Exkursion und Mitgliederversammlung des Landschaftserhaltungsverbandes Ostalbkreis e.V. /Erfolgreiche Arbeit geleistet
Immer mehr Wiesen an steilen oder buckeligen Hängen drohen zu versteppen und vom Wald überwuchert zu werden, weil die Bewirtschaftung für Landwirte nicht rentabel ist. Doch der Landschaftserhaltungsverband wirkt diesem Trend entgegen und sorgt dafür, dass das idyllische Bild der Ostalb erhalten bleibt. Von Gerold Bauer
OSTALBKREIS. Das Wort „Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis
e.V.“ klingt zunächst einmal sehr bürokratisch. Doch das Gegenteil ist der Fall, denn dieser Verband (in dem der Landkreis und Kommunen aus dem Ostalbkreis Mitglied sind) leistet praktische Arbeit, um genau das zu tun, was der etwas umständliche Name besagt — die abwechslungsreiche Landschaft mit Äcker, Wiesen, Wäldern und Feldgehölzen so zu erhalten, wie sie ist und als schön empfunden wird.
Was dies konkret heißt, wurde im Rahmen der diesjährigen Landschaftspflege-Exkursion vor Augen geführt. Das Interesse von Mitgliedern (darunter mehrere Bürgermeister aus dem Gmünder Raum) und den Behördenvertretern war groß, so dass die Gruppe gestern gleich mit zwei großen Reisebussen unterwegs war.
An den einzelnen Stationen erläuterte
LEV–Geschäftsführer Ralf Worm, wie mit teilweise unkonventionellen Schritten Flächen vor dem Brachliegen bewahrt werden. Beispielsweise in Leinzell, wo ein älteres Ehepaar sich jahrelang abmühte, ihre Buckelwiese neben der Straße Richtung Brainkofen in Ordnung zu halten. Doch irgendwann wurde es den Eigentümern zu viel, so dass zunächst über den
LEV versucht worden war, die Fläche durch von einem Landwirt mit Hilfe eines Spezialtraktors mähen zu lassen.
Da dieser Hang jedoch prädestiniert dafür ist, als Viehweide genutzt zu werden, wurde nach einem Schäfer gesucht — und auch gefunden. Allerdings erkrankte de Schafhalter schon bald darauf schwer, so dass eine neue Lösung gefunden werden musste. Eine junge Tierhalterin aus Täferrot konnte dafür gewonnen, ihre Schafe in Leinzell weiden zu lassen.
Begonnen hatte die Besichtigungsfahrt gestern in Mögglingen. Von dort aus hat sich die Gruppe als erstes unter dem Motto „Ökologisch neue Fluren“ mit einer Ressourcen-Analyse im Böbinger Flurneuordnungsgebiet befasst. Nach dem beschriebenen Aufenthalt in Leinzell ging die Fahrt weiter nach Schwäbisch Gmünd. Im Rotenbachtal schaute man sich eine Fläche an, auf der durch behutsame Bewirtschaftung sogar Orchideen wachsen. In ein „Quakendes Kleinod“ hat sich in den letzten Jahren eine ehemalige Sandgrube im Gschwender „Rosssumpf“ verwandelt; und in Frickenhofen wurde gezeigt, wie der Verband erfolgreich die Ausbreitung des so genannten Springkrauts eingedämmt hat.
1600 Hektar vertraglich gesicherte Landschaftspflegefläche, über
60 weitere Pflegeeinsätze sowie mehrere Gemeinden und Verbände, die ebenfalls Landschaftspflege betrieben haben — so lautete die Bilanz des Landschaftserhaltungsverbandes Ostalbkreis (
LEV) bei seiner kürzlich durchgeführten Mitgliederversammlung. Der Verband unter dem Vorsitz von Landrat Klaus Pavel habe in Zukunft weiterhin sehr viel zu tun, so Landeskonservator Reinhard Wolf vom Regierungspräsidium Stuttgart.
LEV–Geschäftsführer Ralf Worm erläuterte bei der Versammlung in seinem Geschäftsbericht die vielen Aktivitäten. Heidepflegemaßnahmen bei Aalen-Arlesberg, Essingen-Dauerwang oder Schwäbisch Gmünd-Degenfeld, Nasswiesenpflegemaßnahmen bei Lorch und anderswo, Heckenpflege, Baumpflege und Baumpflanzungen, Ackerwildkraut– und Artenschutzmaßnahmen sowie die Erzeugung von Hackschnitzeln, all das hat der Verband im vergangenen Geschäftsjahr umfangreich durchgeführt. Das gesamte Wirtschaftsvolumen lag denn auch bei fast einer Million Euro.
Ein besonderer Schwerpunkt war „ProSeKKO“. Hierunter verbirgt sich nicht etwa ein leichter Schaumwein, sondern das vom
LEV initiierte, landesweit in seiner Größe einzigartige Projekt zur Renaturierung der Sechta auf den Gemarkungen Kirchheim, Kerkingen und Oberdorf, welches bereits zu zwei Dritteln umgesetzt werden konnte. Auch die Öffentlichkeitsarbeit nahm einen ungewöhnlich großen Platz in der Arbeitsbilanz ein. So konnte Worm unter anderem die mit den Comboni-Missionaren zusammen erarbeiteten Informationstafeln zur Renaturierung des Sixenbachs präsentieren. Von Landrat Pavel neu in den
LEV–Vorstand und Fachbeirat berufen wurden die erste Landesbeamtin Gabriele Seefried, Naturschutz-Sachgebietsleiterin Marie-Louise Ilg und Landwirt Friedemann Zoller als Vertreter des Bauernverbandes.
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