gemeinderatssitzung deutlich. Zunächst hatte die
SPD–Fraktion vergeblich angeregt, nicht hinter verschlossenen Türen, sondern im öffentlichen Sitzungsteil über den alles andere als einfachen Immobilientransfer zu informieren, beraten und zu beschließen. OB Richard Arnold sprach jedoch von neuen Berechnungen von Kaufsummen in dieser Grundstücksangelegenheit. Es sei angebracht, hierüber — wie es in solchen Grundstücksgeschäften üblich ist — nichtöffentlich zu beraten. Doch sogleich am Abend nach der nichtöffentlichen Sitzung und schließlich dann gestern wurden die zwischenzeitlich bekanntgewordenen Zahlen und Umstände in der Stadt lebhaft diskutiert. Es geht weniger um die Verkaufssumme von
906 000 Euro, welche die Stadt nun bereit ist, an die Firma Lauser zu zahlen, sondern um eine umfangreiche Vereinbarung, die auch Auswirkungen auf eine Reihe von anderen Immobilien und sogar auf Bebauungspläne in der Innenstadt haben könnte.
Ein „Casino Gmünd“ ist offensichtlich in Planung
Bei der Firma Lauser handelt es sich um ein führendes Unternehmen im Land nicht nur in der Branche der Gastronomie-Immobilien, sondern ganz besonders in der Spielstätten– und Spielautomatenbranche. Aus der schriftlichen Vorlage für die Stadträte geht hervor, dass die Verwaltung als Gegenleistung für den dringend notwendigen Verkauf des Bahnhofshotels bereit ist, „drei Spielhallenkonzessionen in einem Objekt seiner Wahl“ an Firmenchef Gustav Lauser zu erteilen. Sollte dies nicht zustandekommen, müsste die Stadt sogar einen „Schadensersatzanspruch in Höhe von
250 000 Euro“ an die Firma zahlen. Als alternative Standorte für die neuen Spielhallen werden in der Gemeinderatsvorlage die Anwesen Höferlesbach
11 (Haus Bildstein), Hintere Schmiedgasse
41 (Gasthaus Kronprinzen) und das Lido-Areal an der Königsturmstraße aufgezeigt. Auch Freudental
8 spielt eine Rolle, wo sich die Firma Lauser ausdrücklich zu einer Verbesserung des Erscheinungsbildes dieses Gebäudes verpflichtet. Ein „besonderes Interesse“ wird für eine möglichst lange Öffnungszeit in einem besonderen Objekt bekundet, das sogar den Namen „Casino Gmünd“ tragen und von der Stellplatzablöse befreit werden soll. Um welche Immobilie es sich dabei handelt, ist nicht exakt festgelegt. Offensichtlich ist der Entscheidungsfindungsprozess fürs „Casino Gmünd“ noch nicht abgeschlossen.
Kaufvereinbarung hat viele außergewöhnliche Bestandteile
Für die Steuerkraft der Stadt Gmünd erfreulich: Gustav Lauser erklärt sich laut „Verkaufspaket“ der Stadtverwaltung sogar bereit, den Sitz des Firmenzweigs „Neckarbaum
GmbH & Co“ nach Gmünd in das Bankgebäude Sebaldstraße
16 zu verlegen. Dies würde zu ganz beträchtlichen Gewerbesteuereinnahmen für die notleidende Stadtkasse führen. Außerdem möchte Gustav Lauser im Rahmen dieser umfangreichen Neuorientierung seines Engagements in Schwäbisch Gmünd hiesigen Schulen eine Spende in Höhe von
25 000 Euro zukommen lassen. Von „sehr aufwendigen und zähen Gesprächen“ berichtete die Stadtverwaltung am Mittwoch im Gemeinderat. OB Arnold zeigte aber auch die enorme Dringlichkeit im Hinblick auf die Planungen und Fortschritt der Baumaßnahmen für die Landesgartenschau auf, dass die Angelegenheit jetzt zeitnah zum Abschluss kommt. Noch in diesem April soll der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Die Bewertungen durch die Stadträte waren unterschiedlich. Ergebnis (bei sechs Gegenstimmen und drei Enthaltungen) war schließlich dennoch breite Zustimmung zu diesem Verkaufspaket. Aber auch von einem „Sündenfall“ war die Rede, weil es die Stadtverwaltung versäumt habe, bereits vor vielen Jahren das Schlüsselgrundstück „Bahnhofhotel“ vorsorglich in ihren Besitz zu bringen.
Auf Anfrage unserer Zeitung kündigte die in Stuttgart ansässige Firma Lauser für die kommenden Tage ausführliche Infos zu ihren Gmünder Plänen an.
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