Auch in Untergröningen gibt es Bemühungen, eine alte Stahlbrücke zu erhalten /Fußgänger haben keine Alternative
Auch Untergröningen hat eine Brücke, deren Tage gezählt sind, für die sich aber nicht wenige im Ort einsetzen: Die Abtsgmünder Verwaltung beruft sich auf eine Vorschrift, nach der auch „Fußstege“ bestimmten Standards genügen müssen – und da kann die alte Eisenbahnbrücke nicht mithalten.
ABTSGMÜND-UNTERGRÖNINGEN
(bt). Fehrle-Vergleiche sind oft zu hören in diesen Tagen: Diese Brücke, die so lange die Landschaft geprägt und zigtausende Züge getragen hat, solle für Fußgänger erhalten werden. Ortschaftsrat Thomas Bacher etwa blickt auf die Gmünder, die sich für ihre Konstruktion stark gemacht haben, und findet auch das Untergröninger Brückle erhaltenswert. Aber das ist nicht der Punkt: Gäste etwa, die das Angebot „Draisine“ nutzen, müssten ohne die alte Brücke den Umweg über die Bundesstraße abwandern und hätten dann, so Bacher, sicher keine Lust mehr, sich auch noch auf den Weg zum Schloss zu machen. Zumindest, so sehen es viele im Ort, müsste die Brücke erhalten werden, bis die geplante Brücke am Argenbach gebaut ist, Anbindung ans Industriegebiet am Bahnhof für die Firmen Holopack und Grau
&Wagenblast.
Es ist Jahre her, dass die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) Untergröningen aus ihrem regulären Schienennetz genommen hat. Seit
2005 ist der Ort komplett für den Eisenbahnverkehr gesperrt. Weil sie für ihre Liegenschaften keine Verwendung mehr hatte, verkaufte die WEG damals Gelände und Gebäude an die Gemeinde. Annegret Glombik, Leiterin des Bauverwaltungsamtes in Abtsgmünd, erklärt, im Kaufvertrag habe sich die WEG verpflichtet, Schienen und Schwellen etc., also alles bis auf Bahnhof, abzubauen. Auch die Brücke. Diese zu sanieren hieße nämlich, „die gesamte Konstruktion einzupacken“. Glombik zufolge gibt es nämlich am Brückengeländer „schädliches Material“, das beim Abschleifen keinesfalls in den Kocher fallen dürfe, was eine Instandsetzung teuer mache. „Das steht in keinem Verhältnis“, so die Stellungnahme der Verwaltung.
Und alles lassen wie es ist? Diese Brücke könnte noch viele, viele Jahre lang ohne jede Beanstandung Menschenlast tragen: Das Ding ist für die Ewigkeit gebaut. Aber die für Bauverwaltung und Baurecht zuständige Fachfrau im Abtsgmünder Rathaus sagt, das zähle nicht: „Wenn die Gemeinde die Unterhaltung übernimmt, ist sie verpflichtet, einen bestimmten Standard einzuhalten, der nach dem Brückenbuch vorgeschrieben ist“. Und das wäre noch immer „mit hohen Kosten verbunden“. Von welcher Größenordnung die Rede ist, konnte gestern nicht geklärt werden. Annegret Glombik gab außerdem zu bedenken, dass „derzeit noch Grunderwerb getätigt“ werde – gut möglich, dass diese Brücke eines Tages in Privatgelände münde und ohnehin nicht mehr begangen werden könne.
Horst Windeisen, Geschäftsführer der WEG, wollte sich gestern nicht zum Thema „alte Untergröninger Eisenbahnbrücke“ äußern: „Ich würde in der Presse doch auch nicht Stuttgart
21 kommentieren“. Die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft jedenfalls sei in diesem Fall nur noch „Bauunternehmer“, die Strecke längst ins Eigentum der Gemeinde übergegangen. Die WEG werde diese Brücke abbauen, und zwar „im nächsten halben Jahr“, weil sie vertraglich dazu verpflichtet sei. Wenn es eine Chance gibt, diese ganz eigene Kocherbrücke zu halten, dann ist sie in Abtsgmünd zu suchen.
Wann die neue Brücke gebaut wird, steht in den Sternen. Eine Zeitlang war spekuliert worden, dass vielleicht die Firma Holopack das Projekt realisieren soll – was Geschäftsführer Bernd Hansen entschieden von sich gewiesen hat –, doch aus der Abtsgmünder Verwaltung hieß es gestern, selbstverständlich werde die Gemeinde bauen. Nur wann steht nicht fest.
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