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» Ostalbkreis | Donnerstag, 01. Juli 2010

Das Dach von St. Konrad in Lorch wird saniert — die katholische Kirchengemeinde will es als Solarkraftwerk nützen

Mit dem Bescheid vom bischöflichen Bauamt in Rottenburg rechnet die Lorcher katholische Kirchengemeinde St. Konrad in den nächsten Tagen. Das Dach der bald 50 Jahre alten Kirche wird saniert — und zum Solarkraftwerk.

LORCH (rw). Man merkte es im vergangenen Jahr: die eingesenkten Wasserabläufe an der Traufe waren verstopft. Dort begann auch der Beton abzuplatzen, die rostige Armierung wurde sichtbar. Die Kirchengemeinde wollte der Sache auf den Grund gehen und bohrte den Beton an. Wie vermutet, dahinter befand sich Wasser — mindestens 1000 Liter, schätzt Architekt Celestino Piazza. Jedenfalls schoss stundenlang eine Fontäne aus dem Bohrloch, erinnert sich Pfarrer Marc Grießer. Die Sanierung des mit Kupferblech verkleideten, architektonisch anspruchsvollen und so leicht wirkenden, aber technisch schwierigen Schmetterlingsdachs ist unumgänglich, das Wasser griff im nördlichen Teil der Kirche auch die Elektrik an, auch die Holzbalken begannen zu faulen. Das Wasser hatte sich in der Betonwanne unterhalb der kupfernen Abläufe gesammelt.
Schon im vergangenen Jahr beschloss die Kirchengemeinde die Sanierung — und hieß auch den Vorschlag des Architekten gut, etwas Innovatives zu wagen: das Dach selbst als Solaranlage zu verwenden. Eine aufgeständerte Lösung, das war von vornherein klar, wäre auf dem Kirchendach nicht in Frage gekommen. Schon aus ästhetischen Gründen nicht, ist doch die am 19. November 1961 geweihte Konradskirche, geplant von dem Stuttgarter Architekten Hans-​Werner Merkle, eine der expressivsten und bemerkenswertesten unter den modernen Kirchen im hiesigen Raum, die in der Nachkriegszeit so zahlreich errichtet wurden. Für Pfarrer Grießer ist sie auch der schönste Vertreter dieses Typus im Remstal — nicht zuletzt wegen ihrer Raumwirkung und des großen, die südliche Schauseite einnehmenden Farbglasfensters. Und eine Seltenheit im evangelischen Remstal ist es, dass katholische Kirchen sich so im Stadtzentrum befinden wie in Lorch. Deshalb legt der Pfarrer Wert darauf, dass sie tagsüber geöffnet ist, obwohl auch schon Vandalismus vorgekommen ist: „Sie wird aufgesucht.“
An der Gestalt soll sich nichts ändern, dennoch wird das Dach ganz anders. Celestino Piazza schlug ein Verbunddach mit „Evalon“-Solarbahnen vor. Der Kirchengemeinderat war von dem Vorschlag angetan. Nach den Berechnungen des Architekten würde diese Art Dach in 20 Jahren 323 Tonnen Kohlendioxid ersparen. Im Jahr können 18272 kWh erzeugt und ins Netz eingespeist werden. Über 20 Jahre gerechnet kommt man damit auf eine Vergütung von 146000 Euro, wenn sich an den Sätzen nicht viel ändert. Die „klassische Sanierung“ ohne zusätzliche Dachdämmung, die wegen der Farbfensterfläche nicht sonderlich sinnvoll wäre, würde sich auf Kosten in Höhe von 220000 Euro belaufen. Die Sanierung mit den Photovoltaik-​Bahnen kostet 80000 Euro mehr, „es amortisiert sich in ordentlicher Zeit“, meint Piazza — nämlich in zwölf Jahren. Einschließlich der Betonsanierung und der Nebenkosten wird sich die Reparatur auf 366000 Euro belaufen. Die Dachsanierung soll in diesem Sommer erfolgen.
Mit dem Denkmalschutz gerate man nicht in Konflikt, sagt der Pfarrer. Mit den Erben Merkles will Piazza noch in der Frage des geistigen Eigentums sprechen. Das katholische Verwaltungszentrum steht dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber. Jetzt steht nur noch das Plazet aus Rottenburg aus.
 

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