Schmierereien mit Senf und Ketchup oder das Verteilen von Klopapier sind keine Scherze — Eltern haben eine Aufsichtspflicht
„Freunde, das war nun mal ein netter Scherz“, begrüßte mal ein Lehrer seine Klasse, die ihm in der Nacht zum 1. Mai einen Streich gespielt hatten. Und genau so soll es sein. Anstatt nur etwas kaputt zu machen oder sinnlos mit Ketchup, Senf und Klopapier durch die Straßen zu ziehen, sind heute Nacht Fantasie und Humor gefragt. Von Gerold Bauer
OSTALBKREIS. Die Bürgermeister in der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein zum Beispiel haben in ihrem gemeinsamen Mitteilungsblatt einen Aufruf veröffentlicht, mit dem sie die Eltern an ihre Aufsichtspflicht erinnern und die Bürger in der Nacht zum
1. Mai darum bitten, Augen und Ohren offen zu halten. „Bitte helfen Sie dabei mit, sinnlosen und zerstörerischen Taten rechtzeitig Einhalt zu gebieten!“, appellieren Thomas Kuhn, Jürgen Stempfle, Klaus Maier, Peter Lang und Ottmar Schweizer. Und wenn sich schon nicht alle Schäden verhindern lassen, dann sollte es wenigstens Zeugen geben, um die Verursacher zu identifizieren und für ihr Tun zur Kasse zu bitten.
So ziemlich jeder Bürgermeister im Gmünder Raum hat schon unangenehme Erfahrungen mit schlechten Scherzen gemacht. Mit Kleber verstopfte Schließzylinder an Schultüren mögen vielleicht den Schülern eine ausfallende Schulstunde bescheren, dem Schulträger bescheren sie eine hohe Rechnung für den Austausch der teuren Schließanlage. Auch das Besprühen von Wänden und Schildern mit Farbe, das Herausbrechen von Verkehrsschildern oder das Zertrümmern von Blumentöpfen kann nur ein verwirrter Kopf witzig finden. Zumal der entstandene Sachschaden dabei erheblich sein kann. Ganz zu schweigen vom Umsägen der Maibäume, Spannen von Schnüren über die Fahrbahn oder dem Herausheben von Schachtdeckeln – dies kann lebensgefährliche Folgen haben!
„Humor ist wenn man trotzdem lacht“, heißt ein alter Spruch, an dem man sich im Hinblick auf Maischerze orientieren sollte. Zum Beispiel die „Machthaber“ mit einfallsreich gestalteten Plakaten durch den Kakao ziehen oder ein brachliegendes Grundstück über Nacht in einen Palmenstrand verwandeln – solche Maischerze erregen Aufsehen, zaubern ein Schmunzeln in die Gesichter der Bürger und tun keinem weh. Und schon mancher Jüngling hat mit dem Aufstellen eines Birkenbäumchens vor dem Haus seiner Angebeteten die Grundlage für eine lebenslange Beziehung gelegt.
Das Stellen von Birkenbäumchen ist übrigens eine Anspielung an die heidnischen Bräuche in der Walpurgisnacht. Einst galten Birken als Symbol für Fruchtbarkeit und hatten ihren Platz in Fruchtbarkeitszeremonien. Auch das Vertreiben der bösen Geister durch ein Maifeuer hat eine lange Tradition.
Dass man in der Nacht zum
1. Mai Tanzveranstaltungen besucht, kann unter anderem von einem Schweizer Brauch abgeleitet werden. Während der Calvinisierung (sprich das Etablieren einer strengen evangelischen Glaubensrichtung) gab es dort nämlich
150 Jahre lang ein Musik– und Tanzverbot – so dass sich die Jugend in der Mainacht heimlich an abgelegenen Orten traf. Der Tanz in den Mai ist andererseits aber auch schlicht die moderne Form des alten Brauches, den Beginn des Wonnemonats Mai (
1. Mai) in der Walpurgisnacht (
30. April) mit Tanz und Gesang zu begrüßen. Schließlich markierte der Mai den Beginn der schönen Jahreszeit, in der nicht nur die Natur überall erblühte, sondern auch frisches Obst und Gemüse zur Verfügung stand – was in alter Zeit ohne Importe in den entbehrungsreichen Wintermonaten für das einfache Volk keineswegs möglich war. Man hatte also allen Grund zu feiern, was nicht zuletzt in alten Volksliedern seinen Niederschlag fand. So ist auch die in Österreich, Baden-Württemberg, Bayern und der Oberlausitz gepflegte Maibaum-Tradition Ausdruck der Freude.
Noch keine Kommentare vorhanden.