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» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 11. Juli 2010

Jakob Unrath aus Mögglingen gestern Abend beim „Heimspiel“ in der Mackilohalle ganz knapp als Ersatzkandidat nominiert

Die SPD im Wahlkreis Schwäbisch Gmünd geht mit dem Heubacher Bürgermeister Klaus Maier als Kandidat in die Landtagswahl am 27. März 2011. Das ergab die Mitgliederversammlung gestern Abend in der Mögglinger Mackilohalle. Ersatzbewerber ist der Mögglinger Jakob Unrath. Von Manfred Laduch

SCHWÄBISCH GMÜND Schon von der Präsenz der Genossinnen und Genossen zeigten sich die Verantwortlichen begeistert. Kamen doch immerhin 191 der 460 im Wahlkreis wohnenden SPD–Mitglieder zur Versammlung. Es war allerdings auch etwas Außergewöhnliches geboten: Erstmals seit sehr langer Zeit konnten die Sozialdemokraten unter drei Bewerbern auswählen.
„Das ist der Abend der Abende“, begrüßte Josef Mischko als Versammlungsleiter die gut gefüllte Halle – und ganz besonders die neu zum Wahlkreis gekommenen Essinger. Seit dem Ende der Amtszeit von Mario Capezzuto hungere der Wahlkreis Gmünd nach einem SPD–Landtagsabgeordneten, erklärte der Kreisvorsitzende. Die Nominierung bilde dafür den Grundstein. Acht Wochen lang hätten sich die Kandidaten ausführlich im Wahlkreis vorgestellt und in dieser Zeit habe die Partei 34 Neumitglieder gewonnen. „Morgen beginnt der Wahlkampf“, stimmte Mischko die Anwesenden ein.
Man brauche ein Gegengewicht zum CDU–Abgeordneten Scheffold, der es nicht einmal geschafft habe, das Schulamt in Gmünd zu halten, fuhr der SPD–Kreisvorsitzende fort. Es gelte, sich gegen die soziale Kälte im Land zu stellen. Mischko würdigte die Arbeit des früheren Abgeordneten Mario Capezzuto, gratulierte diesem zum zweiten Enkelkind und bedankte sich mit einer Flasche Wein für dessen Arbeit.
MdB Christian Lange versprach der Gmünder SPD „erstmals seit Jahren Rückenwind aus dem miserabel regierten Berlin.“ Schwarz-​Gelb müsse weg aus Stuttgart und drei Jahre später aus dem Bund, forderte Lange. Zu viele Versprechen seien von der Landes– und der Bundesregierung gebrochen worden.
In alphabetischer Reihenfolge stellten sich dann die drei Bewerber jeweils eine Viertelstunde lang vor. Klaus Maier bezeichnete die Wahl als schwierig und wichtig. Man müsse die Verluste der vergangenen Bundestagswahl ausgleichen, indem man die SPD wieder als die Partei der sozialen Gerechtigkeit kenntlich mache. Er wolle das Mandat zurückgewinnen und dazu seinen beruflichen Hintergrund, sein fachliches Wissen und seine Bekanntheit einbringen, erklärte der 54-​jährige Heubacher Bürgermeister, der seit 34 Jahren SPD–Mitglied ist.
Arm und Reich drifteten auseinander, gefühlte Ungerechtigkeit mache sich breit. Im Ostalbkreis habe die SPD durch den Armutsbericht bei diesem Thema die Meinungsführerschaft erlangt. Er wolle sich für Mindestlöhne, Reichensteuer, Integration, Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, Abschaffung der Studiengebühren und Bildungsgerechtigkeit einsetzen. Es sei ein Skandal, wenn 20 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verließen.
Maier verlangte, dass die Finanzen des Landes nicht auf dem Rücken der Kommunen saniert werden dürften. Außerdem plädierte er für regenerative Energien und gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke. „Schenkt mir Euer Vertrauen, ich hole Euch am 27. März ein Mandat“, gab sich der Heubacher Schultes kämpferisch.
Daniela Maschka-​Dengler, 50-​jährige Rektorin der Friedensschule auf dem Rehnenhof und SPD–Stadträtin legte in ihrer Vorstellung den besonderen Schwerpunkt auf die Bildungspolitik. Die von Schwarz-​Gelb in Stuttgart gemachte sei nicht zeitgerecht. Bei der Bildung müsse gelten: „früher, anders, länger, mehr“. Schwächeren werde der Zugang zu Bildung schwerer gemacht. Sie wolle sich für eine bestmögliche Förderung stark machen.
Ihr weiteres Augenmerk gelte der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie setze sich für bessere Betreuungsmöglichkeiten ein. Außerdem wolle sie für Löhne kämpfen, die keine Aufstockung mehr nötig hätten.
„Ungerechtigkeiten nicht hinnehmen und Konflikten nicht aus dem Weg gehen“ lautete eine Maxime in der Rede von Konrad von Streit. Der 50-​jährige Pfarrer vom Rehnenhof und Gmünder SPD–Stadtrat forderte die Aufbruchstimmung aus der Zeit Willy Brandts. Er sage nein zu Steuersenkungen und ja zur Förderung frühkindlicher Bildung. Er sprach pro Tunnelfilter und kontra Atomkraft-​Verlängerung. Er sei für ein gerechtes Baden-​Württemberg. Das Zögern bei der Verfolgung von Steuersündern sei „nur peinlich“, erklärte von Streit.
Bei der ersten Abstimmung fehlten dann Klaus Maier (93) vier Stimmen zur notwendigen absoluten Mehrheit. Konrad von Streit lag bei 66 Stimmen., Vor dem zweiten Durchgang zog Daniela Maschka-​Dengler (32) zurück und empfahl ihren Wählern, für Maier zu stimmen. Der gewann dann auch mit 121 zu 68 gegen von Streit.
Ganz knapp ging die Nominierung des Ersatzbewerbers aus: Der 26-​jährige Jakob Unrath aus Mögglingen setzte sich mit 94 zu 90 Stimmen gegen Bilal Dincel (38) aus Gmünd durch.
„Jetzt geht’s los“ rief Klaus Maier in seinem Schlusswort der Versammlung zu. Im Gespräch mit der Rems-​Zeitung äußerte der Heubacher Schultes Anerkennung für alle Bewerber: „Wir haben total engagierte Leute – mit denen will ich zusammenarbeiten“, erklärte der 54-​Jährige, und: „die SPD ist wieder da im Wahlkreis Schwäbisch Gmünd“.
 

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