Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland feierte am Samstag im Prediger ihr 55-jähriges Bestehen
Gewiss war es ein Zeichen des Zusammenhalts, den die Deutschen aus Russland pflegen, als sich der große Saal des Predigers am Samstagnachmittag schnell füllte. Dort feierte die Kreisgruppe Ostalb der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland das 55-jährige Bestehen. Von Dietrich Kossien
SCHWÄBISCH GMÜND. Dazu konnte der Vorsitzende Nikolai Magal auch viele Ehrengäste begrüßen, die in ihren Grußworten mit Lob für die Kreisgruppe nicht sparten. Das Schwäbisch Gmünder Akkordeonorchester unter der Leitung von Ulrich Hieber eröffnete mit einer Ouvertüre von Carl Maria Weber die festliche Veranstaltung.
Gmünds Erster Bürgermeister Joachim Bläse betonte in seinem Grußwort, dass Gmünd aktive Landsmannschaften brauche. So sage er Dank für die aktive Vereinspolitik der über
300 Mitglieder, deren Projekte sich sehen lassen könnten. Vor
55 Jahren nach Gmünd gekommen hätten sie mit zu dem beigetragen, was heute Schwäbisch Gmünd darstelle.
Nun sei das Thema der Integration im Hinblick auf die Jüngeren wichtig, die Teilhabe an Schule und Beruf benötigten. Auch für sie sei ein guter Schulabschluss wichtig. Dazu aber bedürfe es auch der Eltern in der Landsmannschaft. Bläse hob hervor, dass auch die Senioren in der Landsmannschaft sehr aktiv seien. Er schloss sein Grußwort: „Wir brauchen sie in Schwäbisch Gmünd. Arbeiten sie mit an einer attraktiven und liebenswerten Stadt.“
Nach einem überleitenden Musikstück des Schwäbisch Gmünder Akkordeonorchesters betonte auch der
CDU–Bundestagsabgeordnete, Norbert Barthle, dass sich die Deutschen aus Russland gut, schnell und erfolgreich integriert hätten. Sie seien für Fleiß, Zuverlässigkeit und Heimattreue bekannt. Er habe als Politiker ein offenes Ohr, wenn sie Wünsche an ihn herantrügen. Sein Wunsch: „Bringen sie sich in das Gemeinschaftsleben ein, denn es gilt, zusammenzuhalten.“
Der
8. Mai, an dem sie das
55-jährige Bestehen feierten, sei auch deswegen ein besonderer Tag, weil am
8. Mai der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen sei, hob Staatssekretär
Dr. Stefan Scheffold (
MdL) in seinem Grußwort hervor. Zu den Vertriebenen habe Baden-Württemberg ein besonderes Verhältnis und habe auch die Patenschaft für die Deutschen aus Russland übernommen. Baden-Württemberg werde ihnen weiterhin ein verlässlicher Partner bleiben.
Die Festrede hielt anschließend der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch, der an die Gründung der Landsmannschaften vor sechzig Jahren erinnerte und daran, dass den Deutschen in Russland nach dem Kriege die Gleichstellung verweigert wurde. Dass Baden-Württemberg die Patenschaft für sie übernommen habe, sei kein Zufall, seien doch vor gut
200 Jahren viele Landeskinder nach Russland ausgewandert.
Nach dem Krieg hätten rund
800 000 in Baden-Württemberg eine neue Heimat gefunden. Er dankte in seiner Rede allen, die für die Arbeit in der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland weder Zeit noch Mühe gescheut hätten. Ein Grußwort sprach sodann auch die Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Leontine Wacker.
Nach dem offiziellen Teil konnten sich die vielen Teilnehmer nicht nur an Kaffee und Kuchen, sondern auch an einem schönen Programm mit Musik, Gesang und Tanz erfreuen, das von der Klassik bis zur Moderne reichte. Gestaltet wurde es unter anderem neben dem Schwäbisch Gmünder Akkordeonorchester vom Internationalen Frauenchor „Coral Alegria“ unter seiner Leiterin Veronica Cardenas de Sattler, Junus Gublzarow aus Usbekistan (Träger des goldenen Saxophons), Philipp Propst und Galina Friesen (Klavier) und der Ballettschule Schnell aus Schwäbisch Gmünd unter der Leiterin Ludmilla Schnell.
Pfarrer Konrad von Streit von der evangelischen Martin-Luther-Kirche schloss die Jubiläumsfeier mit einem Geistlichen Impuls ab.
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