Maischerz mal anders und in pädagogischer Absicht: ein zeitweiliger Planetenweg
Die Sonne ist noch unübersehbar auf dem Kreisverkehr am Bahnhof, die Erde muss man schon suchen. Und Pluto liegt ganz weit draußen, da wo Waldhausen aufhört. Schöner Einfall: Lorch erhielt als Maienstreich einen zeitweiligen Planetenweg.
LORCH
(rw). Aufgestellt hat ihn in den frühen Morgenstunden des
1. Mai ein an Astronomie interessierter Anonymus. Sogar mit vorheriger Anmeldung bei der Stadtverwaltung und in der Hoffnung, dass der Planetenweg nicht von den üblichen Mai-Vandalen gleich wieder zerlegt wird.
Der Anonymus, nennen wir ihn Max Power, machte sich einige Mühe, um das Sonnensystem en miniature im Maßstab
1:
1 Milliarde auf die Reihe zu bekommen. Die Sonne hat bei diesen Größenverhältnissen noch ein einigermaßen unübersehbares Format: Max Power suchte und fand einen
1,
4 Meter durchmessenden Wetterballon, wenn auch von rötlicher Farbe. Den befestigte er am Kreisverkehr am Bahnhof, der so gewissermaßen zum Zentrum des Sonnensystems wurde. Merkur, Venus, Erde, Mars, die der Sonne nächsten Planeten, waren auf diesem Weg schon bedeutend kleiner: Kügelchen mit einem Durchmesser von maximal einem Zentimeter. Merkur, Venus und Erde befanden sich etwa
50 Meter weit vom Kreisel entfernt in Richtung Lorcher Innenstadt, der Mars stand schon auf Höhe des Brautmoden-Geschäfts, den Asteroidengürtel durchquerte man bei der Kreissparkasse. Und Jupiter, der größte der Planeten und auch hier immerhin ein Ball mit
14 Zentimetern Durchmesser, hatte seinen Platz auf dem Rems-Radweg über der Sonnenbrücke. Spätestens ab hier war ein Fahrrad als Raumfahrzeug empfehlenswert. Zumal man damit, im Verhältnis versteht sich, ein Mehrfaches der Lichtgeschwindigkeit schaffte.
Denn es ging weiter hinaus, aber immer auf dem Radweg und der Remstal-Radroute, zu Saturn, Uranus und Neptun. Den Letztgenannten erreichte man, wenn man sich an der Waldhäuser Mühle links von der Rems hielt. Weit, weit draußen im Weltall schließlich Pluto am Ortsausgang von Waldhausen zwischen Tennishalle und Hoflädle. Wollte man zum nächsten Stern, wär’s freilich eine ausgedehnte Tour — man müsste bis nach Kassel radeln, um maßstabsgerecht bei Alpha Centauri anzulangen. An der Sonne und bei Pluto legte Max Power Gästebücher aus, hier durften sich die Raumreisenden verewigen und ein bisschen über den Kosmos nachdenken. Der ist doch sehr groß, und die Erde ein winzig kleiner blauer Planet. Der Planetenweg machte es anschaulich.
Kommentare
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Beim Maßstab 1:1 Milliarde mag Alpha Centauri wohl bei Kasel liegen, aber erst nach einer kompletten Umradelung der Erde.
;-)
"Mein" Planetenweg steht in Bad Nauheim, auf dem Landesgartenschau-Gelände:
http://kletzenbauerzeitlichtung.homepage.t-online.de/Texte/News/jupiter-news.jpg