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» Ostalbkreis | Donnerstag, 15. Juli 2010

Wie die Lorcher Stadtteile ohne Ortschaftsrat auskommen

Sechseinviertel Jahre ist es jetzt her, dass der Ortschaftsrat Waldhausen nach intensiver Diskussion seine Auflösung beschloss. Über die Auswirkungen sprach die Rems-​Zeitung mit dem langjährigen Stadtrat und Vorsitzenden der FWV–Fraktion, Hans-​Joachim Herzig. Von Manfred Laduch

LORCH-​WALDHAUSEN. „Ich habe damals die Ansicht vertreten, dass es für die Bürger von Waldhausen, Weitmars, Rattenharz und Kirneck vor allem wichtig ist, Ansprechpartner vor Ort zu haben, die ein von ihnen vorgetragenes Anliegen in die Gremien einbringen. Wo die Sache dann entschieden wird, ist eigentlich egal“, erinnert sich Herzig. Wenn man zurückdenke, saßen die meisten Ortschaftsräte damals ohnehin auch gleichzeitig im Gemeinderat.
„Im Grunde haben wir die Themen, die die Stadtteile betrafen, so vorberaten, wie ein Ausschuss. Wir haben doppelt geschafft und doppelt Sitzungsgeld kassiert.“
Hans-​Joachim Herzig, Lorcher Stadtrat
„Im Grunde haben wir die Themen, die die Stadtteile betrafen, so vorberaten, wie ein Ausschuss. Wir haben doppelt geschafft und doppelt Sitzungsgeld kassiert. Das habe ich für unnötig gehalten“, sagt der FWV–Fraktionschef. Zumal der Entscheidungsspielraum des Ortschaftsrates mit seinem Etat von 20 000 Euro auch finanziell eher bescheiden gewesen sei. „Aus meiner Sicht hat sich in Sachen Bedeutung der Lorcher Stadtteile nichts geändert“, zieht Hans-​Joachim Herzig Bilanz.
Entscheidend dafür sei allerdings die Regelung der unechten Teilortswahl gewesen. Sie habe damals schon sichergestellt, dass jeder Stadtteil im Gemeinderat vertreten sei und tue das noch heute. Die Satzung legt fest, dass jeweils ein Sitz an Kirneck und Rattenharz, zwei an Weitmars und fünf an Waldhausen fallen müssen. Die Kernstadt schickt 13 Mitglieder ins Gremium. „Ohne diese Regelung hätte jedenfalls ich nicht für die Abschaffung des Ortschaftsrates gestimmt“, betont Herzig noch heute.
Man könne im Rückblick feststellen, dass alles, was man sich damals vorgenommen habe, auch umgesetzt worden sei – „und zwar mindestens so schnell, wie vorher“. Herzig erinnert an die Sanierung der Remstalhalle und die Einrichtung von der Ganztagesbetreuung im Waldhäuser Kindergarten. Auch das Dach der Schule habe man gerichtet. Waldhausen, so Herzig, sei derzeit ganz gut aufgestellt. Natürlich gebe es nach einer weiteren Geschäftssschließung die Sorge um die Einkaufs-​Infrastruktur. Diese zu erhalten liege allerdings nicht in der Macht der Kommunalpolitik.
In Rattenharz, das der frühere Stadtkämmerer Lothar Köhler einmal als seinen liebsten Stadtteil bezeichnet hatte, weil der kein Geld von ihm verlange, kümmere sich der TSV um wesentliche Infrastruktur-​Themen. So seien erst kürzlich die Lagerflächen bei eigener Finanzierung und Durchführung ausgebaut worden. Einziges Gebäude in städtischer Hand sei die Kapelle – und die habe die Stadt rechtzeitig zum Jubiläum 2009 ordentlich hergerichtet, auch wenn ein neuer Anstrich schön wäre.
In Weitmars sei immer wieder der Küchenbereich der Hohberghalle ein Thema. Der Wunsch nach einem Gehweg am Schulberg sei zwar sehr verständlich. Der Ausbau würde jedoch erhebliche Anliegerkosten für die Bürger verursachen.
Bei der angeregten Ortskernsanierung von Oberkirneck sei man auf das Mittun der Bürger angewiesen. Immerhin habe man für den Ort ein kleines Baugebiet realisieren können.
Insgesamt sei er froh, so Hans-​Joachim Herzig, dass „wir als Teilorte Lorchs relativ komfortabel ausgestattet sind.“ Denn angesichts der aktuellen Finanzlage könne in nächster Zeit sowieso niemand große Sprünge machen.
 

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