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» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 06. Juni 2010

Gerd Hinderberger meldet sich von der Nordkap-​Tour zurück: Gegen Wind und Regen angefahren

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Vor allem, wenn sich Abenteuer und das Gefühl, etwas Gutes zu tun, so trefflich verbinden lassen. Gestern meldete sich Radfahrer Gerd Hinderberger bei OB Arnold von seiner großen Nordkap-​Tour zurück.

SCHWÄBISCH GMÜND /​MUTLANGEN (bt). Natürlich gab es Momente, in denen der Mutlanger die Idee, Tausende von Kilometer ins Land der Mitternachtssonne zu radeln, so richtig blöd fand: An Tagen etwa, an denen er nicht trocken wurde und es so satt hatte, gegen den ewig wehenden Nordwind anzutreten. Aber es gab eben auch die anderen Momente, die Schönheit der Landschaft an den skandinavischen Küsten, die Nächte, in denen ihm das Sonnenlicht auf der Nase tanzte, die Menschen, die ihm so freundlich entgegen kamen. Es hat sich gelohnt, er würde dieses Wagnis jederzeit wieder auf sich nehmen, erklärte er gestern im Gespräch mit der RZ: „Freilich würde ich das Rennrad mitnehmen“. Die Straßen seien nämlich in gutem Zustand, und mit dem Rennrad lassen sich solche Distanzen doch leichter bewältigen.
Die Leserinnen und Leser der RZ konnten in den vergangenen Wochen die einzelnen von Gerd Hinderberger bewältigten Abschnitte nachvollziehen. Gestern nun sprach er mit Oberbürgermeister Arnold über grundsätzliche Eindrücke: Das schlechte Wetter hat auch im Norden zugeschlagen; noch immer sind viele Seen zugefroren, und durch die allzu späte Schneeschmelze und die anhaltenden Regenfälle sind weite Landstriche überflutet — nicht zuletzt einige Campingplätze, auf denen Hinderberger und Andy Schindler, Fahrer des Begleitfahrzeugs, eigentlich übernachten wollten. Einmal war ein solches „Feuchtgebiet“ mit einem 200 Kilometer-​Umweg verbunden. Auf der anderen Seite war das Wetter immer wieder mal derart lausig, dass Hinderberger eine Etappe abbrechen und den Rest der Strecke im Camper zurücklegen musste.
Einige Deutsche, die in den Ländern des Nordens eine neue Heimat gefunden haben, erzählten dem Radreisenden von hoher Beschaffungskriminalität, von Drogen– und Alkoholproblemen — er solle sich vom Pippi Langstrumpf-​Mythos verabschieden. Und so wurde die 3000 Kilometer-​Radtour auch die Erkundung eines fremden Landes, einer anderen Kultur.
Verabschiedet hatte ihn nicht nur OB Arnold, sondern auch Mutlangens Bürgermeister Peter Seyfried, und auch unterwegs gab’s so manchen Rathaus-​Empfang, in Würzburg etwa, in Bad Hersfeld, Lüneburg und Lübeck. Roger Brand und Ehefrau Heike, Hinderbergers Ehefrau Annette, vor allem aber Klaus Maihöfer aus Mutlangen sowie Susanne und Werner Helget aus Herlikofen haben ihn ein mehr oder weniger großes Stück des Weges begleitet. Eigentlich hatte er auf viel mehr Radsportler gehofft, die mit ihm für den guten Zweck gen Norden fahren — aber das Wetter war einfach zu schlecht. Letztendlich sind deshalb lediglich etwa 400 Euro für die Deutsche Stiftung für Menschen mit Down-​Syndrom der Mutlanger Familie Schuhmacher zusammengekommen sind; Hinderberger hatte sich schon mehr erhofft. Aber zumindest hat er dem Thema Öffentlichkeit geschenkt.
Er selbst war immer schon einer, der nicht nachließ, wenn er sich etwas vorgenommen hatte. Beim Marathon nicht und nicht beim Ultra-​Marathon, auch nicht bei Triathlon-​Turnieren oder dann, nach Achillesfersen-​Problemen, auf dem Fahrrad. Und jetzt, als er es zum 50. Geburtstag noch einmal wissen wollte, war Aufgeben erst recht keine Option.
 

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