Pfiffiges Leuchtturmprojekt am „Dreiländereck“ der Kreise Ostalb, Göppingen und Rems-Murr /Johannisturm-Aktion stand Pate
Die bürgerschaftliche Johannisturm-Aktion „Stufen in den Gmünder Himmel“ stand jetzt bei der Realisierung eines pfiffigen Leuchtturmprojekts an der Kreisgrenze bei Lorch-Rattenharz sozusagen Pate: Die Gemeinde Börtlingen schuf aus einem zunächst abbruchreifen Wasserturm ein neues Wahrzeichen auf dem Höhenzug des Schurwalds.
SCHWÄBISCH GMÜND/LORCH
(hs). Der Wanderer oder Radler auf dem beliebten und beschaulichen Kaisersträßle zwischen Hohenstaufen und Kappelberg bei Fellbach reibt verwundert seine Augen, wenn er einige hundert Meter hinter Lorch-Rattenharz aus dem Wald heraus-kommt und in Richtung Breech unterwegs ist. Plötzlich fühlt man sich angesichts eines neuen Leuchtturms mit hübscher Umgebung nach Sylt oder auf eine andere Nordseeinsel versetzt. Bei näherer Betrachtung hat die
1800-Einwohner-Gemeinde Börtlingen einen echten Volltreffer gelandet, indem sie den zunächst abbruchreifen Wasserturm bei der Station „Schweizerhof“ der Landeswasserversorgung übernahm und zu einem witzigen Aussichtsturm ausbaute. Die Ähnlichkeit mit einem Leuchtturm ist durchaus gewollt, so ist in Börtlingen und in Breech zu erfahren, wo die Gemeindeverwaltung und die Bürgerschaft gleichermaßen stolz auf dieses Gemeinschaftswerk sind. „Schlanker Franz“ nennt bereits der Volksmund das
25 Meter hohe Bauwerk — in Anlehnung an Bürgermeister Franz Wenka. Offiziell heißt er Reinhold-Maier-Turm, benannt nach dem ersten Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, der dort oben auf dem Kaisersträßle und nahe seiner Heimatstadt Schorndorf gerne wanderte. Allein schon der Standort des Turms ist eine Besonderheit, denn er markiert fast genau das Dreiländereck der Landkreise Ostalb, Rems-Murr und Göppingen.
Im Zuge des Baus der Wasserversorgung über den Schurwald-Höhenrücken wurde der „Schlanke Franz“ bereits
1916 als so genannter Pendelturm errichtet. Die Funktion: Ausgleich von Druckschwankungen in dieser Hauptwasserleitung. Weil diese Technik überflüssig wurde, wollte die Landeswasserversorgung nun das Gemäuer abreißen. Doch in einem gemeinsamen Kraftakt gelang nun nicht nur die Rettung des Baudenkmals, sondern dessen Ausbau zu einem neuen Wahrzeichen in diesem stark frequentierten Ausflug– und Erholungsgebietes. Die Landeswasserversorgung überließ den Turm der Gemeinde, zahlte sogar noch einen Zuschuss in Höhe von
40 000 Euro. Einen starken Anteil bei der Realisierung der Aussichtsturm-Idee hatte die bürgerschaftliche Verbundenheit. Hauptamtsleiterin Sabine Catenazzo schildert im Gespräch mit der Rems-Zeitung, dass es zunächst auch Kritiker des Projekts gegeben habe. Es sei deshalb auch eine Bürgerbefragung durchgeführt worden. Die Zustimmung von rund
90 Prozent der Bevölkerung habe der Idee Auftrieb gegeben, besonders auch eine Spendenaktion in Anlehnung an die Erschließung des Johannisturms in Schwäbisch Gmünd als Aussichtsturm: Für
50 Euro pro Stück seien die insgesamt
110 Stufen an Spender „verkauft“ worden, denen zum Dank jeweils ein Namensschildchen an der Treppe gewidmet wurde.
Der Reinhold-Maier-Turm dient auch als Standesamt
Wesentlicher Neubauteil war aber auch der völlig neue Turmumgang an der Spitze, was dem „Schlanken Franz“ nun das Aussehen eines Leuchtturms verleiht. „Aber nicht rotweiß, sondern weißgrün haben wir den Anstrich gewählt, denn das sind unsere Gemeindefarben“, so erzählt Sabine Catenazzo. Am
9. Mai wurde Einweihung gefeiert. Dieser Tage erst wurde es erneut festlich. Denn mit herrlichem Panoramablick auf Schurwald, Alb sowie Richtung Remstal und Welzheimer Wald fand auf dem Reinhold-Maier-Turm die erste Trauung statt. „Wir wollen diesen besonderen Ort zukünftig verstärkt als Standesamt anbieten“, verlautet aus dem Börtlinger Rathaus, wo der Aussichtsturm jetzt kräftig in die Touristikwerbung eingebunden wird. Wie auch Schwäbisch Gmünd, so gehört Börtlingen der Fremdenverkehrsgemeinschaft Stauferland an.
Die Börtlinger pflegen nicht nur Gastfreundschaft, sondern auch das Vertrauen in die Ehrlichkeit des Menschen. Während seiner Öffnungszeiten ist der Turm nicht beaufsichtigt. Das Eintrittsgeld wird in eine Art Parkuhr eingeworfen. Wer außerhalb der Öffnungszeiten hin-aufsteigen möchte, bekommt im Rathaus gegen die Hinterlegung eines Pfandes sogar die Schlüsselgewalt.
Der neue Reinhold-Maier-Aussichtsturm zwischen Rattenharz und Breech ist von April bis Oktober an allen Sonn– und Feiertagen und auch an den Samstagen von
9 bis
19 Uhr geöffnet. Zwei Euro beträgt der Eintritt, ein Euro für Ermäßigte. Kinder dürfen kostenlos hinauf. Am Fuß ist ein netter Rastplatz eingerichtet.
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