Gmünder Silbermanufaktur Gebrüder Kühn feierte gestern ihr 150-jähriges Bestehen
„Gold und Silber – das ist ein Stück der Gmünder Seele“, erklärte Richard Arnold. Der Oberbürgermeister gratulierte gestern der Silbermanufaktur Gebrüder Kühn in Straßdorf zum 150-jährigen Bestehen. Von Manfred Laduch
SCHWÄBISCH GMÜND. Es war
1860, als der aus Wien stammende Johann Stanislaus Nepomuk Kühn am Kalten Markt
18 (dort entstand später das Gmünd-Center) mit drei Gesellen sein Unternehmen gründete, erklärte die heutige Chefin Sonja Quandt, die in die Geschichte der Firma einführte.
Der Betrieb lief gut, wurde ständig erweitert, schon früh auf Dampfkraft und Gasbeleuchtung umgestellt. Nach dem Tod des Gründers übernahmen seine Söhne Emil und Gustav den Betrieb.
1894 fallen die Fabrikationsräume fast vollständig einem Brand zum Opfer, doch auf dem alten, noch erweiterten Grundstück, wird mutig neu gebaut.
Im Jahr
1900 erlangt die Firma Gebr. Kühn internationales Ansehen, als sie auf der Weltausstellung in Paris eine Silbermedaille im Bereich Tafelwaren erhält.
1911 gab es einen Grand Prix für funktionelle Formgestaltung bei der Internationalen Industrieausstellung in Turin.
1913 übernimmt die nächste Generation Max und Gustav jr. die Manufaktur. Nach Max’ Tod
1918 tritt der seit
1900 dort beschäftigte Karl Veit als Kompagnon in die Leitung des inzwischen auf über
300 Beschäftigte gewachsenen Betriebs ein. Er führt ihn auch durch die Wirren der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem Gustav Kühn nicht mehr heimkehrt.
Damals war die Verarbeitung von Silber verboten – man stellte zeitweilig auf Haus– und Küchengeräte um. Als Karl Veit
1953 stirbt, übernimmt seine Familie das Unternehmen ganz von der Familie Kühn. Geleitet wird sie von den beiden Söhnen Karls, Werner und Rolf.
Als genialer Schritt erweist sich die Verpflichtung des Designers Karl Dittert im Jahr
1959. Die von ihm entworfenen, gebrauchstüchtigen und in der Form zeitbeständigen Geräte erhalten auf der Triennale in Mailand
1963 eine Silbermedaille für Design und Form. Zu sehen sind sie in der gestern eröffneten Ausstellung des Museums im Prediger (siehe Seite
18).
1975, die Räume am Kalten Markt waren zu klein geworden, bezog man ein Produktionsgebäude am Rand der Stadt. Anfang der
80er-Jahre wurde es jedoch schwierig für die Familie Veit und
1984 übernahm Sonja Quandt das Unternehmen. Die Produktpalette wurde gestrafft, die Produktion mit noch
13 Mitarbeitern nach Straßdorf verlegt.
Zu ihrem Konzept, so Quandt, gehöre es, repräsentatives und künstlerisch wertvolles Tafelsilber zu schaffen. Die fachlich hochqualifizierten
16 Beschäftigten arbeiteten sorgfältig, mit der Freude an präziser Arbeit und schönen Materialien.
Richard Arnold überbrachte die Glückwünsche der Stadt zum Jubiläum. „Kreativität ist der Schlüssel zum Erfolg“, dankte der Oberbürgermeister Sonja Quandt dafür, dass sie zum Firmengeburtstag die Welt hereinbringe. Als Geschenk überreichte Arnold drei Faksimile-Drucke von Hans-Baldung-Bildern. Silberrahmen, so der OB, habe der Haushalt nicht zugelassen. Aber das hieße ja auch „Eulen nach Athen tragen“.
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