Toleranz der Gmünder hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen
In Schwäbisch Gmünd leben rund 60 000 Bürgerinnen und Bürger, viele mit Migrationshintergrund und den verschiedensten Religionszugehörigkeiten. Bei der Religionszugehörigkeit spielt eben dieser Migrationshintergrund eine große Rolle.
SCHWÄBISCH GMÜND (ia). So gehören
9014 Gmünder (im Gebiet der Innenstadt Rehnenhof, Weststadt, Herlikofen/Hussenhofen und Hardt/Oberbettringen) ohne Migrationshintergrund der evangelischen Kirche an. Weit mehr sind es bei der römisch-katholischen Kirche:
26 571. Die restlichen Bürger gehören keiner Religion an beziehungsweise ihre Religionszugehörigkeit ist ungeklärt oder sie gehören sonstigen Religionsgesellschaften wie
z.B. den Zeugen Jehovas oder der evangelisch-methodistischen Kirchen an.
Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion sind eher evangelisch als katholisch, wobei es sich bei den Katholiken meist um Einwohner mit rumänischen Migrationshintergrund handelt. Auch Mitbürger, die aus Italien beziehungsweise Polen stammen, sind zum größten Teil katholisch.
Die meisten Moslems in Schwäbisch Gmünd stammen aus der Türkei, ihre Anzahl liegt bei etwa
7000. Orthodox sind meist Einwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien und Griechenland.
Informationen über die genaue Anzahl von Buddhisten und Juden gibt es allerdings nicht, da ihre Mitgliederzahl in Schwäbisch Gmünd sehr gering ist. So waren
97 Personen im
19. Jahrhundert die größte Anzahl an Juden, die es bisher in Gmünd gegeben hatte.
Bei einer so großen Vielfalt an religiösen Überzeugungen stellt sich natürlich die Frage, wie die dadurch entstehenden Konflikte gelöst werden und wie vor allem die Jugendlichen diesbezüglich miteinander umgehen.
In Schwäbisch Gmünd gibt es eine „Türkisch Islamische Gemeinde zu Schwäbisch Gmünd“. Der Verein wurde
1964 gegründet und zählt mittlerweile rund
800 Mitglieder. Die Gmünder Moscheen geben sich sehr offen; ihre angebotenen Führungen sind bei Nicht-Muslimen sehr beliebt. Die Moscheen dienen nicht nur dem Gottesdienst, in ihnen werden den Jugendlichen auch der Koran näher gebracht und man trifft sich dort, um über allgemeine Themen zu diskutieren.
Jugendhaus ein gutes Beispiel
für Zusammentreffen der Kulturen
Ein sehr gutes Beispiel für das Zusammentreffen von Jugendlicher verschiedenster Konfessionen ist das Jugendhaus. Dort scheint es die jungen Leute nicht zu interessieren, wer was oder an welchen Gott glaubt. Auch Mädchen mit Kopftüchern werden toleriert. Die meisten Jugendlichen sind miteinander befreundet. Schweinefleisch wird von einem Großteil der Muslime, auch von den jüngeren unter ihnen, abgelehnt.
Özcan Polat, studierter Pädagoge und Mitarbeiter des Jugendhauses, meint, dass die Erwachsenen im Vergleich zu den Jugendlichen intoleranter sind. Früher habe es viel mehr Konflikte bezüglich der verschiedenen Religionen gegeben. Dies zeige, dass sowohl Christen als auch Moslems im Laufe der Jahre gelernt haben, den Glauben des anderen zu respektieren, was man wohl als einen erfreulichen Fortschritt bezeichnen kann.
Doch wenn einmal religiöse Konflikte auftreten liegt deren Ursprung meist darin, dass viele nicht genügend über die eigene Religion und die des Anderen aufgeklärt sind. Ein weiterer Aspekt ist wohl auch, dass manchmal „Moslems“ mit „Islamisten“ und „Terroristen“ gleichgesetzt werden, was aber keinesfalls dasselbe ist. Um Vorurteile aus dem Weg zu räumen sollte man weiterhin aufeinander zugehen und sich besser kennenlernen, wozu die Moscheen auch einladen.
„Es treten weniger Konflikte wegen Religion auf, sondern eher wegen kultureller Unterschiede“, meinte Özcan Polat weiter. Bildung sei das A und O, um Migranten zu integrieren und um eine Ausbildungsstelle zu bekommen, dies gilt allerdings auch für Nicht-Migranten.
Ein Jugendlicher des Jugendhauses ist der Meinung: „Kinder sollten ihre Religion selbst aussuchen können.“
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