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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 16. Juni 2010

Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident Ulrich Goll gestern Abend zu Gast beim Forum Gamundia

Der Justizminister und stellvertretende Ministerpräsident des Landes Baden-​Württemberg, Prof. Dr. Ulrich Goll, war gestern Abend zu Gast in Schwäbisch Gmünd. Im Rahmen der Reihe „Forum Gamundia“ stellte er sich den politischen, religiösen und auch privaten Fragen von Moderator Franz Merkle.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). „Aufgepasst, da saß ich auch kürzlich, und das ist ein ganz heißer Stuhl“, warnte in seiner Begrüßung Oberbürgermeister Richard Arnold augenzwinkernd den Minister und „Vize-​Landesvater“. Doch es wurde eine einfühlsame und launige „Talkshow“, die mehr den Menschen und weniger den Politiker Ulrich Goll darstellte. Klar, dass der Oberbürgermeister zunächst die Gelegenheit wahrnahm, um die Nummer 2 der Landesregierung ganz besonders mit den Gmünder Zukunftsthemen vertraut zu machen. Die Stadt sei in einer tollen Aufbruchstimmung: 2012 das große Stadtjubiläum mit Besinnung auf Tradition und Geschichte und gleichzeitig die Vorbereitungen auf die Landesgartenschau 2014 mit Stadtumbau, dazu der laufende Tunnelbau.
Virtuos leiteten die beiden 15-​jährigen Gitarristen Theresa Mattes und Nils Pfeffer über in die Gesprächsrunde, um innerhalb einer guten Stunde ein betont persönliches Bild des prominenten Landespolitikers zu zeichnen. Mal nachdenklich, mal heiter die Fragestellungen. Der letzte „Rock ‘n’ Roller Stuttgarts“ sei Ulrich Goll, so habe kürzlich die Stuttgarter Zeitung geschrieben. Der wehrte sich: Nein, er möchte ungern in eine fossile Ecke geschrieben werden. Da passte die Antwort auf eine Frage im weiteren Verlauf ganz gut dazu. Was der Sechzigjährige anders machen würde, wenn er nochmal Kind sein könnte? Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Wieso denn, ich fühle mich doch noch gar nicht so alt.“ Goll gab sich als leidenschaftlicher Motorradfahrer zu erkennen. Sobald er ein freies Stündchen im Terminkalender finde, setze er sich den Schutzhelm auf („Da erkennt mich keiner!“) und brause in den Welzheimer Wald. Sein Wunsch sei eine dritte Tour entlang des Jakobus-​Pilgerwegs nach Santiago.
Was er den im Leben versäumt habe? Auf der Rückkehr von seiner Lieblingsroute ans Mittelmeer seien er und seine Frau nachts in einem Hotel gelegen, wollten bei geöffneten Fenster einschlafen, doch vom Tal her, so zumindest der Eindruck, klang eine furchtbar schlechte Bob-​Dylan-​Revivalband. Anderntags habe er jedoch erfahren: Es sei tatsächlich Bob Dylan gewesen, und es habe sogar noch Karten gegeben.
„Eine Welt ohne Religion wäre einfach nicht erklärbar“
Ulrich Goll beschrieb sich als sehr religiösen Menschen, der sich sehr ein Zusammenrücken der Kirchen in einem weltumspannenden Ethos wünsche. „Eine Welt ohne Religion wäre einfach nicht erklärbar“, so seine Überzeugung. Franziskus sei sein Lieblingsheiliger, mit dem er gerne in Dialog trete. Er liebe Offenheit. „Was ich gar nicht leiden kann sind verdeckte Strategien.“ Er wünsche allen Kindern und Enkeln, dass auch sie weiterhin eine so glückliche Zeitspanne des Friedens erleben dürfen wie er. Für ihn sei besonders der Balkankrieg bestürzend gewesen, dass der Mensch immer noch und sogar mitten in Europa dazu neige, Mitmenschen so Furchtbares anzutun. Was ist Gerechtigkeit? Was ist Liberalismus? Franz Merkles Wissensdurst war kaum zu stillen. Goll: „Die Freiheit des Anderen mit der der eigenen vereinbar zu machen“. Es sei absolut nicht Sinn einer liberalen Politik, alle Dinge einfach laufen zu lassen. Der Schutz der Freiheit brauche durchaus auch einen starken Staat.
Was er als Politiker bedauere? 50 zu 50 sei früher das Verhältnis zwischen Schau und Sache in der Politik gewesen. „Heute sehe er leider einen verstärkten Trend zur Schau.“
 

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