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» Ostalbkreis | Freitag, 02. Juli 2010

Ausflug des katholischen Kirchenchores St. Blasius aus Spraitbach zu den Passionsspielen nach Oberammergau

Drei ereignisreiche Tage erlebten die Sängerinnen und Sänger des katholischen Kirchenchores St. Blasius Spraitbach, als sie zusammen mit Angehörigen und Freunden ihren Jahresausflug unternahmen. Höhepunkt der Reise waren die Passionsspiele in Oberammergau.

SPRAITBACH (pm). Frohgelaunt startete man mit dem Morgengebet von Walther von der Vogelweide und dem Lied „Danke“ diesen Ausflug. Doch je länger der Bus fuhr, um so schlechter wurde das Wetter. Nach einer kurzen Frühstückspause an der Raststätte Illertal erreichten die Ausflügler die Benediktinerabtei Ottobeuren. Im Museum wurde die berühmte Bibliothek und der wunderschöne Kaiser– und Theatersaal besonders bewundert. Gestärkt durch ein reichhaltiges Mittagessen ging es danach in die Basilika, die man aber erst betreten konnte, nachdem die Trauung eines Brautpaares beendet war. So wurden der Chor Zeuge eines Hochzeitszuges, angeführt von einer Blaskapelle, bestehend aus Musikern und Zimmerleuten in ihrer Tracht. Viel Wissenswertes über die Basilika und das Kloster berichtete anschließend die engagierte Führerin.
Das den zwei Heiligen Alexander von Rom und Theodor von Sitten geweihte Kloster wurde 764 von dem alemannischen Adligen Silach gegründet. Die spätbarocke Basilika, von 1737 bis 1766 durch Simpert Kraemer und Johann Michael Fischer neu gebaut, ist mit Stuckmarmorsäulen verziert, wobei ins Auge fällt, dass die kräftigen Farben dieses Marmors vom hinteren Teil der Kirche bis zum Altar vorne immer heller werden. Das romanische Kruzifix von 1220 konnten die Besucher leider nicht sehen, da es im letzten Jahr von einem Geistesgestörten beschädigt wurde und erst wieder restauriert werden muss.
Ein Stau am Fernpass brachte eine Verspätung, die Langeweile wurde mit Gesang vertrieben und so erreichten die Sängerinnen und Sänger ihr Übernachtungsquartier, das Kronenhotel in Seefeld. Nach dem Abendessen blieb noch Zeit für einen Spaziergang, allerdings schaute der Himmel ziemlich trübe drein und so zog man es vor, doch lieber wieder umzukehren und noch gemütlich an der Hotelbar zu sitzen und den Abend ausklingen zu lassen.
Nach ausgiebigem Frühstück am Sonntagmorgen ging es nach Ettal. Dort besuchte die Gruppe den Festgottesdienst um 11 Uhr. Die Mönche sangen eine lateinische Messe und es war wunderschön, dem gregorianischen Chorgesang zuzuhören und auch mitzusingen. Dies war eine gelungene Einstimmung auf diesen Tag. Im Bus ging es dann nach Oberammergau. Die Zeit bis zum Beginn des ersten Teils der Passionsspiele um 14.30 Uhr stand zur freien Verfügung und wurde zu einer Ortserkundung (leider wieder mit Regenguss) und zur Stärkung genutzt. Gespannt war man auf die Aufführung des Passionsspiels, das auf ein Gelübde aus dem Jahre 1633 zurückgeht. In Oberammergau wütete damals die Pest und viele Menschen starben. Wenn der Ort verschont würde, wollten die Menschen alle zehn Jahre das Leiden, Sterben und Auferstehn unseres Herrn Jesus Christus aufführen. Und Oberammergau blieb verschont. Die Spraitbacher sahen eine herrliche Aufführung, die auch neu inszenierte Teile enthielt und ergänzt wurde durch Neukompositionen. Dabei wurden die Oberammergauer auch von Vertretern jüdischer Organisationen beraten und reisten sogar eigens dafür nach Israel. Es ist schon eine Meisterleistung, die der Ort hier vollbringt, denn die Darsteller sind ausschliesslich ortsanssässige Laienschauspieler, die harte Kriterien erfüllen müssen, so zum Beispiel den Haar– und Bartwuchs seit Aschermittwoch 2009, was ein Plakataufruf des Bürgermeisters in der Speisegaststätte, die man in der Spielpause besuchte, bewies. Auch der Wirt dieser Gaststätte hatte im zweiten Teil einen Auftritt.
Das Passionsspiel ist in elf Akte unterteilt. Dabei wechseln gesprochene Einleitungen, dramatisches Spiel und lebende Bilder sich ab. Diese Bilder stellen einen typologischen Bezug zum Alten Testament her und werden durch Chorstücke mit Orchesterbegleitung untermalt. Die Musik stammt vom Oberammergauer Lehrer Rochus Dedler. Beeindruckend war vor allem der zweite Teil der Passionsspiele, der zum ersten Mal am Abend stattfand. Nach dieser großartigen Aufführung, die allen sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben wird, fuhren die Chormitglieder zurück ins Hotel.
Am Montag, nach dem Frühstück hieß es Abschied nehmen von Seefeld. Über Garmisch fuhr der Bus vorbei am Walchen– und Kochelsee nach Dießen. Nach dem Mittagessen im „Unterbräu“ wäre Gelegenheit gewesen das malerische Städtchen Dießen mit seiner Klosterkirche (auch gebaut von Johann Michael Fischer) zu besichtigen, aber das Wetter machte dem Kirchenchor wieder einen Strich durch die Rechnung.
Die Schifffahrt auf dem 16 Kilometer langen Ammersee von Dießen nach Ulling machte auch bei Regen Spaß, denn man hatte einen guten Reiseleiter, der viel von der Umgebung zu berichten wusste und auch flotte Sprüche drauf hatte. So verging die Zeit viel zu schnell und man musste wieder von Bord gehen und die Heimreise antreten.
Mit Gesang, vielen herrlichen Eindrücken und vor allem gesund erreichte die Gruppe wieder Spraitbach. Ein herzlicher Dank ging an alle Organisatoren für diesen einmaligen Ausflug, an den man sich noch lange erinnern wird.
 

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