Das Festival Europäische Kirchenmusik läuft: Eröffnungsgottesdienst im Münster mit einer Uraufführung
Musiziert zur Freude der Zuhörer, aber auch Gott zur Ehre wurde beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst des Festivals Europäische Kirchenmusik gestern Abend im vollen Münster.
SCHWÄBISCH GMÜND
(rw). Die Liturgie übernahmen Prälatin Gabriele Wulz, die auch predigte, Dekan Immanuel Nau und Münsterpfarrer Robert Kloker, der die Besucher des Eröffnungsgottesdienstes begrüßte. Im Rahmen des Gottesdienstes fand wie üblich die Uraufführung eines Werkes geistlicher Musik statt, des Sieger-Beitrags des Kompositionswettbewerbs. Den Preis erhielt der australische Komponist Terence Yap (
38) für das kurze, aber intensive Werk „View of the Son from the Father’s Eyes“ („Der Sohn aus der Sicht des Vaters“), basierend auf dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Dieses Gleichnis, in dem das Motto des Festivals, „Jung und Alt“ anklingt, stand im Mittelpunkt der Predigt von Prälatin Wulz, die darauf hinwies, dass man es mit einem atemberaubenden Perspektivenwechsel zu tun habe — die meisten fänden sich sonst im verlorenen Sohn wieder. Dem Komponisten gehe es um das Wesen der Versöhnung, in den Worten des Lukas-Evangeliums: ums Verlieren und Finden, um Sterben und Leben. Es sei ein Gleichnis für das Erwachsenwerden und für das Älterwerden, und für das Sich-Aussöhnen, mit dem, was sei. Die Geschichte sei offen, doch auch der ältere Bruder werde sich dem Werben des Vaters nicht entziehen, werde mit ins Haus gehen und die Rückkehr des verloren und tot geglaubten Sohnes mitfeiern, „er wird erkennen, dass das Rechnen und Aufrechnen, das Ausbalancieren nicht hilft.“ Gott füge die Geschichten der beiden Brüder, die sich beide auf ihre Weise verrannt hätten, wieder zusammen. Die eigentliche Hauptperson des Gleichnisses sei der Vater, der zunächst im Hintergrund stehe und dann alles in Bewegung bringe: „Liebe lässt sich keine Zeit. Sie setzt sich über Grenzen von Sitte und Anstand hinweg. Die Liebe Gottes hält unsere Lebensgeschichten zusammen, die wir in unserer Raserei Tag für Tag zerreißen.“ Jesu Gleichnisse erinnerten daran, wer Gott sei, es seien Geschichten, „die uns einladen, ins Leben zurückzufinden, an den Anfang.“
Zur Preisverleihung an Terence Yap sprach Oberbürgermeister Richard Arnold davon, dass Schwäbisch Gmünd mit dem Kirchenmusikfestival ein Zeichen setzen könne. Auch hier manifestierten sich Impulse der Bürgerschaft. Die zahlreichen Einsendungen zum Kompositionswettbewerb bestätigten Ansehen und Ausstrahlung des Festivals.
Den festlichen Auftakt gestalteten das Ensemble Aequinox unter der Leitung von Detlef Dörner in der Uraufführung sowie der Junge Kammerchor Baden-Württemberg unter Jochen Woll mit Werken von J. S. Bach und Antonio Caldara. Darüber berichtet die RZ gesondert.
Noch keine Kommentare vorhanden.