Preisverleihung an den Circus Pimparello für das erlebnispädagogische Konzept des Rappenhofs bei Gschwend
„Wir haben uns um diesen Preis nicht beworben, sondern wir wurden vorgeschlagen“, sagt Sven Alb Geschäftsführer des Vereins JuKi — Zukunft für Kinder und Jugendliche e.V. mit Sitz auf dem Ferien– und Erlebnisdorf Rappenhof bei Gschwend. Von Dorothee Wörner
GSCHWEND. Umso mehr freuen sich die Verantwortlichen des Vereins darüber, am
17. September in einer Veranstaltung im Hubert Burda Media Tower in Offenburg die Auszeichnung Werkbund Label
2010 zu erhalten. Der Deutsche Werkbund, ein übergreifender Zusammenschluss kreativer Personen, Firmen und Institutionen vergibt in zweijährigem Turnus diese Auszeichnung für außergewöhnliche Projekte, die eine soziale oder politische Vorbildfunktion haben.
Es ist heiß an diesem Nachmittag auf dem Rappenhof, die bunte Zeltstadt steht auf einer Wiese im Tal und in den kleinen Ferienhäusern ist jede Menge los.
120 Kinder sind derzeit auf dem Freizeitgelände und erleben ihren Schullandheimaufenthalt. Es sind Kinder einer Grundschule aus der Nähe von Pforzheim, die ihren Abschlussausflug machen, oder andere aus Albstadt-Ebingen. Aus ganz Baden-Württemberg kommen sie auf den Rappenhof, der in der Nähe von Gschwend mitten in der Natur liegt.
Nichts, was die jungen Menschen
an den Rand drängen könnte
Der Verein
JuKi organisiert für die Kinder das Projekt „Natur erleben“, dazu gehört auch ein „Lägerle“ im Wald zu bauen, sich gegenseitig dabei zu helfen den Bach oder einen Steilhang zu überqueren und die Tiere zu versorgen, denn ein kleiner Bauernhof gehört auch dazu. Sven Alb berichtet: „Kinder, die außer Rand und Band hier her kommen, erleben eine Wesensveränderung wenn man ihnen sagt, dass sie nun für ein bestimmtes Tier zuständig sein werden“.
Diese Erlebnispädagogik ist ein beliebtes Angebot, das eine hervorragende Ergänzung in den Projekten des Circus Pimparello findet. Seit im Jahr
1994 der erste Auftritt auf dem Johannisplatz in Gmünd stattgefunden hat, waren bereits unzählige Kinder und Jugendliche beim „Mitmach-Zirkus“ dabei. „Ungeschickte Menschen gibt es nicht“, sagt Sven Alb und erzählt von behinderten Kindern, die ihre Trapezkünste so hervorragend vorführten, dass niemand eine Behinderung aufgefallen wäre.
Überhaupt ist auf dem Rappenhof alles „Normal“, es gibt nichts was die jungen Menschen an den Rand drängen würde, ob mit Down-Syndrom, oder gehörlos, ob Gymnasiast oder Hauptschüler, alle Kinder bekommen hier vermittelt, dass sie wirklich in der Lage sind etwas Außergewöhnliches zu leisten. Sie jonglieren, tanzen, balancieren, beweisen Mut und springen über ihren eigenen Schatten.
Dies alles vor einem sehr seriösen Hintergrund und bei einer Organisation die über
4000 Gäste im Jahr begrüßen kann — Freizeit– und Schullandheimkinder, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien, Eltern und Großeltern, alle sind willkommen auf dem Rappenhof. Für Jugendliche gibt es die Möglichkeit der Ausbildung zum Zirkus-Jugendübungsleiter und für Erwachsene wird die Ausbildung zum Zirkus– und Theaterpädagogen angeboten. Der Circus Pimparello auf dem Rappenhof ist damit eines von fünf Ausbildungszentren in Deutschland. Die Ausbildung zum Zirkusjugendübungsleiter wurde vom Verein
JuKi entwickelt und wird unterstützt von der „Aktion Mensch“.
In diesem Zusammenhang ist interessant, dass der Verein keine Regelförderung erhält, sondern sich über Umlagen finanziert.
30 Euro kostet die Übernachtung mit Vollversorgung und der Teilnahme an allen Angeboten.
120 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf, helfen beim Ab– und Aufbau der Zeltstadt oder gabeln auch schon einmal bis spät in die Nacht viele hundert Heuballen als Futtervorrat für die Tiere.
Dieser Circus könnte ein Luftschloss sein, aber er ist mit seinem interdisziplinären Angebot, getragen von Humanität, in den Bereichen Kunst und Kultur angesiedelt. Dies war wohl ausschlaggebend für die Nominierung für die Auszeichnung, die der Verein
JuKi im Herbst dieses Jahres nicht unverdient in Empfang nehmen darf.
Zu den zwanzig größeren Veranstaltungen in den Zirkuszelten ist die gesamte Öffentlichkeit eingeladen und für die Sommerfreizeiten auf dem Rappenhof gibt es noch einige Plätze.
JuKi–Zukunft für Kinder und Jugendliche e.V, Rappenhof,
74417 Gschwend; Tel.
07972/
93440, circus@pimparello.de und www.pimparello.de.
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