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» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 09. Mai 2010

OB hat festgestellt: Monument wird exakt so hoch wie der Christus von Rio /​Witzbolde befürchten: Staubwolke wie beim Vulkan

Nachdem die Rems-​Zeitung über den Beginn der Bauarbeiten für den Tunnelkamin hoch oben am Lindenfirst berichtet hat und der mächtige Baukran dort weithin sichtbar aufgebaut wird, scheinen viele Gmünder beflügelt. Es gibt bemerkenswerte Ideen, Vergleiche — und einen Mai-​Scherz.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Das kommende Bauwerk hat das Zeug zu einem neuen Wahrzeichen. Angesichts des Baukrans erahnen in diesen Tagen die Bürger und Besucher der Stadt die Dimension des 33 Meter hohen Betonkamins. Zwar versichert die Bauleitung, dass dieser „Gmünder Stadtturm der Zukunft“ nur ganz knapp die Baumwipfel überragen werde und beispielsweise vom Marktplatz aus kaum wahrnehmbar sei, doch es gibt auch noch anderer Perspektive. Fast schon andächtig wurde es beim Rundgang des Bau– und Umweltausschusses am Mittwoch, als der Oberbürgermeister und die Stadträte den Aufbau der ersten Teile des Lindenfirst-​Baukrans vom Bahnhof aus verfolgten. Denn das riesige Gerüst nahm gemeinsam mit dem Ausleger des Autokrans zufällig auch noch die Gestalt eines monumentalen Kreuzes an. Spontan erinnerte sich der bisherige Weltenbummler und jetzige Oberbürgermeister Richard Arnold an den Anblick des berühmten Christus von Rio. Und das trieb ihn sogar noch während und nach der Ausschusssitzung im Rathaus um. Denn er hatte da eine ganz erstaunliche Entdeckung im „Kopfkino“, die er sodann auf Anfrage der Rems-​Zeitung in Wort und Schrift bestätigen konnte: Der Christus von Rio ragt nämlich auf seinem Sockel an der Spitze des Corcovado („der Bucklige“) auch 33 Meter in den Himmel, also exakt gleich dimensioniert wie der neue Lindenfirst-​Turm in „Schwäbisch Nazareth“. Was für ein Zufall! Oder Fügung?
Der OB scheint nun sichtlich beflügelt, aus der Not des Anblicks eines nüchternen Tunnelschlots eine kreative Gmünder Tugend zu machen.
Die amerikanische Partnerstadt Bethlehem macht’s beispielsweise vor, wo hoch oben auf einem Berg zur Weihnachtszeit ein riesiger Stern leuchtet und die Bürger und Besucher freundlich grüßt. Überlegungen für ein Gmünd-​gerechtes i-​Tüpfelchen auf der gegenwärtig spannendsten und teuersten Straßenbaustelle des Landes sind also angelaufen.
Währenddessen sorgen sich die Bürger und Kommunalverwaltungen in etlichen Stadtteilen und Gemeinden weiter um die zukünftige Luftqualität, wenn ab 2012 laut Planfeststellung pro Stunde bis zu einer Million Kubikmeter Tunnelabluft mit hohen Feinstaub– und Abgaskonzentrationen in den Himmel über dem Norden Gmünd geblasen wird. Die Behörden sehen keine Gefahren. Doch besonders die Gemeinden Mutlangen, Iggingen und Alfdorf sowie die Stadttteile Wetzgau-​Rehnenhof, Wustenriet und Großdeinbach laufen seit Jahren Sturm. Auch das Stauferklinikum, das Erholungs– und Urlaubszentrum Schönblick und besonders die empfindlichen Heilpflanzengärten der Weleda zeigen sich betroffen. Oberbürgermeister Richard Arnold und die beiden Bundestagsabgeordenten ringen bei der Bauherrschaft in Berlin immer noch um die Gelder, um eine umwelttechnologisch zukunftsträchtige und machbare Filteranlage einbauen zu können.
In der Nacht zum 1.Mai haben kritische Witzbolde die anhaltende Besorgnis dergestalt zum Ausdruck gebracht: Sie überklebten den Wegweiser zum Aussichtsberg Lindenfirst mit dem Namen der aktuell allerschlimmsten Asche– und Staubschleuder: Eyjafjallajökull.
 

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