Böbinger Schuljahrgang 1942/43 machte eine Ausfahrt zu Zielen im heimatlichen Schwabenland
Heuer hat der Ausschuss des Böbinger Schuljahrgangs 1942/43 für die Ausfahrt Ziele im heimatlichen Schwabenland ausgesucht, und dies fand bei Mitgliedern und ihren Lebenspartnern einen unerwartet hohen Zuspruch. Von Ingo Feile
BÖBINGEN. Trotz der kurzen Anreise wurde nicht auf das gewohnte Sektfrühstück verzichtet. Auf dem Parkplatz vor dem Kloster Bebenhausen, dem ersten Reiseziel, stärkte man sich für die anstehende, mit großer Spannung erwartete Führung durch „eine der schönsten und besterhaltenen Klosteranlagen in Deutschland“. Bevor eine sprachgewandte junge Dame die Gruppe in die beeindruckende Atmosphäre der klösterlich geprägten Lebensweise einführte, galt es, die vielen Stufen und winkligen Durchgänge des steilen Klosterberges zu erklimmen.
Die wechselvolle Geschichte bewirkte, dass Teile des unter Ensemble-Denkmal–
schutz stehenden Komplexes mehrfach umfunktioniert wurden. Fast
400 Jahre lang verhalf der Zisterzienserorden dem Kloster zu Reichtum und Berühmtheit. Danach beherbergte es die Evangelische Klosterschule, wurde zum Jagdschloss der württembergischen Könige umfunktioniert, diente als Wohnsitz des letzten württembergischen Königs Wilhelm II. und schließlich, von
1946 bis
1952 als Sitz des Landtags von Südwürttemberg-Hohenzollern. Besichtigt werden konnten alle Teile der weitläufigen Klosteranlage, die allesamt vollkommen erhalten und stilecht restauriert sind. Die nachhaltigsten Eindrücke hinterließen die spätromanische Kirche, der Kapitelsaal, die Refektorien und der Kreuzgang mit der Brunnenkapelle. Im Dormitorium erfuhr man sehr anschaulich erstaunliche Einzelheiten über das streng geregelte Alltagsleben der Mönche.
Den passenden Rahmen für ein unvergessliches Mittagessen bot die „Gasthofbrauerei Neckarmüller“. Direkt am Neckarufer gelegen ermöglichte eine breite Glasfront den Blick auf den hochwasserführenden Fluss mit dem stillgelegten Bootsverkehr. Der großzügige, von dichten Baumkronen überdachte Biergarten wirkte an diesem kühlen Regentag auf die Böbinger Gäste wie eine Attrappe.
Die Fülle bedeutender Sehenswürdigkeiten wurde von einer humorvollen, kompetenten Stadtführerin auf einige interessante Schwerpunkte reduziert. Mit dem Ausblick von der Platanenallee auf die malerische Neckarfront der Altstadt, überragt vom Fünfeckturm der mächtigen Burganlage Hohentübingen begann der verheißungsvolle Rundgang. Im fast übers Wasser vorspringenden Hölderlinturm soll der geniale Dichter seinen langen Lebensabend in geistiger Umnachtung verbracht haben.
Etwas oberhalb, in der stattlichen Bursa, einer der ältesten Lehranstalten, hielt schon der Humanist Melanchton seine Vorlesungen. Heute beherbergt das Gebäude das Philosophische und Kunsthistorische Institut der Graf-Eberhard-Universität. Im benachbarten Evangelischen Stift verkehrten einst Kepler, Hegel, Schelling, Schwab, Hauff und Mörike, die damalige geistige Elite Württembergs.
Am dreieckigen Marktplatz bestachen die herrliche Fassade und die astronomische Uhr des Rathauses, sowie die vorbildlich restaurierten Fachwerkbauten. Ins tiefste Mittelalter versetzt fühlte sich die Gruppe bei der Besichtigung der gepflegten, jedoch eng verbauten, miniaturartigen Unterstadt. Der kleine, blumengeschmückte, einst von den Gerbern bewohnte Ammerkanal, die neu restaurierte Krumme Brücke, die im Mittelalter dem Vieh den Zugang zur tiefer gelegenen Tränke ermöglichte und die urige Gogei, das Wohngebiet der Tübinger Winzer, verleiteten die Stadtführerin zum Schwärmen.
Leider musste die ersehnte Stocherkahnfahrt an der Neckarfront wegen des reißenden Hochwassers ausfallen. Der Alternativvorschlag des umsichtigen Busfahrers, ein Besuch der Schokoladenfabrik Ritter in Waldenbuch, wurde wohlwollend angenommen. Während der Fahrt durch den Naturpark Schönbuch, dem Naherholungsgebiet der hoch industrialisierten Region Mittlerer Neckar und dem bevorzugten Jagdgebiet der württembergischen Herzöge und Könige, verbesserte sich das Wetter zusehends. Zur Freude aller konnte die Kaffeepause auf die sonnenbeschienene Freiterrasse der Schokoladenfabrik verlegt werden. Vor allem die Damen nutzten nebenbei die angebotene Einkaufsmöglichkeit.
Die vielen geschichtsträchtigen Erfahrungen und die überwältigenden kulturellen Eindrücke in einer mittelalterlich geprägten, weltbekannten Universitätsstadt boten bei der Heimfahrt noch ausgiebigen Gesprächsstoff. So mancher Teilnehmer erlebte erstmals die überragende kulturelle Bedeutung einer Mittelstadt in unserer Nachbarschaft. Beim Abschluss in einer einheimischen Pizzeria gab es nur lobende Worte über die Jahresfahrten des Böbinger Schuljahrgangs
1942/
43.
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