Die uralte Tradition des Maibaumstellens lebt aus Gemeinschaftsgeist und Heimatliebe
Größer, höher, vor allem schöner. Der hohen Kunst des Maibaumstellens und der kreativen Gestaltung dieser Frühlings– und der uralten Fruchtbarkeitssymbole scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.
OSTALBKREIS
(hs). Es ist erstaunlich, mit welcher Schaffenskraft sich auch in diesem Jahr wieder ganze Dorfgemeinschaften ans Werk gemacht haben, um ihrem Ort sozusagen die Krone aufzusetzen. Sie setzen damit eine Tradition fort, deren Ursprung Brauchtumsforscher sogar bis in die heidnische Zeit zurückverfolgt haben. Die Maibäume sind Ausdruck der Freude über den endlich angekommenen Frühling. Himmlische Mächte werden gebeten, für Fruchtbarkeit und gute Ernten zu sorgen. Besonders Burschen aus Bayern, Franken, Oberschwaben und schließlich auch aus unserer Gegend waren es dann später, die unter Einsatz ihrer ganzen Manneskraft ihrer Liebsten einen Maibaum vors Haus steckten, um ihr und deren Eltern gegenüber den öffentlichen Beweis der Liebe und des baldigen Heiratswunsches zu erbringen. Aus diesem Brauchtum ist nun in der heutigen Zeit ein ganz anderer Liebesbezeugung geworden, nämlich auch gegenüber der Heimat und einer intakten Dorfgemeinschaft. Oft sind es die Feuerwehren, die sich dem nicht ungefährlichen Maibaumstellen annehmen. Für viele ist es auch noch Ehrensache, auf einen Kraneinsatz zu verzichten und das Schwergewicht rein mit Muskelkraft und mit so genannten Schwalben (am Ende miteinander verknüpfte Stangen mit Zangeneffekt) in die Senkrechte zu bugsieren. Bei allen Varianten wird die Sicherheit großgeschrieben. Zwischenzeitlich gibt es auf fast allen Markt– und Dorfplätzen tief und fest in den Boden eingelassene Fundamente für beste Standfestigkeit. Die schweren Wipfel sind extra angebracht und am Stamm so geschickt angeseilt, dass sie bei einem heftigen Sturm höchstens abbrechen, aber nicht herabstürzen können. Was viele Betrachter der himmelstrebenden Kunstwerke nicht wissen: Dem eigentlichen Maibaumstellen geht ein enormer Arbeitsaufwand voraus. Sobald der letzte Schnee weg ist, treibt’s die Verantwortlichen in den Wald, um einen besonders schönen Baumstamm auszuwählen und mit größter Sorgsamkeit (da darf nichts splittern!) ins Dorf oder auf auf einen Hof zu holen. In Handarbeit wird die Rinde entfernt oder daraus Schmuck geschnitzt. Viele andere fleißige Helfer kümmern sich kurz vor dem Aufstellen um das Flechtwerk aus frischem Reisig für Kranz und Stamm. Etwa eine Woche vor dem
1. Mai wird noch der Wipfel aus dem Wald geholt. Nicht zu vergessen die Bastel– und Gestaltungsarbeiten für den Aufstellort, denn viele Maibaumsteller geben ihrem Kunstwerk ja auch noch ein aktuelles oder ortsbezogenes Thema. Der schönste Lohn sind dann die staunenden Betrachter, die sich einen Monat lang an den Gemeinschaftswerken erfreuen.
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