Mutlantis macht 660 000 Euro Miese /Spürbarer Besucherrückgang /Blockheizkraftwerk hilft sparen
Den Mutlangern ist ihr Hallenbad lieb und teuer. Das wurde im Betriebsbericht deutlich, den Wolfgang Siedle dem Gemeinderat präsentierte. Wie andere Bäder muss das Mutlantis sinkende Besucherzahlen hinnehmen.
MUTLANGEN (sie). Während im Jahr
2005 noch insgesamt
96 889 Bade– und Saunagäste das Drehkreuz passierten, waren es im Jahr
2009 nur noch
82 649 Besucher. Dieser Rückgang um rund
14 % innerhalb von
4 Jahren ist, verglichen mit anderen Bädern, die innerhalb von
3 Jahren sogar einen Rückgang bis zu
34 % hinnehmen mussten, noch relativ moderat. Siedle führte diese Entwicklung unter anderem auf die schwierigere wirtschaftliche Situation vieler Badegäste zurück. Er wies aber auch darauf hin, dass in den letzten zwei Jahren im Einzugsbereich des Mutlantis neue Bäder eröffnet haben bzw. erweitert wurden. Dies führe teilweise dazu, dass frühere Badegäste des Mutlantis aus dem Umfeld dieser Orte nun in das für sie näher gelegene Bad gehen würden.
Um dieser rückläufigen Besuchertendenz entgegenzuwirken, hat das Mutlantis verschiedene Aktionen wie Saunaabende und Kinderspielnachmittage durchgeführt, um zusätzliche Besucher nach Mutlangen zu locken. Erfreulicherweise hätten sich die Besucherzahlen im Jahr
2010 stabilisiert, so dass in den ersten Monaten dieses Jahres ein kleiner Besucherzuwachs im Vergleich zum Vorjahr erreicht werden konnte.
Einen breiten Raum im Betriebsbericht nahm die Darstellung der finanziellen Situation ein. Für den laufenden Betrieb fielen im vergangenen Jahr rund
93 3000 Euro an. Die wichtigsten Kostenblöcke sind dabei die Unterhaltung des Gebäudes und der Technik, die Personalkosten und die Energiekosten. Mit rückläufigen Besucherzahlen gehen parallel dazu auch die Einnahmen auf nunmehr
274 000 Euro zurück, zumal auch die aktuellen Eintrittspreise seit
1998 unverändert gelten. Dies führt dann insgesamt zu einem Betriebsverlust von knapp
660 000 Euro. Oder anders ausgedrückt: Jeden einzelnen Mutlantisbesucher bezuschusst die Gemeinde Mutlangen mit acht Euro.
Aufgrund der immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen stagnierenden Einnahmen und steigenden Ausgaben stimmte Siedle das Gremium auf einen tendenziell steigenden Betriebsabmangel ein. Siedle legte großen Wert auf die Feststellung, dass trotz hoher Kosten im Hinblick auf die Sicherheit und Gesundheit, auf die Hygiene und auch auf Wohlfühlfaktoren wie Wasser– und Raumtemperaturen keine Abstriche gemacht werden dürfen.
Erfreuliche Zahlen konnte der „Bademanager“ bei der Entwicklung des Energiebedarfs vermelden. Der Stromverbrauch konnte auf einen Rekordwert mit rund
500 000 kWh gesenkt werden. Vor allem durch die im Herbst
2008 eingebauten Frequenzumformer für die Umwälzpumpen konnte der Stromverbrauch um
100 000 kWh reduziert werden. Durch verschiedene Maßnahmen im Rahmen eines Energieeinsparcontractings mit der Fa. IECOS konnte der Wärmebedarf von über
2 Mio. kWh um über
300.
000 kWh im Jahr gesenkt werden. In den vergangenen sechs Jahren konnte die Gemeinde Mutlangen durch die Energieeinsparmaßnahmen insgesamt fast
160 000 Euro einsparen. Eine sehr gute Entscheidung war die Inbetriebnahme eines Blockheizkraftwerkes im Mutlantis. In den rund
6300 Betriebsstunden im Jahr
2009 erzeugte das BHKW
250 000 kWh Strom und
435 000 kWh Wärme, die nahezu komplett vom Mutlantis abgenommen wurde und damit nicht von extern eingekauft oder anderweitig erzeugt werden musste. Insgesamt konnten durch den Betrieb des BHKW im Mutlantis im Jahr
2009 über
30 000 Euro eingespart werden. Damit amortisieren sich die Investitionskosten in Höhe von
145 000 Euro bei gleichbleibenden Energiekosten in knapp
5 Jahren, bei steigenden Energiepreisen sogar noch schneller. Durch die ständige Optimierung kann im laufenden Jahr sogar mit noch höheren Betriebszeiten und damit höherer Energieausbeute gerechnet werden.
Allein in den ersten vier Monaten diesen Jahres konnte die Laufzeit des Blockheizkraftwerkes schon um
820 Betriebsstunden im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres erhöht werden.
Gemeinderat Alfons Hofelich regte an zu überprüfen, ob durch eine Solarheizung und den Einsatz von LED-Technik weitere Energieeinsparungen zu erzielen wären. Gemeinderätin Rosemarie Gaiser bestätigt, dass sich Familien im Mutlantis sehr wohl fühlen würden. Um Kosten zu sparen könnte man nach ihrer Einschätzung evtl. einen Tag schließen oder die Eintrittspreise moderat erhöhen. Anstelle von höheren Eintrittspreisen plädiert Gemeinderat Frieder Steinhilber dafür, durch weitere Maßnahmen mehr Badegäste ins Mutlantis zu locken und so die Einnahmesituation zu verbessern.
Auch im Vergleich mit anderen Bädern sind die Besucherzahlen im Freizeitbad Mutlantis nach Ansicht von Gemeinderat Robert Mürdter nicht schlecht. „Das Bad gehört zur Qualität von Mutlangen“. In die gleiche Kerbe schlug Hans Lasermann, Mutlangen könne stolz sein auf diese Einrichtung. Ein Hallenbad sei immer mit einem Abmangel behaftet.
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