Der Verein Promozione Umana aus Süditalien bringt die Passionsspiele nach vielen Jahren wieder nach Schwäbisch Gmünd
Eine gespannte Stille herrschte am gestrigen Freitagabend unter den Zuschauern im Gmünder Münster. Es wurde gewartet — und zwar auf den Beginn der ersten Passionsspiele in Gmünd seit vielen Jahren. Von Sandra Fuhrmann
SCHWÄBISCH GMÜND. Dem Runden Kulturtisch aus Lorch war es zusammen mit der Kolpingsfamilie aus Schwäbisch Gmünd, die der veranstalter der Passionsspiele ist, gelungen den Verein Promozione Umana aus Oria in Süditalien für die Vorführungen in und um das Münster zu gewinnen.
70 Darsteller sind mit zwei Bussen und einem Lastwagen mit Requisiten aus dem fernen Süden angereist, um diese Tradition auch bei uns wieder aufleben zu lassen. Entstanden ist die Idee dazu vor drei Jahren, berichtet Uli Rund, vom Runden Kulturtisch in Lorch.
Damals konnten die Darsteller aus Italien nämlich schon einmal zu einer Darbietung im Kloster ihrer Partnerstadt Lorch begrüßt werden. Die damals anwesenden Gmünder zeigten sich von den Passionsspielen so begeistert, dass die Entscheidung bald fest stand — auch in ihrer Stadt sollte diese Tradition wieder aufleben. Die Vorbereitungen für die Veranstaltung laufen nun bereits seit einem ganzen Jahr und gingen in den letzten Wochen dann in die entscheidende Phase. Mit Hilfe des
THW wurde dem Münsterplatz, auf dem der Großteil der Szenen aufgeführt wird, dann noch der letzte Schliff verpasst und die passende Beleuchtung sorgt zum Beispiel dafür, dass auch niemand das Podest im Dunkeln sieht, auf dem der Judasdarsteller dann bei der Szene, die den Selbstmord des Jüngers zeigt, steht. Viele Leute aus Lorch haben im Zuge der Partnerschaft sogar Italienisch in Abendkursen gelernt. Und auch wenn die Sprache dann doch manchmal an ihre Grenzen kommen sollte klappt es mit der Kommunikation. „Man versteht sich mit dem Herzen.“ erklärt Uli Rund. Und wenn es dann nicht das Herz ist, sind es manchmal auch Hände und Füße. Bei den textlichen Inhalten müssen die meisten Zuschauer den Darstellern vertrauen, denn die gesamte Vorstellung findet in italienischer Sprache statt. Die Darbietung der Laienschauspieler, von denen viele jedoch schon seit Jahrzenten ihre Rolle bei der jährlichen Aufführung in Oria spielen, ist so überzeugend, dass auch beim deutschen Publikum andächtiges Schweigen eintritt, während Jesus das Brot bricht und den Kelch an seine Jünger weiterreicht oder Judas ihn durch den Kuss verrät und an die Soldaten ausliefert. Zum besseren Verstehen werden vor jeder Szene kurze Einführungen auf Deutsch vorgelesen. Weitere Aufführungen sind nun noch für den heutigen Samstag und den morgigen Sonntag eingeplant. Beginn ist jeweils um
21 Uhr. So lange genießen die Schauspieler noch die Gastfreundschaft der Lorcher und Gmünder Familien, bei denen sie untergebracht sind. Thomas Eble, Vorsitzender der Kolpingsfamilie lobte das große ehrenamtliche Engagement aller Helfer und betonte, dass die Schauspieler nicht für Geld, sondern aus reiner Freude am Spiel selbst hier seien.
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