Großdeinbacher wünschen sich eine Ortsmitte und gehen mit Stadt und Ortschaftsrat ins Gericht
Im Stadtteil Großdeinbach wird eine Disharmonie zwischen der Bevölkerung einerseits und der Stadt und Teilen des Ortschaftsrats deutlich. Es geht um die Zukunft der Ortsmitte und den Wegzug des Bezirksamts von dort.
GMÜND-GROSSDEINBACH
(hs). Zu der Versammlung auf dem Platz vor dem alten Schulhaus, wo bis vor kurzem noch das Bezirksamt untergebracht war, hatte ein Kreis von „heimatverbundenen Großdeinbachern“ um Wolfgang Kleinrath eingeladen. Rund
30 Bürger waren gekommen, um teils sehr hitzig mit Ortsvorsteher Gerhard Maier und Ortschafts-/Stadtrat Elmar Hägele zu diskutieren. Hintergrund: Nachdem rund einjährige Bemühungen gescheitert waren, mit einer reichen Ideensammlung für eine Nachnutzung des Bezirksamts auch einen Investor zu finden, steht nun unmittelbar der Verkauf der städtischen Liegenschaft an einen privaten Bieter an. Wolfgang Kleinrath und seine Mitstreiter brachten nun gestern erhebliche Bedenken zum Ausdruck, wenn mit dem Verkauf die Stadt und der Ortschaftsrat alle Entwicklungschancen für eine öffentliche Gestaltung dieses Ortszentrums aus der Hand geben. Es gehe besonders um den Platz vor dem Gebäude. Überall wachse doch die Sehnsucht der Menschen, einen beschaulichen Dorfmittelpunkt für bürgerschaftliche Begegnungen zu gestalten. In Großdeinbach sei das bislang versäumt worden. Wiederholt wurde angeprangert, dass die Aussiedlung des Bezirksamts an den Ortsrand eine Fehlinvestition gewesen sei. Niemand sei in Großdeinbach glücklich darüber. Es gebe lediglich Rechtfertigungsversuche von einzelnen Ortschaftsräten. Gerhard Maier und Elmar Hägele wiesen diese Vorwürfe zurück. Es sei ein genau überlegter Abwägungsprozess gewesen, resultierend aus der Einsicht, dass sich die Stadt in finanziell schwierigen Zeiten von nicht unbedingt notwendigen Immobilien trennen müsse. Maier betonte, dass sich die Bedingungen für die Bezirksamtsarbeit deutlich verbessert hätten. Die anwesenden Bürger beharrten jedoch auf die Ansicht, dass es besser gewesen wäre, das Geld für die „gefühlte Ortsmitte“ mit dem „historischen Schulhaus“ zu investieren. Unter Beifall wurde der Eindruck dargelegt, dass Gmünd nun eine gigantische Summe für Gartenschau und Stadtumbau investiere, für eine kleine Ortsmitte in Großdeinbach aber kein Geld mehr habe. Pfarrer Stephan Schwarz beschrieb mit ruhigen Worten, was die Deinbacher nicht nur denken, sondern zwischenzeitlich deutlich sagen: Man habe das Gefühl, dass da in den letzten Jahren für Großdeinbach was unter den Tisch gefallen sei. Andernorts stünden auch städtische Mittel bereit, um kleine Zentren zu gestalten. Sein Vorschlag: Ein Architektenwettbewerb, vielleicht auch unter Einbeziehung Gmünder Studenten. Beifall erhielt auch Kleinrath, der bedauerte, dass einige gewählte Bürgervertreter zwischenzeitlich eher die Stadtverwaltung vertreten als die Anliegen der Bevölkerung. Stadtrat Elmar Hägele warf der Initiative vor, Unmut schüren. Er wundere sich, dass jahrelang beraten worden sei, dieser Protest aber erst jetzt laut werde. Die Kritiker erklärten, dass sich das Bewusstsein verändert habe und Verantwortung für nachfolgende Generationen gewachsen sei. Kleinrath: „Wir müssen diesen Platz fürs Dorf retten.“
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