Forstverwaltung und Rettungsdienste übten gestern bei Weiler den Ernstfall
Wertvolle Erkenntnisse für den Ernstfall gewannen gestern Rettungsdienste und Forstverwaltung im Rahmen einer realitätsnahen Übung, die tief im Wald und in einer Klinge bei Weiler stattfand. Rund 50 Helfer waren daran beteiligt. Auch Landrat Klaus Pavel und Oberbürgermeister Richard Arnold gehörten zu den Übungsbeobachtern.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Landrat und OB betonten bei der Begrüßung die Verantwortung und die wichtige Bedeutung einer solchen Notfallübung.
40 Prozent der Fläche im Ostalbkreis bestehe aus Wald, erinnerte Klaus Pavel. Und die Forstverwaltung des Landkreises beschäftige etwa
200 Mitarbeiter. Die meisten davon seien als Forstarbeiter da draußen mit nicht ungefährlichen Aufgaben konfrontiert. OB Arnold wusste aus eigener, trauriger Anschauung zu berichten: Sein Vater (und Landwirt) sei von einem umgesägten Baum getroffen und schwer verletzt worden. Leitender Notarzt
Dr. Hariolf Zawadil aus Aalen erklärte die Notwendigkeit, dass Forstarbeiter und Rettungsdienste immer wieder darauf getrimmt werden müssten, bei Unfällen im Wald richtig zu reagieren. Das größte Problem: Die Unglücksorte seien meist sehr abgelegen, schwer erreichbar und oft sogar im Funkschatten der Mobilfunknetze. Mit einer solchen Situation wurden die vielen Übungsbeobachter dann auch unmittelbar konfrontiert. Ja, viele fieberten mit den drei betroffenen Forstleuten, die sich als beste „Schauspieler“ zeigten, mit: Edwin Grau wird von einem umstürzenden Baum getroffen. Verdacht auf Knochenbrüche und Wirbelsäulenverletzung. Nach einer Minute gibt sein „Totmanngerät“ Alarm, so dass seine beiden Kollegen Bernd Maier und Uwe Teimel auf den Unfall aufmerksam werden. Ganz wichtig nun die Reaktion: Einer bleibt beim Verletzten. leistet erste Hilfe. Der andere rennt los, um aus dem Funkschatten zu kommen, damit die Rettungsleitstelle alarmiert werden kann. Auch ist er Lotse, um die professionellen Helfer an der Straße abzuholen und ihnen die richtigen Waldwege zu weisen. Im weitern Verlauf fiel es den Beobachtern der Notfallübung allerdings sichtlich schwer, lobende Worte für den Ablauf zu finden. Es dauerte gut eine halbe Stunde, bis Notarzt und Rettungswagen eintrafen. Und erst nach
75 Minuten lag der „Schwerverletzte“ endlich im Rettungswagen. Auffallende Unsicherheiten im ersten Helferteam: Ist eigentlich schon die Bergwacht alarmiert? Brauchen wir auch die Feuerwehr? Eher nicht. Oder vielleicht doch. Rücksprache mit der Rettungsleitstelle. Währenddessen kam der bedauernswerte Ersthelfer Bernd Maier am schlimmsten ins Schwitzen. Im Dauerlauf sorgte er nicht nur für Alarmierung und Lotsendienste, sondern wurde vom Notarzt und von den Sanitätern auch noch aufgefordert, Baumstämme und Gestrüpp auf einer steilen Strecke von etwa
30 Metern freizuräumen. Würde jetzt noch Aufregung und Schrecken in einem echten Notfall dazukommen…
Erst nach weiterer Wartezeit waren endlich Bergwacht und Feuerwehr mit ausreichend Mannschaft und Gerät eingetroffen. Bei sofortiger Alarmierung wären die orts– und sachkundigen Feuerwehrleute aus Weiler gewiss schon spätestens
15 Minuten nach dem Unglück vor Ort, vermutlich sogar noch vor dem Notarzt, um qualifizierte erste Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Auch Leitender Notarzt Hariolf Zawadil urteilte kritisch: „In so einer Situation wird doch jede helfende Hand gebraucht.“ Konsequenz: Alarmierungswege und Kommunikation müssen verbessert werden. Kreisbrandmeister Otto Feil kündigte unter dem Eindruck der aufschlussreichen Übung an: „Die Feuerwehr muss zukünftig bei einem solchen Notruf nach einem Forstunfall grundsätzlich rein in die Alarm– und Ausrückeordnung, und fertig!“
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