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» Ostalbkreis | Freitag, 09. April 2010

13 Arbeitsplätze fallen weg /​Künftig Konzentration auf schlüsselfertiges Bauen, Sanierung und Umbauten

Nein, leicht gefallen sei ihm die Entscheidung nicht, sagt Heinz Kissling. Im 101. Jahr des Bestehens gibt das Ruppertshofener Unternehmen das aktive Bauen auf. 13 Arbeitsplätze fallen dadurch im Sommer weg. Von Manfred Laduch

RUPPERTSHOFEN. Der Verkauf und die Bauabwicklung von schlüsselfertigen Häusern war schon bislang die Kernkompetenz des 1909 gegründeten Unternehmens. Allerdings führte der ehemals klassische Maurerbetrieb die dazu notwendigen Rohbauten seither noch selbst aus. „Das können wir zukünftig aus mehreren Gründen nicht mehr machen“, bedauert der Chef. Zum einen bekomme man den Strukturwandel in der Baubranche immer stärker zu spüren. Der Fertighaus-​Bau nehme zu lasten des Massivbaus zu. Gleichzeitig gebe es im Rohbau-​Sektor ein Überangebot an Unternehmen mit entsprechenden Preiskampf-​Problemen.
Er selbst, der nach der Meisterprüfung mit 24 Jahren die vom Großvater gegründete Firma übernahm und jetzt 59 ist, komme kaum noch auf die Baustellen. Immer mehr von seiner Zeit müsse in den Verkauf, die Beratung von Bauherren, das Vergeben und Koordinieren von bis zu 50 Gewerken im Innenausbau gesteckt werden. Ein zusätzlicher Bauleiter wäre daher nötig, lasse sich wegen der Preissituation der Branche jedoch nicht finanzieren.
So habe er sich schweren Herzens entschlossen, die eigene Baukolonne aufzugeben. Die 13 Beschäftigten habe er davon informiert. Einige seien in einem Alter, in dem sie in Rente gehen gönnen, sagt Heinz Kissling. Die Jüngeren will er mit seinen Beziehungen – unter anderem als Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses – so gut es geht beim Finden neuer Jobs unterstützen. Der Maschinenpark wird veräußert, wenn die letzten Rohbau-​Aktivitäten im August abgewickelt sind. Die Werkstatthalle soll vermietet werden.
Die Firma wird jedoch weiter bestehen und sich mit drei Beschäftigten plus Chef auf den Verkauf von schlüsselfertigen Häusern konzentrieren. Es werde eine Rundum-​Versorgung für Bauherren geben. Dazu gehört zum Beispiel ein auf dem Firmengelände errichtetes Haus, in dem ein Dutzend Musterzimmer mit unterschiedlichsten Arten von Zuschnitten, Boden– und Wandbelägen sowie Ausstattungen zu sehen sind. Wer plant, ein Haus zu bauen, kann dort sogar probewohnen.
Zusätzlich plant Kissling, stärker in den Umbau und die Sanierung von Altbauten einzusteigen. Nach dem gleichen Prinzip: Komplett anbieten, Aufträge vergeben, Abwicklung überwachen. Sollte ein Kunde drei Wochen Baustellen-​Staub aus dem Weg gehen wollen, hält die Firma sogar alternative Unterbringungsmöglichkeiten parat.
„Mir tut dieser Schnitt im 101. Jahr des Bestehens weh“, erklärt der Maurermeister mit einer gehörigen Portion Wehmut. Für das Überleben des Unternehmens sei er jedoch unausweichlich gewesen. So dagegen habe auch die vierte Kissling-​Generation (ein Sohn ist Bauingenieur, ein weiterer will es werden) eine Chance, die Firma weiter zu führen.
 

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