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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 25. Juni 2010

Zu einem Vortrag über den Gmünder Uhrenfabrikant Josef Bidlingmaier hatte gestern der Bifora-​Freundeskreis eingeladen

Der Uhrenfabrikant Josef Bidlingmaier aus Straßdorf stand gestern im Mittelpunkt eines Vortrages, zu dem der Edelmetallverband Gmünd und der Bifora-​Freundeskreis eingeladen hatten. Von Nicole Beuther

SCHWÄBISCH GMÜND. Eines hatte Bidlingmaier mit einer Uhr gemeinsam: Er war ein Arbeitstier. Und das ist, so findet Referent Götz Schweitzer, eine Uhr auch. Schließlich bestehe ein einziger Tag aus 86 400 Sekunden und ein Jahr aus 31 536 000 Sekunden. „Die Unruh schwingt pro Sekunde 28 800 Mal hin und zurück“, so Schweitzer, der von der Öluhr im 10. Jahrhundert über die Sanduhr im 13. Jahrhundert und der Turmuhr im 14. Jahrhundert den Bogen zur Taschenuhr spannte, die bereits im Jahr 1510 von Peter Henlein entwickelt worden war.
Lange Zeit seien die Uhren in teils sehr kunstvoller Handarbeit hergestellt worden. Bezahlbar, so machte Götz Schweitzer deutlich, wurden die Uhren erst mit der Industrialisierung. „Ab 1900 trugen die Männer Taschenuhren, die Damen zeigten die Uhr als Schmuck am Arm.“ 1914 hätten auch die Männer begonnen, die Uhr am Arm zu tragen. „Im Ersten Weltkrieg wurde die Uhr für die Geschützeinrichtung lebenswichtig“, erklärte Schweitzer.
Wie wichtig Josef Bidlingmaier für die Gmünder war und ist, das wurde schnell deutlich. Geboren ist der Gründer der Bifora-​Uhrenfabrik am 25. Dezember 1870 in Straßdorf. Bidlingmaier, dessen Vater Maurermeister war, wusste schon früh, was er wollte: Von 1884 bis 1888 absolvierte er eine Ausbildung als Goldschmied in der Goldwarenfabrik Zieher in Schwäbisch Gmünd. Anschließend zog es ihn in die Schweiz (St. Gallen und Zürich) und nach Pforzheim. Kaum wieder in Schwäbisch Gmünd, ging die Reise schon wieder weiter. 23 Jahre alt war er, als er mit dem wenigen Geld, das er zusammengespart hatte, in die Vereinigten Staaten ging, wo er sechs Jahre lebte. „Er schlug sich durch“, so Schweitzer. Insgesamt habe es wenig Arbeit gegeben und das Heimweh habe ihn zur Rückkehr nach Gmünd bewegt. „1900 machte er sich mit seinem Bruder Bernhard in einer kleinen Werkstatt selbstständig“, so Schweitzer. In der Fischergasse erfolgte die Gründung eines Bijouteriebetriebes. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die 1913 so richtig begann. Damals habe er von einem Schweizer Fabrikanten den Auftrag über Gold-​Zieh-​Armbänder (14 Karat) erhalten. Der Umsatz erhöhte sich, die Belegschaft bestand bald aus 40 Leuten, schon kurze Zeit später aus 60 Personen. Das Ende des Ersten Weltkrieges sei aber das Ende des Zieharmbänderauftrages gewesen, kam Schweitzer auf die erste Hürde zu sprechen, die es zu überwinden galt. Der Straßdorfer sei in ganz Deutschland umher gereist und habe nach Auftraggebern gesucht. Bidlingmaiers Unnachgiebigkeit zahlte sich aus: Schon bald fertigte er Gehäuse für Armbanduhren, die er vor allem in die Schweiz exportierte. Es dauerte nicht lange, bis auch in Deutschland die entsprechende Nachfrage vorhanden war.
1927 dann habe man die Fabrik in der Hauffstraße gebaut. Ein Lichtblick für viele Gmünder. Denn die Arbeitslosigkeit, wie Schweitzer erklärte, sei damals sehr groß gewesen. Mit 230 Mitarbeitern sei der Neubau 1928 bezogen worden.
Schweitzer zeigte Fotos von der damaligen Zeit; zu sehen waren Arbeiter mit weißem Hemd und Krawatte — ihre Art, den anderen zu zeigen, dass sie einen Arbeitsplatz haben, wie der Referent erklärte. Auch Hausschuhe hätten sie getragen. „Es wurde sehr darauf geachtet, dass kein Schmutz mitreingetragen wurde.“ Auch eine Betriebsordnung aus dem Jahr 1934 hatte Schweitzer mitgebracht. Daran könne man sehen, dass die Uhrenfabrik kein 0815-​Betrieb gewesen sei. Es habe Zucht und Ordnung geherrscht. „Singen, pfeifen usw. im Betrieb ist verboten“, lautete eine Aussage. Auch die soziale Komponente von Bidlingmaier wurde bei dem gestrigen Vortrag hervorgehoben, für Jung und Alt waren Arbeitsplätze vorhanden, zeitweise zählte Bifora zu Bidlingmaiers Ära über 1000 Mitarbeiter.
Im Anschluss an den Vortrag, der beim Edelmetallverband in der Franziskanergasse 6 stattfand, konnten die Besucher die Uhrenausstellung im Präsentations-​Shop des Verbandes besuchen.

Die Ausstellung findet noch bis zum 14. August statt. Die Öffnungszeiten: Mi.: 10 bis 12 Uhr; Do. und Fr.: 12 bis 18 Uhr; Sa.: 10 bis 14 Uhr.
 

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