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» Ostalbkreis | Freitag, 25. Juni 2010

Allgemeiner Kanalisationsplan weist hohen Sanierungsbedarf aus /​Menzlesmühle-​Wasser für Bruck /​Diskussion über Löwenmarkt

Wenn die Stadt Lorch alle Kanäle sanieren würde, an denen es Handlungsbedarf gibt, würden sich die Kosten auf zehn Millionen Euro summieren. Allerdings ist nicht alles, was der „Allgemeine Kanalisationsplan“ vorsieht, dringend. Viele Vorschläge des Ingenieurbüros sind langfristig zu sehen. Von Gerold Bauer

LORCH. Da kommt schon was zusammen: Auf rund 80 Kilometer erstreckt sich das städtische Kanalnetz in Lorch, wobei 64 Kilometer als Mischwasserkanal ausgelegt sind, während gut vier Kilometer nur Schmutzwasser führen und knapp zehn Kilometer reines Regenwasser transportieren. Kein Wunder, dass das Ingenieurbüro LKP aus Mutlangen für die Erstellung des AKP ein paar Jahre brauchte. Nun wurde das fertige Planwerk zunächst dem Gemeinderat vorgelegt, der gestern einstimmig sein Plazet dazu gab. In einem nächsten Schritt muss das Landratsamt seinen Segen dazu geben. Diese Kanalisationspläne sind für eine Stadtverwaltung sowie den Gemeinderat ein wichtiges Hilfsmittel, um bei Sanierungsarbeiten die Prioritäten richtig zu setzen und gemäß einer Dringlichkeitsliste vorzugehen. Darüber hinaus weiß man zum Beispiel bei erforderlichen Straßenbauarbeiten, ob es sinnvoll ist, den darunter liegenden Kanal gleich mitzusanieren oder zu erneuern. Auf diese Weise wird vermieden, dass man eine fertige Straße schon bald wieder aufgraben muss, weil ein Kanal undicht wird.
Es herrschte Einigkeit im Gremium, dass die finanzielle Lage der Stadt nicht alle Maßnahmen zulässt, die Diplom-​Ingenieur Thomas Fischer gestern als technisch richtig empfahl. „Wenn wir alles machen würden, was irgendwie sinnvoll ist, müssten wir die halbe Stadt aufgraben“, so das Fazit von Bürgermeister Karl Bühler. Man betrachtet den AKP daher als eine Art „Kursbuch“ beziehungsweise Nachschlagewerk. Zumal die Erhebungen des Büros auch Aufschluss geben, wie leistungsfähig der eine oder andere ältere Kanal ist — und dies ist wichtig für die Erschließung künftiger Bauflächen.
Mit dem Bau des neuen Hochbehälters für den Ortsteil Bruck (die Kosten dafür rangierten bei 250 000 Euro) ist die Versorgung dieser kleinen Ortschaft mit einwandfreiem Trinkwasser allerdings noch nicht beendet. Denn aus den mikrobiologischen beziehungsweise physikalisch-​chemischen Beanstandungen ergibt sich ein weiterer Handlungsbedarf. Außerdem reicht die zur Verfügung stehende Wassermenge aus einer Quelle an manchen Tagen gerade so aus.
Als Lösung des schon seit einigen Jahren diskutierten Problems wurden gestern im Gemeinderat zwei Varianten verglichen. Dass man bei Brunnenbohrungen überhaupt kein Wasser antrifft, gilt als unwahrscheinlich, aber gemäß eines geologischen Gutachtens muss die Bohrung recht tief sein — und ob das dann geförderte Wasser eine brauchbare Qualität hat, vermögen selbst die Experten nicht vorab zu sagen. Deshalb wurde seitens der Stadtverwaltung gestern der Bau einer Leitung favorisiert, die Bruck mit dem Netz des Zweckverbandes Menzlesmühle verbindet. Zwar ist ein solcher Anschluss zunächst etwas teuer als die Erschließung von Eigenwasser, bietet aber langfristig eine Versorgungssicherheit ohne weitere Investitionen. Der Gemeinderat pflichtet dieser Sichtweise einstimmig bei.
Unter Punkt „Verschiedenes“ entspann sich gestern spontan eine Diskussion über den Verlauf des diesjährigen Löwenmarkts. Während Jutta Proks das Unterlaufen des kommunalen „Schnapserlasses“ sowie die Nichteinhaltung der Sperrstunde anprangerte sowie eine Aufarbeitung der Vorfälle durch Gemeinderat und Jugendsachbearbeiter forderte, gaben ihr zwei Stadträte kräftig Kontra. Mario Capezzuto forderte Toleranz dafür ein, dass ein einziges Mal im Jahr in der Lorcher Innenstadt etwas länger gefeiert werde. Erich Knödler, von Beruf Polizeibeamter, betonte, er habe persönlich in einigen wenigen Fällen dafür gesorgt, dass privater Schnapskonsum unterblieb. Die Standbetreiber hätten sich an die Vorgabe gehalten, und den Gaststätten sei der Ausschank von Hochprozentigem in ihrer Konzession gestattet. Bürgermeister Bühler zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. „Die Randale war raus; dank unserer Maßnahmen haben sich Familien auf dem Fest wieder wohlgefühlt.“
 

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