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» Kultur | Freitag, 25. Juni 2010

Kooperationsprojekt der Pädagogischen Hochschule und des Festivals Europäische Kirchenmusik zu „Philemon und Baucis“

Studierende der PH wollen Kinder und Senioren gleichermaßen fürs EKM–Highlight „Philemon und Baucis“ begeistern und auf vielfältige Art vermitteln, dass nichts so gut geeignet ist, eine Geschichte zu erzählen, wie Musik. Der Festival-​Geschäftsführer Klaus Stemmler dankt herzlich.

KIRCHENMUSIK (bt). Gemeinsame Projekte der PH und der Stadt Schwäbisch Gmünd gab’s immer wieder, beim Kinder-​Kino-​Festival etwa, oder bei der „Neuen Musik“. Erstmals aber steht das Festival EKM bzw. eine zentrale Veranstaltung der in diesem Sommer anstehenden Kirchenmusikreihe im Mittelpunkt: „Philemon und Baucis oder Jupiters Reise auf die Erde“. Zwei von Dr. Gabriele Hofmann, Professorin im Fach Musik der PH, begleitete Arbeitsgruppen bereiten derzeit „pädagogisch-​künstlerische Veranstaltungen“ für die Kinder-​Uni und die Seniorenhochschule vor — weitgehend getrennt voneinander, schließlich handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen. Material steht den jungen Leuten durchaus zur Verfügung, von der Partitur über Bildmaterial bis hin zur CD einer früheren Aufführung. Joseph Haydn verarbeitete den Mythos „Philemon und Baucis“, der in der griechischen Mythologie wurzelt und von Ovid in den „Metamorphosen“ festgehalten wurde, in seinem gleichnamigen Singspiel aus dem Jahre 1777. Er hinterließ allerdings nur Fragmente. Es war die junge Münchner Komponistin Konstantia Gourzi, die das Werk vollendete – ein Interview mit ihr fließt in die Vorlesung an der Kinder-​Uni ein, so viel wurde gestern verraten. Nicht zuletzt ihrer griechischen Herkunft ist es wohl zu verdanken, dass sich Gourzi so sehr für diesen Stoff begeisterte: „Und es reizte mich, diese eigentlich für Marionetten geschriebene Oper in unsere Gegenwart zu holen und ihre theatralischen Möglichkeiten neu zu entdecken“. So wird ihr „Götterrat“, der als Vorspiel gedacht ist, eine Mischung aus Politikerkonferenz, bei der sich alle gegenseitig beharken, Familientreffen und purer Satire. Das alte Paar Philemon und Baucis hingegen verkörpert Glaube und Liebe und damit ein absolut zeitloses Motiv. Überhaupt ist das Stück bestimmt von Gourzis Bemühen, das Alte ins Heute zu übertragen und dadurch überhaupt erst wieder aufführbar zu machen
Wie jedoch das den Kindern beibringen? Wie den Studierenden der Seniorenhochschule die Faszination dieses Stückes so zu vermitteln, dass ein Besuch der Aufführung ein „Muss“ ist? Das ist „Musikvermittlung“, wie im Lehrplan vorgesehen, in einer zumindest in Gmünd nie dagewesenen Praxis: „Wie vermitteln wir klassische Musik?“. Nun, wie immer und überall zuallererst im Authentischen; Nur wer selbst überzeugt ist, kann wirklich begeistern.
Klaus Stemmler ging gestern vor allem auf die Aufführung ein, auf die Hilfe Stephan Becks, auf die Norbert Barthle zu verdankenden Zuschüsse, die diese Aufführung überhaupt erst möglich gemacht hätten – „wir alleine könnten das nicht finanzieren“ –, vor allem aber auf die Studierenden. Mit gutem Grund. Sie nämlich machen ein Gmünder Thema aus dieser Inszenierung und sprechen Menschen an, die nicht zwangsläufig zum klassischen EKM–Stammpublikum zählen. Familien mit Kindern also, oder diejenigen, die sich eine derart unbekannte Inszenierung — bislang nur jeweils einmal in Berlin und Budapest gezeigt – normalerweise zweimal überlegen würden.
Die Studenten, die sich den Kindern widmen, wollen mit szenischen Darstellungen arbeiten – wer würde nicht gerne mal einen Gott spielen –, vor allem wollen sie zeigen, dass sich mit Musik Stimmungen erzeugen lassen, mehr als mit Worten: „Musik ist mehr als nur ein akustisches Phänomen“. Das Erlebnis, abgewiesen zu werden, etwa von Eltern oder Lehrern, die keine Zeit haben, oder keine Lust, das ist eine universale Erfahrung, durchaus nicht der Antike vorbehalten. „Wo knüpft’s an an die Lebenswelt der Kinder“, ist also so eine Überlegung. Und allein die Botschaft, dass Musik Gefühle ausdrücken und „eine Geschichte erzählen“ kann — das ist übrigens der Titel dieser Vorlesung an der Kinder-​Uni am 10. Juli von 10.30 bis 11.30 Uhr im Hörsaal 1 der PH –, der Versuch, Kinder offen zu machen für Neues und sie grundsätzlich zur Musik zu bringen, erinnert Studierende der Musik wie Isabell Rössler daran, warum sie unterrichten wollen.
Die andere Arbeitsgruppe darf mit ganz anderem Musikverständnis rechnen; sie will vor allem Lust machen auf Hintergründe und neue künstlerische Ausdrucksformen. Ihr Ansatz: „Gerade Senioren haben ein Gefühl dafür, welche Inhalte für Aktualität stehen“.
Gabriele Hofmann stellte gestern gemeinsam mit Klaus Stemmler dieses Projekt vor, das so ausnehmend gut zum Festival-​Thema „Jung und Alt“ passt. Hofmann nannte ihre Studierenden „Hauptakteure“, die sich sehr engagiert der Vermittlung von Musik außerhalb der Schule widmeten. Grundsätzlich sei es sehr sinnvoll, dass die Institutionen der Stadt zusammen arbeiteten.
 

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