Durch eine Delfintherapie soll der kleine, an Autismus leidende Samuel lernen, Sprache und Kommunikation zu entwickeln
Wer ihm begegnet, dem würde es auf den ersten Blick wahrscheinlich gar nicht auffallen. Doch Samuel Schöll ist kein Kind wie andere.
SCHWÄBISCH GMÜND (sf).„Am Anfang dachten wir, er würde vielleicht nichts hören“, erklärt Samuels Vater Niccolai Schöll„Die Ärzte meinten aber, sein Verhalten würde sich mit der Zeit normalisieren.“ Welchen Grund das Verhalten ihres Sohnes tatsächlich hatte, fanden die Eltern eher durch einen Zufall heraus. Monika Schöll hatte einen Termin bei ihrem Hausarzt, zu dem Samuel sie begleitete. In der Praxis bekam er dann einen seiner typischen Schreianfälle.
Die Empfehlung des Hausarztes war daraufhin eine Untersuchung im sozialpädagogischen Zentrum des Olgahospitals in Stuttgart durchführen zu lassen. Das Ergebnis: Samuel leidet an frühkindlichem Autismus, der schlimmsten Form des Autismus. Vermutet wird mittlerweile, dass er durch einen genetischen Defekt ausgelöst wird. Symptome sind eine Beeinträchtigung des Sozialverhaltens, was es Autisten unter anderem sehr schwer macht Sprache zu erlernen, oder durch Blickkontakt und Gesichtsausdrücke mit anderen Menschen zu kommunizieren. Sie leben so zu sagen in ihrer eigenen Gedankenwelt, mit nur wenig Kontakt nach außen. Zur Zeit der Diagnose war Samuel etwa zweieinhalb Jahre alt.
Endlich den Grund für das Verhalten des Sohnes zu wissen, war für die Schölls weniger Schreck, als Erleichterung, da sie nun wussten, auf was sie zu achten hatten. Heute ist Samuel beinahe vier Jahre alt und seine Eltern haben durch dieses Wissen inzwischen gelernt, mit der Krankheit umzugehen. Samuels Tagesablauf darf nicht verändert werden. Sein Löffel muss immer am gleichen Fleck liegen und der Weg zum Kindergarten muss immer gleich bleiben. Abweichungen von seiner täglichen Routine verstören den Jungen. Einmal die Woche muss Samuel nach Stuttgart, wo er im wöchentlichen Wechsel das Sozialpädagogische Zentrum der Klinik und das Autismuszentrum besucht. Trotz der Therapien, die er dort bekommt, kann Samuel nicht sprechen und wird auch sein Leben lang auf Pflege angewiesen sein. Fortschritte geschehen nur sehr langsam. „Er beschäftigt sich lieber mit Dingen, als mit Menschen“, meint sein Vater. Und außer seinem älteren Bruder habe Samuel somit auch keine Freunde unter den anderen Kindern. Eine Hoffnung jedoch gibt es jetzt für die Familie. Durch Bekannte, deren behinderter Sohn ebenfalls den Kindergarten Sterntaler besucht, erfuhren die Schölls von der Delfintherapie. Besonders bei Autisten können durch diese oft große Erfolge erzielt werden. Am wahrscheinlichsten sind Erfolge dabei in einem sehr jungen Alter. Bei der Therapie, die über zwei Wochen geht, lernen die Patienten in täglichen Theorie– und Praxisteilen Kommunikationswege aufzubauen. Fangen sie zum Beispiel an mit Bildkarten zu kommunizieren, kommt dafür einer der Delfine an den Beckenrand geschwommen. Und auch durch die Berührung der Tiere soll Kommunikation erlernt werden. Der Praxisteil beinhaltet das Schwimmen mit den Delfinen. Damit die Delfine kommen und man mit ihnen schwimmen darf, ist es zum Beispiel wichtig, nicht zu schreien, was bei Autisten keine Seltenheit ist. Der große Erfolg der Therapie wird vor allem dem Wesen der Tiere zugeschrieben. Und schließlich kommunizieren ja auch sie untereinander mit Lauten. Das Therapiezentrum befindet sich im Übrigen auf den Niederländischen Antillen. Dort gibt es gut ausgebildete Ärzte und es wird zudem gewährleistet, dass die Delfine auch artgerecht gehalten, und außerdem speziell trainiert, werden. Das einzige Problem: Die Therapie kostet etwa
12000 Euro und wird derzeit noch nicht vom deutschen Kostenträger übernommen. Da Niccolai Schöll in Folge von Arbeitslosigkeit momentan einen
400 Euro-Job ausübt, und Monika Schöll nur eine Teilzeitstelle hat, ist es für die Familie somit unmöglich, die Mittel selbst aufzubringen, um den Versuch zu unternehmen, ihren Sohn ein wenig aus seiner Gedankenwelt heraus zu holen.
Vom Verein „dolphin aid
e.V.“, der übrigens weltweit namhafte Unterstützer vorweisen kann, wurde aus diesem Grund erst kürzlich ein Spendenkonto für die Familie eingerichtet. Samuels Eltern hoffen nun, dass sich Menschen in der Region finden werden, die bereit sind, ihren Sohn durch Spenden, oder auch Ideen zur Spendensammlung, auf seinem Weg zu unterstützen. Für Samuel wäre Sprache zu erlernen und zu beginnen, mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren, ein sehr großer Schritt. „Er ist wie jedes Kind ein kleines Wunder“, sagt sein Vater über ihn „Und wir lieben ihn.“
Internet: www.helft-samuel.de; Spendenkonto: Empfänger: dolphin aid
e.V., Bank: Stadtsparkasse Düsseldorf, BLZ:
300 501 10, Konto:
2000 2424, Verwendungszweck: Samuel Schöll
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