Im Bürgerhaus zeigte die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Carmina Brenner, die demografische Entwicklung auf
Die demografische Entwicklung in Baden-Württemberg und in der Stadt Lorch – eine Herausforderung für die Kommunalpolitik? Unter diesem Thema sprach gestern Abend im Bürgerhaus im Rahmen einer Gemeinderatssitzung die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, Dr. Carmina Brenner. Von Heinz Strohmaier
LORCH. Das Thema „demografische Entwicklung“ beschäftigt die Politiker schon lange. Auch die Betriebe, Vereine und nicht zuletzt unsere Rentenversicherung sehen in dieser Entwicklung ein großes Problem auf sich zukommen. Das ist in Lorch nicht viel anders als im Land oder in der Republik. In den Details gibt es aber ein paar kleine Unterschiede, die sich der Gemeinderat und zahlreiche Besucher genau anhörten. „Selten habe ich einen Vortrag gehört, bei dem es so ruhig war wie heute“, sagte Bürgermeister Karl Bühler nach dem Vortrag von
Dr. Brenner, die zu Beginn und am Ende darauf hinwies, dass dies keine geschätzten Prognosen seien, sondern zuverlässige Hochrechnungen und damit repräsentativ, im Vergleich zu vielen Meinungsumfragen.
Rund
280 Statistiken werden vom Landesamt Baden-Württemberg hergestellt, davon sind
46 reine Landesstatistiken. Mit ein großes Thema sei die Bevölkerungsentwicklung. Bis zum Jahr
2008 sei das Land stets gewachsen. Allerdings zwei Drittel des Wachstums sei durch Zuwanderung entstanden und nur ein Drittel durch Geburtenzuwachs. Die Zuwanderung habe aber nachgelassen (so wenig wie noch nie), die Geburten ebenfalls. Dazu steige der Altersdurchschnitt der Bevölkerung. Auffallend sei, dass der Rückgang in den ländlichen Kreisen am größten sei und es viele junge Familien wieder in die Stadt ziehe. Im Jahr
2030 gehe die Bevölkerung im Ostalbkreis um fünf Prozent zurück, in Lorch um
5,
6 Prozent, in Heubach um
7,
4 und in Waldstetten sogar um
7,
8 Prozent. Die einzige Gemeinde im Ostalbkreis, die einen Zuwachs verbuchen könne, sei Mutlangen mit plus
6,
3 Prozent. Nur noch
16 Prozent der Familien hätten drei oder mehr Kinder; im Jahr
1972 war das noch rund ein Drittel. Gründe dafür gebe es viele. Zum einen gebe es viele Arten von Lebensformen, und die Lebensform „Familie mit Kinder“ sei nur noch eine. Der Wertewandel, die Vereinbarkeit Familie/Beruf, die finanzielle Situation oder die verlässliche Partnerschaft seien ein Grund, und letztlich die gesellschaftliche Akzeptanz berufstätiger Mütter, dies sei aber ein rein Deutsches Problem.
Welche Schlüsse müsse man daraus ziehen? Jede vierte Schulbank wird
2030 leer bleiben,
15 Prozent weniger Kindergartenplätze werden benötigt, aber die Zahl der Pflegebedürftigen wird um bis zu
51 Prozent steigen. Die Haushaltsstrukturen ändern sich, jeder will für sich leben, die Pflege Älterer in der Familie wird kaum mehr möglich sein. Die Zahl der Haushalte wird steigen (mehr Singles), damit auch der Platzbedarf (mehr Quadratmeter), doch dies werde den Rückgang beim Wohnungsbau nicht kompensieren. Während vor zehn Jahren noch rund
1700 neue Wohneinheiten im Ostalbkreis entstanden sind, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund
600. Im Jahr
2030 wird die Bevölkerung im Land um rund
400 000 zurückgegangen sein, in Lorch fehlen gegenüber heute rund
600 Bürger,
Dr. Carmina Brenner ging noch kurz auf die Gruppe der über
60-Jährigen ein, die sie mehrmals unterteilte in noch Berufstätige, junge Rentner, muntere
70er (die sollten eigentliche die Stützen im Ehrenamt sein) und Hochbetagte, die immer öfter Pflege von außerhalb benötigen.
Dass ein Rückgang der Schülerzahlen nicht schlecht sein müsse, sagte Gemeinderat Manfred Schramm (Lehrer). Denn damit habe man die Chance, dass die Klassen kleiner und die Ausbildung besser werde. Auch
Dr. Brenner sagte, dass man mehr Platz habe, ohne Investitionen tätigen zu müssen. Stimmt es, dass billiges Bauland keine Garantie für Wachstum sei, fragte Bürgermeister Bühler. „Ja“, sagte die Chef-Statistikerin und meinte, der Bevölkerungsrückgang sei prinzipiell nicht schlecht, man muss nur damit umgehen können. Man werde ja von diesen Zahlen nicht überrascht, sie seien ein schleichender Prozess.
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