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Kultur |
Mittwoch, 26. Mai 2010
Meisterwerk des gebürtigen Gmünders wurde gestern für den Rückweg nach Erfurt vorbereitet
Dem letzten Blick entzog sich der alte Meister. Schon eine Viertelstunde vor dem vereinbarten Fototermin im Gmünder Museum im Prediger war vom Einpacken nichts mehr zu sehen. Stattdessen stand nur die fertige Holzkiste an der Wand.
AUSSTELLUNG
(ml). Heute geht Hans Baldung Grien auf Reisen. Fast zwei Jahre lang war das Bild „Die Erschaffung der Menschen und Tiere“ zu Gast in der Geburtsstadt seines Erschaffers. Das Erfurter Angermuseum, dem das Werk gehört, wurde in diesem Zeitraum renoviert.
Mitsamt seiner absolut dicht abgeschlossenen Klima-Vitrine war das Gemälde nach Schwäbisch Gmünd gekommen. Gestern kamen Karin Kosicki, Chefrestauratorin der Erfurter Museen, und Karsten Horn, Kustos der Mittelaltersammlung des Angermuseums, in die Stauferstadt, um es für die Rückreise vorzubereiten.
Relativ schnell war das Meisterwerk in einer Holzkiste verschwunden. Im Laufe des heutigen Tages sorgt eine auf solch wertvolle Fracht spezialisierte Spedition für den Transport in die Stadt am Südrand des Thüringer Beckens, im weiten Tal der Gera.
Wer das Bild des gebürtigen Gmünders allerdings an seinem normalen Standort betrachten möchte, muss noch zweieinhalb Wochen warten. „Die Wiedereröffnung des renovierten Angermuseums ist am
12. Juni. Wir brauchen noch ein paar Tage, um alles richtig herzurichten“, erklärte Karin Kosicki im Gespräch mit der Rems-Zeitung.
In der gesamten Darstellung
dieses Themas erstaunlich
Entstanden ist Baldungs lebensgroßes Schöpfungsbild
1532/
33 wahrscheinlich als Teil eines großen Uhrgehäuses, von dem heute nur noch eine Tafel im Nationalmuseum in Stockholm erhalten ist. In einer ausgefeilten Bildregie fasst Baldung vier nach der Zeit verschiedene Szenen in einer komplexen Komposition zusammen: zunächst die Erschaffung Adams, dann die Evas aus der Rippe Adams, danach die der Tiere und schließlich die der Landschaft mit Bäumen und Pflanzen.
Diese Darstellung der biblischen Schöpfungsgeschichte ist in ihrer Art nicht nur im Werk Baldungs eine Besonderheit, sondern auch in der gesamten Darstellung dieses Themas erstaunlich. Den vielfältigen Fragestellungen und Rätseln, die das Gemälde für den heutigen Betrachter aufwirft, ist das Museum im Prediger im Laufe der Präsentation in Vorträgen mit Kunsthistorikern und Theologen wie auch in eigenen Forschungen nachgegangen. Dabei wurden wichtige Entdeckungen gemacht, die auf die weitere Beschäftigung der Baldung Forscher mit diesem Bild einwirken werden.
Hans Baldung, genannt Grien, wurde
1484/
85 in Schwäbisch Gmünd geboren und zählt zu den herausragenden Malern der Renaissance in Deutschland. Zu Baldungs Hauptwerken gehört der Hochaltar des Münsters zu Freiburg (
1512 –
1516). Neben diesem Hochaltar sind von Hans Baldung rund
100 weitere Gemälde erhalten. In diesen zeigte er sich als Meister, der es verstand, neue Wege in der Farbgebung zu gehen und den überlieferten Bildthemen idyllische und märchenhafte, manchmal auch dämonische Züge zu verleihen.
1545 starb Baldung hoch angesehen in Straßburg.
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