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» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 11. Juli 2010

Peter Tobies vom Naturkundeverein zeigt sich angesichts der Schadensbilder besorgt

Die prächtigen Kastanien in Schwäbisch Gmünd und der weiteren Umgebung zeigen deutlich, dass sie kränkeln: Die Blätter sind mit Flecken übersät und fallen vorzeitig ab. Bei manchen Bäumen dringt aus dem Stamm brauner Saft heraus, der auf Pilzbefall hinweist.

SCHWÄBISCH GMÜND. Peter Tobies vom Naturkundeverein zeigt sich besorgt und beschreibt in einer Pressemitteilung weiter: An den Rosskastanien im Stadtgarten, im Bahnhofsbereich und fast an jedem Kastanienbaum fallen auf der Blattoberseite längliche, beige-​rötliche Flecken auf, die nahezu das ursprüngliche Grün des Blattes verdrängen. Das ist für den Baum bedrohlich, denn in den grünen Blättern werden die Nährstoffe durch Assimilation produziert. Verursacht werden diese „Flecken“ von den Raupen der Rosskastanien-​Miniermotte (Cameraria ohridella). Das sind nur 5 mm kleine Schmetterlinge, die auf der Blattoberseite ihre Eier ablegen. Die daraus schlüpfenden Larven bohren sich durch die Blatthaut und fressen Fraßgänge, sogenannte „Minen“, durch das Blatt. Durch Massenbefall werden die Blätter vorzeitig braun, welken und fallen schon im frühen Sommer ab. Erstmals ist diese Miniermotte in Europa 1984 aufgetreten und hat sich in Deutschland überall ausgebreitet. Sie befällt nur weißblühende Kastanien; in den Blättern der schwach giftigen, rotblühenden Kastanien können sich die Larven nicht entwickeln. Langfristig gesehen ist die Rosskastanien-​Miniermotte eine ernste Gefahr, weil die Gesundheit und der Holzzuwachs der Bäume erheblich beeinträchtigt werden.
Eine weitere Bedrohung der Kastanienbäume kommt von einem heimtückischen Pilz, der mit schwimm-​fähigen Pilzsporen den Baum von den Wurzeln her angreift. Die Krankheit heißt Wurzelfäule (Phytophtora) und wurde 1990 aus Asien importiert.
Über die Wurzeln dringt der Pilz in den Stamm vor. Aus dem Stamm tritt als sichtbares Zeichen eine „braune Brühe“ hervor, die das baldige Ende des Baumes anzeigt. Weitere Krankheitssymptome sind abgestorbene Äste, die braunen Blätter und der vorzeitige Blattabwurf. Es fällt auf, dass meistens solche Bäume von diesem Pilz befallen werden, die schon vorher von der Rosskastanien-​Miniermotte geschwächt wurden.
Wie kann den Bäumen geholfen werden? Mit geringem Erfolg wird versucht, mit Sexual-​Lockstoffen die männlichen Schmetterlinge einzufangen. In einigen Großstädten Deutschlands wird konsequent das Laub eingesammelt und verbrannt. Kompostieren der Blätter eignet sich nicht, weil die Puppen nicht verrotten.
Entscheidend für die Zukunft der prächtigen Parkbäume wird sein ob es gelingt, die richtigen Gegenmaßnahmen zu finden und gute Standortbedingungen für eine gesunde Vitalität unserer Kastanien zu.
 

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