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» Schwäbisch Gmünd | Montag, 05. April 2010

Zweites Casting von „Stage Talents GD“ fand am Donnerstag im Modehaus Rudolph am Marktplatz statt

Die Gründung eines Talent Pool in Schwäbisch Gmünd schreitet in großen Schritten voran. Vorgestern nutzten 20 Jugendliche die zweite und letzte Möglichkeit, unter den Augen der fünfköpfigen Jury ihr Gesangs-​, Tanz– oder Schauspieltalent zu zeigen. Von Nicole Beuther

SCHWÄBISCH GMÜND. Ort des Geschehens war, wie schon beim ersten Casting, das Modehaus Rudolph am Marktplatz. Ein provisorisch gebauter Tisch für die Jury, ein Klavier, eine Stellwand mit Plakat — mehr gab es in dem großen Raum im ersten Obergeschoss nicht. Was den Raum füllte, war das Stimmvolumen der einen Kandidaten und die Musik, zu der wieder andere Kandidaten eine passende Tanzeinlage einstudiert hatten.
Die Sangeskünste hielten auch in den Verkaufsräumen im Erdgeschoss Einzug. Dass das, was sie zu hören bekamen, Livedarbietungen waren, hätte wohl keiner der Kunden des Modehauses vermutet, hätte am Eingang nicht ein Plakat auf das Casting hingewiesen.
Die 20-​jährige Katja Dolderer war als Fünfte an der Reihe. „Etwas aufgeregt bin ich schon“, sagte sie vor ihrem Auftritt. Doch die schauspielerische Leistung, die die Jury zu sehen bekam, zeugte von großer Professionalität. Die Mutlangerin hatte zwei Szenen vorbereitet; beide Male war keinerlei Unsicherheit zu erkennen. Die Julia aus „Romeo und Julia“ konnte die junge Frau genauso gekonnt darstellen wie einen Monolog aus „Die Jungfrau von Orléans“. Die Jurymitglieder schickten Katja Dolderer nach Hause. Nicht weil sie unzufrieden mit ihrer Leistung waren, im Gegenteil: Sie waren sehr zufrieden und konnten gar nicht genug bekommen. Als die junge Frau erzählte, dass sie ein Faible für Kabarett-​Vorstellungen habe, dauerte es nicht lange, bis die Jury die Frage stellte: „Kannst Du uns ein Stück vorspielen?“ Auch wenn es schon zwei Jahre her ist, dass die 20-​Jährige in der Theater-​AG des Scheffold-​Gymnasiums die „Feminispräch“ aus „Missfits“ zum besten gegeben hatte — ein paar Sätze hatte sie dennoch auf Lager. „Gebt mir zwei Stunden, dann kann ich es ganz“, sagte Katja Dolderer. Es war kurz vor zwölf Uhr. „Wie wäre es, wenn Du um halb vier wieder kommst?“ Katja Dolderer ließ sich nicht lange bitten. „Gut, bis später“, sagte die 20-​Jährige, die kommende Woche ihr Jura-​Studium beginnt. Die folgenden Kandidaten hatten keinen leichten Stand. Diese Leistung zu toppen, war nicht einfach. Doch auch sie nutzten ihre Chance. Beispielsweise Veronika Gacinovic, die sich als Henrik Ibsens „Nora“ sehr wandlungsfähig zeigte. „Geb die ersten zehn Zeilen so wieder, als ob Du verliebt wärst“, so die Aufforderung von Jury-​Mitglied Thomas Sachsenmaier. Keine leichte Aufgabe, schließlich ist Nora, die Protagonistin des Ibsen-​Theaterstückes, alles andere als verliebt. Improvisation war gefragt. Doch Veronika Gacinovic schlüpfte gekonnt in die Rolle einer vermeintlich verliebten Nora, drehte sich fröhlich im Kreis und zupfte unsicher an ihren Haaren. „Sehr gut“, gab es Lob von der Jury, auch für ihre musikalische Darbietung, die sie trotz Erkältung mit Bravour meisterte. So manchem war die Aufregung anzusehen, doch die Jury vermittelte immer wieder die nötige Ruhe und ermunterte die Kandidaten zum Weitermachen. „Wir sind alle nette Menschen“, sagte D’Ann Ricciolini, die die treibende Kraft von „Clairvoice Stage Talents GD“ ist. Das Casting am Donnerstag war das letzte im Rahmen von „Stage Talents GD“. Schon bald soll die Entscheidung feststehen, wer es geschafft hat und die Möglichkeit bekommen wird, Bühnenerfahrungen unter professioneller Anleitung zu sammeln.
 

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