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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 28. Mai 2010

Prof. Alfred Lutz schenkt seiner Heimatstadt und der Aktion „Gmünd macht Mittwoch“ einen Film

Es ist wahrhaft eine „Hommage an Schwäbisch Gmünd“, eine Liebeserklärung, in gewisser Weise auch das Lebenswerk eines Mannes, der die Stadt mit den Augen eines Künstlers und eines Liebenden sieht: Alfred Lutz. Die RZ durfte seinen Film, der am 30. Juni im Rahmen von „Gmünd macht Mittwoch“ vorgestellt wird, vorab sehen.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Gmünd mit anderen Augen betrachten, wirklich wahrnehmen, was längst alltäglicher Anblick geworden ist: Das ist ein Geschenk. So führt Alfred Lutz, dem seine 90 Lebensjahre ganz bestimmt nicht anzusehen sind, das Publikum im Kinosaal auf den Salvator. Mit — vielfach verfremdeten — Fotografien und mit seinen Aquarellen zeigt er Felsenkapelle und Laubgewölbe in einem Farbenrausch, der Mysterien anklingen lässt und Romantik, der den Wunsch weckt, viel mehr zu sehen. Die vom Hintergrund befreiten lebensgroßen Figuren des Kreuzwegs, die selten, wenn überhaupt, so detailliert gezeigt wurden, gewinnen fast beängstigende, in jedem Fall verstörende Lebendigkeit: Dieser Leidensweg, der die Welt verändert hat, musste in des Wortes eigentlicher Bedeutung durchlitten werden, und der Salvator zeigt das ganze Grauen dieser Geschichte. Dazu sind Ausschnitte des Requiems von Mozart zu hören.
Lutz, dem Idee, Konzeption und die gesamte Produktion dieser „Videoaufzeichnung Gmünder Kulturguts“ zu verdanken sind, bedankt sich herzlich bei Stefan Kirchenbauer, der ihn bei der Musikauswahl beraten hat. Besondere Anerkennung gilt dem verstorbenen Dr. Karl Hans Bühner, der die zum Teil in altertümlichem Deutsch geschriebenen Texte verfasst hat — jenem Deutsch, das gemeinhin großen Epen vorbehalten ist und den von großen Gefühlen getragenen Bildern und Musikstücken gerecht wird.
Der Film beginnt und endet mit den Staufern und der Schönheit einer Landschaft und einer Stadt, die Schriftstellerin Ricarda Huch „Perle des Remstals“ nannte. „Die Hügel, die Höhen und Berge“ sind nicht Kulisse für diese Stadt, so macht Prof. Lutz deutlich, sie sind Teil ihres Wesens, ihnen verdankt sie Geschichte und Gegenwart; seine Impressionen der Kaiserberg-​Silhouette zählen neben den Münster-​Aquarellen und seinem ureigenen Blick auf Gmünds Türme zu seinen besten Arbeiten. Es ist eine Reise durch die Zeit, auf die diese Hommage die Betrachter mitnimmt. Das Mittelalter klingt an, buchstäblich, aber auch die reichsstädtische Entwicklung in all ihren Ausprägungen. Der Marktplatz etwa wird mit Hilfe überblendender Bildfolgen von Giebel-​, Barock– und Rokokobauten als „Repräsentant der baukünstlerischen Blütezeit“ des 18. Jahrhunderts vorgestellt, ebenso das Lustschlösschen im Stadtgarten, verschwiegenes Refugium und Stein gewordenes bürgerliches Selbstbewusstsein. Im Kulturzentrum Prediger mit Museum und Galerie sowie in der Ott Pauserschen werden Grafik, Malerei, Skulpturen, Schmuck und Gerät regional aber auch überregional bekannter Kunstschaffenden präsentiert.
Dem Kornhaus, Galerie des Kunstvereins, widmet er mehrere Bilderfolgen. Und dass einer wie Alfred Lutz auch die jüngsten Entwicklungen der Hochschule für Gestaltung — die ja in 105 Container umgezogen ist — nicht unbeachtet lassen kann, versteht sich ebenfalls von selbst: Lutz ist Ehrenmitglied und war Vorsitzender des Kunstvereins; zudem hat Gmünds Vorzeige-​Gestalter als geschätzter Lehrer und Rektor der FH Hochschulgeschichte geschrieben.
Zentrales Kapitel dieser Arbeit, ist natürlich das Münster, stolzestes Bauwerk der Stadt: „Es ist nicht nur ein strahlender Ausdruck der nachstaufischen, ihrer stilistischen Mittel sicheren Architektur, sondern außen und noch mehr innen das Denkmal eigenkräftigen Reichtums an künstlerischen Besonderheiten“. Musikalisch begleitet werden die einander sacht überlagernden Aquarellbilder und Fotografien von Münsterorganist Stephan Beck, der natürlich „seine“ Orgel spielt.

Der Öffentlichkeit präsentiert wird dieser einstündige Film vom Designbüro Ottenwälder und Ottenwälder im Rahmen von „Gmünd macht Mittwoch“ am Mittwoch, 30. Juni, um 19 Uhr im Turm-​Theater.
 

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