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Kultur |
Donnerstag, 15. Juli 2010
Mit Lorch verband den Architekten Günter Behnisch eine besondere Beziehung — in Schwäbisch Gmünd begann seine Karriere
Mit Lorch verband Günter Behnisch eine besondere Architekt-Bauherr-Beziehung, jedenfalls bis zum Bau des Gymnasiums im Jahr 2003. Es sind aber nicht die einzigen im Gmünder Raum. Von Reinhard Wagenblast
ARCHITEKTUR. Das Schäfersfeld in Lorch stellt einen Schwerpunkt im Schaffen des am Sonntag im Alter von
88 Jahren in Stuttgart verstorbenen Architekten dar. Günter Behnisch galt als Protagonist des „demokratischen Bauens“, einer lichten, luftigen und leichten Moderne, die dem Menschen Raum zur Entfaltung seiner Individualität geben sollte. Damit wurde er so etwas wie ein „Staatsarchitekt“ der alten Bundesrepublik. Berühmt wurden die mit Frei Otto geplanten Olympia-Bauten in München (
1972), bekannt ist auch der Bundestag-Neubau in Bonn, der just fertig war, als die Entscheidung für Berlin fiel. Ein spätes, nicht ganz glückliches Werk in der Hauptstadt ist die Akademie der Künste mit ihrer Glasfassade am Pariser Platz — um nur ganz wenige Behnisch-Bauten zu nennen, die zum gebauten Selbstbildnis der Bundesrepublik gehören. Behnischs Büro, das heute sein Sohn Stefan leitet, wurde mit dem jungen Staat groß. Hunderte von Architekten arbeiteten dort im Laufe der Jahrzehnte. Er gründete es im selben Jahr, in dem das Land Baden-Württemberg gebildet wurde,
1952. Die frühen und mittleren Jahre des Architekten standen im Zeichen des florierenden Schulbaus der Nachkriegs– und Wirtschaftswunderjahre.
Die Anfänge von Behnischs Schaffen, in den ersten Jahren zusammen mit seinem Studienfreund Bruno Lambart, liegen jedoch in Schwäbisch Gmünd: Im unbebauten Feld um die alte Pädagogische Hochschule entstanden nacheinander die Schiller-Realschule (
1954), das Hans-Baldung-Gymnasium (
1956) und das Gmünder Landratsamt (
1957) — bis heute prägende und ansehnliche Bauten, das
HBG wird gerade saniert. Zu dessen
40-jährigem Bestehen hielt der Architekt
1996 im Prediger die Festrede.
In Lorch errichtete Behnisch
1960 unmittelbar an der Rems die Stauferschule, die heutige Grundschule, die sein Büro in den frühen
90-er Jahren auch aufstockte. Aus der Fertigteil-Phase stammt die Schule in Alfdorf (
1965). Nur am Rande: Eines der wenigen Wohnhäuser Behnischs, errichtet
1967 als „Ferienhaus“, steht in Schlechtbach bei Gschwend.
Die Baukasten-Systeme führten jedoch in eine auch ästhetische Sackgasse. Anschließend löste Behnisch seine Bauten in Stahl und Glas auf. Die Generationen von Schulbauten auf dem Lorcher Schäfersfeld von
1973 bis
2003 stehen beispielhaft dafür — die geplante Mehrzweckhalle verwirklichte Behnischs Büro jedoch nicht mehr. Heute sind die anfänglich umstrittenen, später geschätzten Bauten auf dem Schäfersfeld, landschaftlich so reizvoll und im Spannungsverhältnis zum nahen Kloster gelegen, Ziel von Architekturinteressierten. Energetisch stammen die frühen Schäfersfeld-Bauten wie die Sporthalle freilich aus einer ganz anderen Epoche — ein Erbe, mit dem man umgehen können muss.
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