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» Sport | Sonntag, 11. Juli 2010

Deutschland bewegt sich: Die ehemalige Weltklasse-​Leichtathletin Heike Drechsler als Botschafterin in Gmünd vor Ort

Heike Drechsler ist zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin sowie vierfache Europameisterin. Immer noch hält sie mit 7,48 m den Deutschen Weitsprungrekord und wurde vom „Track and Field“-Leichtathletikmagazin als Weitspringerin des Jahrhunderts bezeichnet. Mit ihr unterhielt sich RZ-​Redakteur Stefan Köpf.

Frau Drechsler, wie kam es zu ihrem Engagement für diese Aktion der Barmer GEK?
Seit 1993 bin ich bei der Barmer GEK fest angestellt. Anfangs hatte ich noch ausschließlich repräsentative Aufgaben aufgrund meiner sportlichen Karriere, die zu der Zeit ja noch lief. Jetzt bin ich im betrieblichen Gesundheitsmanagement tätig und bei vielen Projekten beteiligt. Es ist ein Fulltime-​Job mit einem sehr breiten Spektrum, was die Anforderungen betrifft. Das tolle an dieser Aktion ist, dass wir die Menschen direkt ansprechen und für den Sport beziehungsweise Bewegung motivieren können.
Was ist das Ziel der Initiative „Deutschland bewegt sich!“?
Das Ziel ist, dass sowohl junge Leute als auch ältere bewusster auf ihre Gesundheit achten und dies vor allem mit Sport und Bewegung erreichen können. Als Motivation werden einige Disziplinen angeboten, bei welchen sich die Besucher messen, oder einfach ihre sportliche Fitness testen können. Auch eine entsprechend gesunde Ernährung soll dabei beachtet werden und dazu werden die Besucher informiert. Vor allem bei Kindern und jungen Menschen ist der Mangel an Bewegung ein Problem, dabei sollten gerade dann die Eltern als motivierendes Vorbild vorangehen. Aber auch der Stellenwert des Schulsports sollte etwas aufpoliert werden.
Sie betreuen die Disziplin Standweitsprung. Welche Fähigkeiten sollten dabei beherrscht werden und wie weit sind Sie früher aus dem Stand gesprungen?
Erst einmal braucht der Athlet eine gute Koordination, Kraft und Schnelligkeit, um aus dem Stand weit zu springen. Der Standweitsprung ist ein ziemlich komplexer Ablauf, bei welchem schon zahlreiche Besucher ihren Ehrgeiz und ihr Talent bewiesen haben, als wir in Brandenburg Station gemacht hatten. Ich hatte dabei sogar einen 70-​jährigen Athleten als Akteur erlebt. Das war und ist auch immer wieder sehr interessant für mich. Meine Bestleistung beträgt 3,05 m.
Was ist dabei Ihre eigene Motivation?
Für mich ist vor allem das Motivieren von Kindern ein großer Antrieb. Wenn ich ein Talent erkennen kann, dann versuche ich dieses anzusprechen, damit es vielleicht einem Sportverein beitritt. Wenn man die Kleinen an die Hand nimmt, dann können diese auch Erfolge erzielen. Ich habe in Gera schon einige Grundschulsportfeste geleitet, zu welchen schon nur eine Auswahl der besten Sportler kommen darf, doch auch da sind Defizite vor allem im koordinativen Bereich sichtbar. Das ist keine gute Entwicklung und daher sollte dem entgegengearbeitet werden.
Frau Drechsler, kommen wir nun zu Ihren persönlichen sportlichen Erfolgen. Was war ihr größter Erfolg und wie haben Sie ihn erlebt?
Das ist vor allem mein erster Weltmeistertitel 1983 in Helsinki gewesen, als ich mit 17 Jahren einem enormen Leistungsdruck standhalten musste. Eine Rumänin ist zuvor Weltrekord gesprungen und trotzdem zeigte ich keine Angst vor dieser großen Gegnerin. Etwas ganz besonderes war natürlich auch mein Sieg bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney/​Australien. Durch das schon etwas fortgeschrittene Alter war ich verletzungsanfälliger und wurde aber von meinem Sohn noch einmal motiviert. Bis etwa sechs Wochen vor dem Wettkampf lief alles rund und ich war in einer guten Verfassung, dann erst kamen einige Schwierigkeiten. Als ich schließlich am Wettkampftag einmarschiert bin, war ich sehr locker, obwohl die Kulisse unglaublich war. Ich kam nur sehr schwer in den Wettkampf und konnte im dritten Versuch dann aber dem Angriff von der Amerikanerin Marion Jones standhalten und erzielte dort mit 6,99 m die beste Weite und gewann die Goldmedaille.
Ihre Bestleistung liegt bei 7,48 m und der Weltrekord bei 7,52 m. Es gab aber einmal einen Wettkampf, bei dem Sie 7,63 m gesprungen sind …
Ja, das war in Sestriere und der Veranstalter hatte für jeden Weltrekord einen Ferrari versprochen. Im ersten Versuch bin ich gleich 7,40 m gesprungen, was für mich schon eine traumhafte Weite war. Doch dann hatte ich noch einen Sprung bei dem fast alles passte, außer die Windmessung. Der Sprung wurde auf 7,63 m gemessen, doch der Windmesser zeigte 2,001 m/​s Rückenwind an und das wurde auf 2,1 m/​s korrigiert (2,0 m/​s Rückenwind sind erlaubt, Anm. d. Red.). Der Sprung fühlte sich aber fantastisch an. Zeitgleich ist auch Sergej Bubka Weltrekord im Stabhochsprung gesprungen. Er bekam seinen Ferrari. Ich erhielt dagegen als Trostpreis einen Ferrari in Miniaturform, das konnte ich fast nicht glauben. Wobei ein echter Ferrari hätte gar nicht erst in meine Garage gepasst (lacht).
 

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