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» Ostalbkreis | Donnerstag, 17. Juni 2010

Mitarbeiter der Johanniter-​Pflegewohnhäuser am Rosenstein praktizieren Gartentherapie

Viele neue Ideen brachten die Mitarbeiter der Johanniter-​Pflegewohnhäuser in Böbingen, Essingen, Heubach und Mögglingen Ende Mai aus der Fortbildung Garten und Therapie mit.

HEUBACH (juk). Andreas Niepel, Leiter der Abteilung Garten/​Gartentherapie der Helios-​Rehabilitationsklinik in Holthausen, Rheinland Pfalz begeisterte seine Zuhörer mit vielfältigen Praxisbeispielen aus seiner Erfahrungswelt. Anschaulich vermittelte er den Nutzen und Einsatz der Gartentherapie.
Ziel ist es, durch pflanzen– und gartenbezogene Aktivitäten und Erlebnisse die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen zu erhalten und zu fördern. Das optimale Betätigungsfeld haben Mitarbeiter und Bewohner in den therapeutischen Sinnesgärten der Rosensteinhäuser. Sie dienen unter dieser Zielsetzung nicht nur als Rückzugsort und Platz des Innehaltens für Bewohner und Besucher. Eingebettet in das Betreuungskonzept der Einrichtung bieten Sie durch die spezielle Nutzung die Möglichkeit, die psychischen Grundbedürfnisse, aber auch durch aktives Gärtnern die motorischen Fähigkeiten der Senioren zu unterstützen.
Der Referent reflektierte mit den Fortbildungsteilnehmern Basiswissen zur Funktionsweise des Gedächtnisses. Für die Fachkräfte war dies ein wichtiges Element, damit sie in der Praxis die Arbeit mit Pflanzen, Blumen, Wasser und anderen Aspekten der Natur erfolgreich einsetzen. Wichtig, betont der Referent, ist das positive Erleben im Garten und in der gemeinsamen Arbeit miteinander. Dass die Senioren sich dabei Wohlfühlen ist die Voraussetzung, damit ihre Bedürfnisse erfüllt werden. So ermöglichen die Mitarbeiter, dass die Bewohner ihre Kompetenzen wieder erleben. „Die Wertschätzung der Menschen steht im Mittelpunkt aller unserer Aktivitäten“, so Niepel.
Die Gartenarbeit verschafft
ein Gefühl der Kontrolle
Der Mensch als soziales Wesen erlebt bei der Arbeit in der Gruppe menschliche Nähe, fühlt sich in die Gemeinschaft aufgenommen. „Gerade die, die sich am meisten zurückziehen, haben das größte Bindungsbedürfnis“, erklärt der Referent. Durch die Vielfalt der Gartenarbeiten kann die Pflegekraft jedem Bewohner nach seinen individuellen Fähigkeiten eine Aufgabe zuteilen, die er lösen kann. Damit erhält er das Gefühl, die Situation jederzeit kontrollieren und verstehen zu können.
Niepel: „Die Vorgänge in der Natur sind uns grundlegend vertraut. Die Sonne scheint von oben, der Regen fällt herunter, auf ihn folgt der Sonnenschein, nach dem sich die Sonnenblumen ausrichten — wir bewegen uns also im Garten in einem vertrauten Umfeld. In der Gartentherapie verschafft man Senioren Erfolgserlebnisse. Wir geben ihnen die Chance, ihr spezielles Wissen und Können einzubringen. Viele der Bewohner hatten ja bis zum Umzug ins Pflegewohnhaus einen eigenen Garten, den sie selbst bewirtschaftet haben und der ihr ganzer Stolz war.“
Der Nachmittag gehörte in vollem Umfang der Praxis. Niepel zeigte verschiedene Möglichkeiten, Pflanzen in der Gartentherapie einzusetzen: Gedächtnistraining mit einem Pflanzen-​Memory, Rätsel um die Pflanze des Monats sind nur einige Beispiele. Fröhliche und witzige Geschichten, zu bestimmten Pflanzen fanden ebenso ihren Platz wie kreatives Arbeiten. Die Teilnehmer fertigten Ikebana-​Gestecke mit dem Namen „Frühlingserwachen“ und bunte Blumensträuße, die sich einfach mit den Senioren zusammen gestalten lassen.
Die Geschichte, warum das Stiefmütterchen Stiefmütterchen heißt, gehört inzwischen zum Standardrepertoire von Inge Freyhardt, Mitarbeiterin des Johanniter-​Pflegewohnhauses im Pfarrgarten in Mögglingen. Dort findet man im Hochbeet des Sinnesgartens auch viele bunte Exemplare dieses Pflänzchens. Der Spaß und die Freude der Mitarbeiter an dieser Fortbildung lockten auch die Bewohner an. Neugierig, was da im Schulungsraum vor sich ging, schlossen sich einige kurzerhand der Runde an und waren mitten im Geschehen.
Gemeinsam mit den Pflegekräften wurden Zitronengras, Salbei, Rosmarin, Thymian und Brennnessel kleingeschnitten und gemörsert. Es entstand ein aromatisches Kräutersalz.
So einfach und motivierend kann Gartentherapie sein.
 

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