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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 12. Mai 2010

In der kommenden Woche beginnen die interkulturellen Begegnungen: Kürbisse und Kräuter, Gedichte und Gespräche

Sie haben vieles gelernt. Über Bibel und Koran, über die Religion „der anderen“, über ihre Herkunft. Nun finden sie, dass es an der Zeit ist, noch viel mehr als bisher gemeinsam schöne Stunden zu verbringen. Gestern wurde Lust gemacht auf die Interkulturellen Frauenbegegnungen. Auf Kochen und Kürbis, auf Gedichte und Gespräche.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Begonnen hat alles 2006. Damals kam im Frauenforum der Wunsch auf, die Moschee zu besuchen. Frauenbeauftragte Elke Heer erinnert sich an einen „pulsierenden, lebendigen Abend“, an Begegnung, die Freude machte. Sicher ist dass damals türkische und deutsche Frauen gleichermaßen den Wunsch äußerten, öfter zusammenzukommen. Zunächst wurde dann von „interreligiösen Begegnungen“ gesprochen, und entsprechend stand meist die Religion im Mittelpunkt — auch wenn es Dank Aynur Keles, die als begnadete Köchin gilt, fast von Anfang an gemeinsame Kochabende gab. Immer mehr Frauen machten dann deutlich, dass sie weniger Information wollten und mehr Austausch. Erstmals wird nun von „interkulturellen Begegnungen“ gesprochen; Elke Heer freut sich über einen „Blumenstrauß unterschiedlichster Veranstaltungen“.
Dafür haben ihre Mitstreiterinnen gesorgt. Cigdem Erdogan etwa ist die Gmünder Vertreterin des „Süddialogs“, in dem der Gmünder Förderverein Yunus Emre aufgegangen ist, und der sich in allererster Linie um Bildung und Dialog bemüht. Süddialog, das sind die Muslime, die ganz selbstverständlich Christen zum Fastenbrechen einladen. Cigdem Erdogan organisiert bereits in der kommenden Woche, am Dienstag, 18. Mai, um 19 im Café Spitalmühle einen Abend, an dem sich der Süddialog vorstellt: „Unsere Vergangenheit ist nicht dieselbe, unsere Zukunft jedoch schon“. An diesem Abend wird ebenfalls ein offenes Buffet angeboten, denn auch ein gemeinsames Mahl hilft dem Verein, „Brückenbauer zu sein in einer multikulturellen Gesellschaft“. „Eine Begegnung leistet mehr als 100 Bücher“, sagte Cigdem Erdogan gestern bei der Pressekonferenz – bemerkenswerte Aussage für eine, die Bücher so sehr liebt.
„Dialog geht durch den Magen“
gemeinsam kochen und essen
Aynur Keles ist für die Kocheabende verantwortlich, in denen sie und ihre Mitstreiterinnen zeigen wollen, dass die türkische Küche „genau so farbig ist wie das Kulturmosaik des Landes“. Aynur Keles findet, dass man sich beim Kochen näher kommt. Dass aus solchen Kochabenden Freundschaften entstanden sind, gar gemeinsame Reisen nach Istanbul, gibt ihr Recht. Interessierte Frauen treffen sich zu diesem „interkulturellen Kochkurs“ am 18. Juni und am 13 Juli in den Räumen der Lernhilfe in der Bocksgasse.
Nurhan Öztürk und Aysun Yilmaz werden am Freitag, 18. Juni, durch die neue Ditib-​Moschee in der Becherlehenstraße führen, wo über Pläne und Projekte gesprochen wird, über Ängste und Hoffnungen, wo natürlich ebenfalls gemeinsam gegessen und getrunken werden soll. „Es ist eine spannende Zeit“, sagt Nurhan Öztürk, unglaublich viel Arbeit, aber eben auch das schöne Gefühl, dass alle zusammenhelfen: „Jung und Alt und sogar die Kranken“ seien auf der Baustelle zu finden, jeder spende nach Kräften. Sie freut sich vor allem darauf, den deutschen Frauen die Frauenräume der Moschee zeigen und die künftige Jugendarbeit vorstellen zu können.
Kirsten Schunck vom Frauenforum hat ihre Türkei-​Liebe im Urlaub entdeckt und findet es einfach wichtig, „zu einem guten Zusammenleben zu finden“. Und das sei nun mal in erster Linie eine Frage des Kennenlernens und des Brückenbauens. Sie erzählte gestern von der Freude, die ihr diese Begegnungen von Anfang an gemacht haben. Und natürlich das Kochen: „Liebe geht doch auch durch den Magen, warum nicht der Dialog?“ Schunck erinnerte dabei ans Jubiläumsjahr 2009 und an Landfrauen, die gebeten hatten, nicht nochmal 25 Jahre bis zu einem „Markt der Möglichkeiten“ vergehen zu lassen: Man habe so nett mit den türkischen Frauen geplaudert.
Kirchenfrauen: Verstehen, was die anderen bewegt und prägt
Dorothea Wallbrecht-​Harr vom evangelischen Dekanat sprach gestern für die Kirchenfrauen. Sie hat am 18. September einen Ausflug ins Blühende Barock organisiert, wo an diesem Tag die große Kürbisausstellung zu sehen ist – einfach weil ein solcher Ausflug vielfach gewünscht worden sei. Dazu passend gibt’s am 1. Oktober einen Kürbis-​Koch-​Abend
Wallbrecht-​Harr kam zu den „Begegnungen“, als sie gebeten wurde, muslimischen Frauen den christlichen Glauben vorzustellen – und dann ist sie geblieben. „Wir leben in der selben Stadt; wir sollten nicht nur nebeneinander leben, sollten es ermöglichen, dass sich Fremde beschnuppern“. Nicht immer sei alles harmonisch gewesen, bei den „Begegnungen“; man müsse sich endlich kennen lernen, so Wallbrecht-​Harr, müsse zuhören, wahrnehmen und verstehen was die anderen bewegt und prägt. Gertrud Kolbe-​Lipp, Chefin der Spitalmühle, hat ähnliche Gedanken, sagt, man müsse lernen zu verstehen, ohne zu vergleichen oder auch zu urteilen. In der Spitalmühle seien vor allem die Älteren nicht immer glücklich über die deutsch-​türkischen Angebote, aber die Mühe lohne unbedingt.
Frauenbeauftrage Elke Heer tut ein übriges, diese Veranstaltungsreihe durch den Sommer zu bringen: So hat sie am Dienstag, 6. Juli, einen Vormittag im Weleda-​Heilpflanzengarten organisiert, mit Empfang, Führung und Einkaufsmöglichkeit. Ein anderer Höhepunkt wird ein poetischer Frauenabend sein, zu dem jede Frau ihr deutsches oder türkisches Lieblingsgedicht mitbringen soll – diesen Abend begleitet die Literaturwissenschaftlerin Dr. Inci Tebacak. Auch andere Veranstaltungen soll es geben, vom dreitägigen Kermes-​Fest in der Moschee über einen vom Süddialog organisierten Vortrag von Prof. Dr. Karl-​Josef Kuschel über die Kinder Abrahams bis hin zum „Liturgischen Weg am Abend“.

Infos gibt’s in Flyern, die derzeit verteilt werden, bei Elke Heer, 07171 6031610, oder bei den anderen Organisatorinnen.
 

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