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» Schwäbisch Gmünd | Montag, 31. Mai 2010

Die KAB Wetzgau-​Rehnenhof bewegt sich: Pilgerradtour an Enz und Neckar

Seit 16 Jahren machen sich alljährlich Mitglieder und Freunde der Katholischen Arbeitnehmerbewegung auf zur Pilgerradtour. Katholisch sind längst nicht alle und nicht nur deshalb wäre das radelnde Volk mit Christliche Arbeitnehmerbewegung weit besser bezeichnet.

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Am Freitag ging’s früh los. Nicht ohne den Reisesegen des fröstelnden Pfarrer Thamba. Vom Kirchplatz auf dem Rehnenhof fuhr man mit Fahrgemeinschaften nach Enzweihingen bei Vaihingen an der Enz. Dass dort programmgemäß die Räder bereit gemacht wurden, stieß nicht nur auf Begeisterung. Dennoch nahm die Tour ihren Lauf, die kaum trainierte Muskulatur kam auf Arbeitstemperatur und schnell fand sich Trost im Galgenhumor: Schweißausbrüche würde es bei diesen Temperaturen nicht geben!
Eher zielorientiert als bereit, der triefenden Landschaft des bei schönem Wetter so reizvollen Enztals mehr als ein paar grantige Blicke zu widmen, rollte es flott voran und schon bald war Bietigheim-​Bissingen im Blick, eine Perle an der Enz, die dem nächsten Zwischenstopp, Besigheim, an lebendigem Reiz in nichts nachsteht. Gleich nach Besigheim verstärkt die Enz dann den Neckar und fortan war die Neckarradwegbeschilderung richtungweisend. Über Lauffen und Nordheim ging es zügig durch die geschäftigen Audi-​Hochburgen Heilbronn und Neckarsulm und schon kurz danach war das erste Etappenziel erreicht, Kochendorf. Nach ausgiebigem Duschen im Gästehaus wurden im Restaurant des freundlichen Kronenwirts gutbürgerlich der verbrannte Kalorienvorrat aufgefüllt.
Der zweite Tag begann mit ausgiebigem Frühstück, bei dem nur einer fehlte, der versehentlich eingeschlossen war. Die Tatsache, dass nach Stunden später sein Fehlen doch noch bemerkt wurde, spricht für die alte Weisheit, dass jeder ersetzbar ist. Nun, auch er durfte noch ein wenig zu sich nehmen und dann erfolgte rasch der Aufbruch. Die zweite Etappe begann ohne Regen, kurz wurde jene Anhöhe besucht, die, wäre sie nicht so stark bewachsen, einen schönen Ausblick auf den Zusammenfluss von Neckar und Kocher geboten hätte. Statt dessen konnte man dort oben aber den Kopf jenes riesigen Erdnagels herausragen sehen, der den Erläuterungen eines Joggers zufolge die Erde zusammenhält.
Wieder auf dem Neckarradweg radelte man guter Dinge auf Bad Wimpfen zu und machte unter der prächtigen Kulisse des hochgelegenen Städtchens bei der Klosteranlage Grüssau Halt. Die schon als Römerkastell bekannte Anlage wurde 1803 als Ritterstift aufgelöst und erlangte erst durch die Ansiedlung von Benediktinermönchen wieder neue Bedeutung, welche sich nach ihrer Vertreibung aus Schlesien 1947 dort ansiedelten. Nach kurzer und besinnlicher Einkehr in der beeindruckenden Stiftskirche St. Peter ging es weiter an Bad Wimpfen vorbei.
Bei der Burg Zwingenberg mit ihrer sagenumwobenen Wolfsschlucht, die Carl Maria von Weber zu seinem „Freischütz“ inspiriert haben soll, ließ sich die Truppe vom Fährmann ans linke Neckarufer übersetzen und wechselte erst wieder zur Kaffeepause in Eberbach– Die große Neckarschleife bei Hirschhorn wird für den Kraftverkehr mit einem Tunnel verkürzt. Radler müssen draußen bleiben, genießen aber bei dem Umweg einen herrlichen Blick auf die mediterran anmutende Kulisse der Altstadt von Hirschhorn.
Bald darauf war Neckarsteinach erreicht, das Etappenziel für einen Teil der Gruppe, die sich zum Übernachten trennen musste, weil nicht alle Radlerinnen und Radler Platz in einem Haus fanden. Der — größere — Rest der Truppe fuhr, kurzfristig führungslos geworden, ein wenig in die Irre, fand aber doch die Übernachtungsstätte im nur vier Kilometer flussabwärts gelegenen Kleingemünd. Dort traf man sich für den Abend zum Essen und Beisammensein.
Der nächste Tag zeigte sich von Anfang an von seiner guten Seite. Nach ausgiebigem Frühstück fanden die Gruppen schnell wieder zusammen. Rasch war das 9,5 km lange Teilstück des Radwegs gefahren, den Radler hier mit vorbeirauschendem Kraftverkehr zu teilen haben. Dann aber wird der Blick frei auf das Heidelberger Schloss, auf die prächtig im Sonnenlicht liegende Steinerne Brücke. Vereinzeltes Magenknurren kündet schon von der nahenden Mittagszeit und, als hätte er es gehört, meldet sich der Fahrer unseres „Service-​Fahrzeugs“, dem an dieser Stelle aufrichtiger Dank für seine freundliche Bereitschaft und Zuverlässigkeit gebührt, mit der Nachricht, in Reilingen könne beim Fest des Reit– und Fahrvereins gut gespeist werden.
Gut gestärkt ging es durch St. Leon-​Rot, vorbei an Kronau und Forst geradewegs zur beeindruckenden Schlossanlage von Bruchsal, wo die Radtour endete. Nach ausgiebiger Besichtigung und gleichzeitigem Ausklang in der Schlossanlage wurden die Räder auf die Fahrzeuge montiert. Eilig, es war schon spät, wurde Abschied genommen und alle kamen wohlbehalten nach Hause.
 

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