Zum „Kaminabend“ der Weleda für ausgewählte Gäste aus der Region gab’s Grundsätzliches über die „Arbeitswelt im Umbruch“
Die Arbeitswelt im Umbruch und ganz neue Herausforderungen an die Unternehmensführung waren gestern Abend Thema, als Erk Schuchhardt, Vorsitzender der Weleda-Geschäftsführung, zum „Kaminabend“ bat.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt). Ungewohntes, fast überschwängliches Lob kam von
IHK–Geschäftsführer Klaus Moser, der vom „Vorzeigeunternehmen“ Weleda sprach. Um zu verdeutlichen, wie sehr sich die Arbeitswelt verändert hat und weiter verändern wird, erzählte er eine Geschichte, die offenkundig zu seinen liebsten zählt. Im Jahr
2000, so erinnerte Moser, wurde Ludwig Georg Braun zum deutschen
IHK–Präsidenten gewählt; mit einer gehörigen Portion Selbstironie schilderte er, wie entsetzt er war, als ein zentraler Punkt in dessen Antrittsrede die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war. Voller Neid hätten die mehr oder weniger fassungslosen IHKler in jener Zeit auf Michael Rogowski geblickt, den BDI-Chef, der mit einem Adler auf dem Arm auftrat und gegen Regulierung wetterte: Familie sei einfach kein Thema gewesen. Und heute gehe „kein Weg daran vorbei“; für junge Mitarbeiter sei Familienfreundlichkeit bei ihrer Standortentscheidung wesentlicher Punkt. Er sei sehr froh, so Moser, mit der Weleda von Anfang an ein „Ankerunternehmen“ gehabt zu haben, ohne das sich Familienfreundlichkeit in der Region — die im übrigen die schlechteste demographische Prognose aller baden-württembergischen Regionen habe — bis heute nur schwer vermitteln ließe: „Dabei ist dieses Thema für den Bestand der einzelnen Unternehmen von höchster Bedeutung“. Die Weleda hat seit
1998 einen Betriebskindergarten und will, so war gestern zu erfahren, künftig bereits Kinder ab einem halben Jahr betreuen.
Ehrengast Jutta Rump, Professorin mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement, relativierte Mosers Einschätzung, Vereinbarung von Familie und Beruf sei in der Region noch immer ein schwieriges Thema: „Insbesondere Kleinbetriebe tun vieles“. Man kenne die Sorgen und Nöte der anderen und sei meist ganz selbstverständlich bereit, diese mitzutragen. Das Ganze werde dann nur anders genannt. Keinen Zweifel gebe es daran, so Rump, dass das Thema kein „Sozialgedöns“ sei, sondern ein „Muss“: Fachkräfte zu holen und langfristig ans Unternehmen zu binden, werde immer wichtiger. Und die neue Generation wolle nicht Familie oder Beruf, sondern „sowohl als auch“. Weleda-Sprecher Theo Stepp, erklärte mit Blick auf zahlreiche Bewerbungsgespräche ebenfalls, Familienfreundlichkeit sei entscheidender Standortfaktor und werde längst als solcher wahrgenommen. Die Krise habe daran gar nichts geändert. Sofie Geisel, Projektleiterin des Unternehmensnetzwerkes „Erfolgfaktor Familie“, die später die Diskussion moderierte, zitierte aus aktuellen Studien, derzufolge
90 Prozent der Fachkräfte erklärten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei so wichtig wie die Gehaltshöhe. Dass dabei immer mehr nicht nur „Elternzeit“, sondern auch „Zeit für Eltern“, sprich das Thema Pflege, wichtig wird, war weiterer Schwerpunkt des Abends, zu dem
Dr. Isabella Heidinger, Leiterin des Projekts „Beruf und Familie“ der Weleda, einiges zu sagen hatte. Die Weleda arbeite intensiv daran, dass Pflege im Unternehmensalltag genauso selbstverständlich Thema sei, wie die Kinderbetreuung.
Erk Schuchhardt sprach vom Versuch, einen generationenübergreifenden Strukturwandel, „konkret runterzubrechen“, so, dass notwendige Maßnahmen mitgetragen und umgesetzt würden. Die Weleda habe glücklicherweise Aktionäre, die das Leitbild teilten und bereit seien, in Maßnahmen zu investieren, die zunächst ein oder auch zehn Jahre nur Kosten verursachten, die auf der anderen Seite aber das Unternehmen so aufstellten, dass es langfristig überdauern könne. Das Unternehmen freue sich über Erfolge, sei aber immer dabei, das Erreichte zu verbessern und neue Wege zu suchen, auch in Netzwerken und Bündnissen, gemeinsam mit vielen Unternehmen und Institutionen.
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