Gmünder Krämermarkt: Hier gibt es sie noch, die Dinge, die man anderswo nicht findet
Für viele ist der Gmünder Krämermarkt nicht nur eine Möglichkeit zum Vertrieb und Erwerb von Waren, sondern auch ein Forum zur Kommunikation. Momentan jedoch scheint sich die wirtschaftliche Lage auch auf die Besucherzahlen auszuwirken.
SCHWÄBISCH GMÜND (sf). Bereits seit
1955 baut die Familie von Berthold Gutheil aus Durlangen ihren Textilwarenstand auf dem alljährlichen Gmünder Krämermarkt auf. Und auch am gestrigen Montag ist er wieder, zusammen mit seiner Frau Ursula, auf dem Marktplatz anzutreffen. Die meisten seiner Kunden kennt er bereits seit vielen Jahren. „Manche der Leute stoppen auch nur um zu reden’’ erklärt er.
Den Gutheils ist vor allem der individuelle Kontakt zum Kunden wichtig. Das Persönliche, das in vielen Läden heutzutage leider fehlt. Ohne ihre Stammkundschaft jedoch sagen sie, könnten sie auf dem Markt heute nicht mehr überleben. Als einen „Spiegel der Wirtschaft’’ bezeichnet Berthold Gutheil die Wochenmärkte. Egal mit wem man spricht. Die Meinung ist überall die selbe – die Besucherzahl des Marktes geht von Jahr zu Jahr zurück. Annemarie Korn, die mit ihrem Obststand seit
38 Jahren verschiedene Wochenmärkte besucht erklärt sich diesen Trend vor allem durch die billigeren Preise, die große Einkaufsketten, zum Beispiel beim Obst, bieten können. „Die Händler auf den Märkten kaufen kleine Mengen an Ware und können somit garantieren, dass diese frisch ist. Das macht die Sachen dann aber eben auch etwas teurer’’, berichtet sie.
Auch Anneliese Fruck aus Hussenhofen, deren Familie schon seit
55 Jahren mit ihrem Gardinenstand auf dem Markt vertreten ist meint, dass sich die Zeiten verändert haben und ohne Stammkundschaft heute vermutlich nichts mehr gehen würde.
Peter Langer aus Wien, genannt „Der Österreicher’’, bereist mit seinem Biowaren-Stand Märkte in ganz Süddeutschland. Er hat Angst, dass diese momentan Gefahr laufen zu sterben. Und dabei gibt es so vieles zu entdecken auf dem Krämermarkt in Schwäbisch Gmünd. Helmut Göttlich aus Dassel in Niedersachsen, auch bekannt als der berühmteste Schuhputzer der Welt, reist jedes Jahr
450 km, um bei dem Markt dabei zu sein. „Gmünd ist praktisch eine Pflicht für mich’’ meint er. Er ist der Meinung, dass Märkte Menschen helfen. Er liebt die Kommunikation mit den Leuten und für jeden Passanten hat er einen passenden Ratschlag bereit. „Sogar Lehrer und Professoren kommen zu mir’’, weiß er zu erzählen. Der Grund dafür liegt seiner Meinung nach in seiner Erfahrung. Er ist in ganz Europa unterwegs und kommt somit mit vielen verschiedenen Arten von Menschen zusammen.
Auch er sagt jedoch, dass er mit seinen Preisen immer weiter herunter gehen muss, um Kundschaft anzulocken. Fair fände er es somit, wenn auch die Marktgebühren etwas nachlassen würden. Helmut Göttlich kommt auf den Markt, weil es ihm Spaß macht — und das kann man ihm auch ansehen. ‚Pflanzen und Säen’’ nennt er den Austausch mit den Menschen.
„Auf dem Markt gibt es Sachen, die man in Läden nicht finden kann’’, meint auch Ingrid Gehring, die seit vielen Jahren zu den Besuchern des Gmünder Krämermarktes gehört. Für sie es schon schön, sich einfach nur an den Ständen umzusehen. Und in welchem Discounter bietet die Verkäuferin schon freundlich an die Gardinen gleich noch abzumessen und aufzuhängen? „Wir machen alles“, lacht Anneliese Fruck auf die Frage einer Kundin hin fröhlich.
Noch bis Mittwoch ist der Krämermarkt auf dem Gmünder Marktplatz zu finden. Und egal, ob man etwas kaufen will, sich nur mal umschaut oder vielleicht einen guten Ratschlag sucht, ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.
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