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Freitag, 16. Juli 2010
Triathlon, Ironman Frankfurt: Ausdauersportler der DJK Gmünd kommt in seiner Altersklasse auf den zweiten Platz
pm). Der Waldstetter Holger Scholze wurde mit einer Gesamtzeit von 10:44 Stunden Vize-Europameister in der Altersklasse M 55 und qualifizierte sich somit für die Weltmeisterschaft beim legendären Ironman Hawaii in Kailua-Kona am 9. Oktober.
Holger Scholze, vielen Gmündern bekannt durch seine langjährigen Aktivitäten im Fußball und Volleyball der
DJK Schwäbisch Gmünd, startete
1988 mit
33 Jahren, seine Ausdauersportkarriere. Seine Spezialität waren die Laufdisziplinen
10 000 Meter bis Ultramarathon.
1995 kamen die Disziplinen Rad und Schwimmen hinzu.
1996 wagte er erstmals die Herausforderung Ironman, über
3,
8 km Schwimmen,
180 km Radfahren und
42 km Laufen. Beim Ironman Germany, im fränkischen Roth, qualifizierte sich Holger Scholze auf Anhieb für den Mythos Hawaii, den er damals erfolgreich in
9:
58 Stunden finishte. „Ein unbeschreibliches Erlebnis“, so der Sportler. Das war ein Jahr vor dem historischen Hawaii-Dreifachsieg der deutschen Athleten Thomas Hellriegel, Jürgen Zäck und Lothar Leder, der in Deutschland eine große Ironman-Begeisterung auslöste. In den folgenden Jahren zog der „Ironman“ immer mehr Menschen in seinen Bann. Scholze, der Familienvater, beruflich gefordert und auch anderweitig aktiv, startete in den Folgejahren mit der
DJK–Mannschaft in der baden-württembergischen Triathlonliga, bei verschiedensten Laufveranstaltungen und bei diversen Mitteldistanz-Triathlon-Wettbewerben. Viele Jahre war er Leiter der Abteilung Ausdauersport der
DJK.
Der aktuelle Wechsel in die Altersklasse M
55 und eine (fast) verletzungsfreie Saison
2009 bewogen Holger Scholze das Abenteuer Ironman noch einmal in Angriff zu nehmen. Diesmal beim Ironman Frankfurt, der Europameisterschaft, als einziger Teilnehmer der
DJK Schwäbisch Gmünd. Im November
2009 startete er seine spezifische Trainingsvorbereitung. Er kam gut in Form, auch das neue Rad wirkte motivationssteigernd. Eine leichte Infektion im Juni verlangte, kurz vor dem Ziel, Korrekturen beim Trainingsplan aber am
4. Juli war Scholze auf den Punkt fit. Die Auftaktdisziplin mit
3,
8 km Schwimmen findet im Langener Waldsee, etwa
15 Kilometer südlich von Frankfurt statt. In dem, auch als Badesee genutzten, Baggersee sind zwei unterschiedliche Runden mit kurzem, für die Zuschauer attraktivem und für die Teilnehmer äußerst motivierendem Landgang zurückzulegen. Die Wassertemperatur beim Schwimmstart lag bei
26 Grad, was Neo-Verbot bedeutet. Die üblichen, auftriebsbegünstigenden Neoprenanzüge dürfen nur bis zu einer Temperatur von
24,
5 Grad getragen werden. Scholze versuchte beim Schwimmen möglichst schnell in seinen Rhythmus zu finden und sich aus dem größten Gedränge rauszuhalten, einem harten Schlag auf sein Kinn konnte er aber nicht ausweichen.
Auf Platz
16 seiner Altersklasse kam er aus dem Wasser und ging nach fulminantem Wechsel auf die, diesmal wegen Bauarbeiten
185 Kilometer lange, leicht profilierte Radstrecke. Diese erstreckt sich in zwei Runden durch das Frankfurter Umland und die Wetterau. Nördlichster Punkt der Route ist in Bad Nauheim. Insgesamt sind circa
1000 Höhenmeter zu überwinden. Kurze Pflastersteinpassagen auf der Runde setzten Mensch und Material zusätzlich zu, hier galt es los gerüttelten Trinkflaschen geschickt auszuweichen, Rad und Rücken zu schonen und das bedrohliche Dröhnen der Carbonrahmen und –laufräder einfach zu ignorieren. Die Gemeinden an der Strecke feierten ihre eigenen Partys, die Superstimmung an der Radstrecke beflügelte die Athleten. An den verschiedenen Steigungen bildeten sich Zuschauertunnel wie sie von Bergankünften bei der Tour de France bekannt sind. Aber Vorsicht, hier besteht die Gefahr des „Überzockens“, was sich beim abschließenden Marathonlauf bitter rächen könnte. Auch die Gefahr zeitraubender oder gar das Aus bedeutenden technischer Defekte fährt auf dieser Disziplin immer mit.
Der Waldstetter Holger Scholze kam sturz– und pannenfrei mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von
34 Kilometer pro Stunde in die zweite Wechselzone am Mainufer. Trotz leichter Rückenprobleme im letzten Drittel der Raddistanz hatte er in seiner Altersklasse zehn Plätze gutgemacht.
Der abschließende Marathonlauf führt über einen viermal zu durchlaufenden Rundkurs am Mainufer in Frankfurt, Ziel war der Römerberg. Die Sonne brennt, die Lufttemperatur hat sich jetzt auf
32 Gard erhöht, aber der Veranstalter hat mit Verpflegungsstellen alle
1,
5 km bestens vorgesorgt. Die Stimmung an der Strecke ist super, auch Heidi Scholze steht mit den Töchtern Eleni und Linda mittendrin. Holger fühlt sich noch richtig fit, also super Bedingungen für ihn, ein Top-Resultat zu erzielen. Er fand sofort in seinen Laufrhythmus und konnte seine Zeitvorgaben sehr gut einhalten.
Eine Runde lief er konstant gemeinsam mit Lothar Leder, dem „Altprofi“, der allerdings zwei Runden Vorsprung hatte. Am Ende der dritten Runde rief ihm Gattin Heidi die aktuelle Altersklassen-Platzierung zu – Platz drei. Zum zweiten Mal war Hawaii in greifbarer Nähe, die üblichen muskulären Probleme waren vergessen und der Waldstetter Athlet der
DJK Schwäbisch Gmünd lief in seiner letzten Laufrunde weiter vor auf Platz zwei.
Der Zieleinlauf auf dem Römerberg vor vollbesetzter Tribüne war der krönende Abschluss, bei dem Scholze, wie alle finishenden „Eisenmänner und –frauen“ auf einer Welle der Begeisterung getragen wurden. Ein absolut bewegender Moment, mit Gänsehaut und Rückenschauer, dem „vollen emotionalen Programm“.
Am folgenden Montag bei der Siegerehrung in der Frankfurter Eissporthalle stand Scholze als Vize-Europameister auf dem „Treppchen“, für ihn immer noch unfassbar. Bei der anschließenden Vergabe der Startplätze für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii zahlte Holger Scholze die Startgebühr sofort und sicherte sich somit den Startplatz für sein nächstes großes Abenteuer.
Begleitet von seiner Familie und gemeinsam mit der
DJK–Triathletin Gaby Weiler, die sich kurz zuvor in Nizza qualifiziert hatte, wird er am
9. Oktober in Kailua-Kona auf Hawaii zum zweiten Mal beim großen Ironman-Mythos an den Start gehen.
Holger Scholze in Zahlen:
3,
8 km Schwimmen in
1:
28 Stunden,
185 km Radfahren in
5:
27 Stunden und
42 km Laufen in
3:
42 Stunden. Seine Gesamtzeit von
10:
44 Stunden bedeuteten für ihn in Frankfurt den zweiten Platz in seiner Altersklasse M
55.
Statistik Ironman Frankfurt
2010:
2350 Starter aus
55 Ländern,
500 000 Zuschauer,
4300 Helfer. Für die Athleten wurden unter anderem
28 000 Liter Mineralwassern,
12 000 Liter Energiegetränke,
10 000 Liter Cola,
15 000 Energieriegel,
3000 Brote,
14 000 Bananen und
8500 Äpfel bereitgestellt. Der Ironman Frankfurt
2011 ist bereits ausgebucht.
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