Elternbeirat der Franz-von-Assisi-Schule Waldstetten bei einer Kurztagung in Obermarchtal
Die Kurztagung des Elternbeirats ist fester Bestandteil der Elternarbeit an der Franz-von-Assisi-Schule. Am vergangenen Wochenende traf man sich gemeinsam mit der Schulleitung an der Kirchlichen Akademie in Obermarchtal zum Thema AD(H)S und Schule.
WALDSTETTEN
(pm). Veronika Totzeck, Lehrerin und Integrative Lerntherapeutin, referierte in zwei thematischen Einheiten zum Thema AD(H)S. Dabei verstand sie es, schwungvoll und motivierend die Mitglieder des Elternbeirats mit einem Thema vertraut zu machen, das in der Öffentlichkeit häufig einer kontroversen Diskussion unterliegt. AD(H)S eine Modekrankheit?
Schülerinnen und Schüler mit AD(H)S erreichen oft nicht einen ihrer Intelligenz entsprechenden Schulabschluss. Das Familienleben ist häufig von Konflikten belastet, Mitschüler fühlen sich gestört und selbst engagierte Lehrerinnen und Lehrer kommen an ihre Grenzen, so dass schnell eine negative Spirale entstehen kann.
Die Fortbildung sollte Ursachen und Auswirkungen des Störungsbildes aufzeigen, wobei neben dem Medizinischen auch der Einfluss der Umwelt auf die Ausprägung des Störungsbildes gezeigt wurde. Nach einer kurzen Erklärung der medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten standen verhaltenstherapeutische Maßnahmen im Vordergrund, wobei der Schwerpunkt auf den familiären Bereich gelegt wurde. Auch die Möglichkeiten der Schule, Kinder und Jugendliche mit AD(H)S zu unterstützen, wurde angesprochen. Rektor Stefan Willbold betonte, dass die Thematik im kommenden Schuljahr nochmals im Rahmen der Elternforen aufgegriffen würde. Auch ein mehrteiliger Kurs für betroffene Eltern an der Schule sei denkbar.
Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung tritt entweder mit Hyperaktivität oder ohne auf, hierbei wird vom hypoaktiven Kind gesprochen. Jedoch zeigen auch diese „Träumer“ Anzeichen von Hyperaktivität, indem sie beispielsweise auf einem Blatt kritzeln, ständig die Haare zwirbeln oder mit einem Stift spielen. Organische Ursachen dieses Störungsbildes sind ausgeschlossen, jedoch sind die eigentlichen Ursachen nicht eindeutig geklärt.
Eine hektische und unstrukturierte Umwelt, extreme Frühgeburten und eine genetische Disposition gehören zu den verstärkenden Faktoren. AD(H)S wird also nicht durch falsche Erziehung ausgelöst, jedoch kann diese verstärkend wirken. Eine zu geringe Menge an Dopamin im synaptischen Spalt hemmt die Informationsübertragung im Gehirn. Das fehlende Vermögen, Reize zu filtern, und die Tatsache, dass die Kinder Emotionen falsch bewerten, erschweren Leben und Lernen im schulischen Umfeld.
Veronika Totzeck, selbst Elternbeirätin an der Franz-von-Assisi-Schule, betonte ein multimodales Konzept: Verhaltenstherapie und medikamentöse Behandlung, da wo sie notwendig erscheint. Es sei hier wichtig, zwischen dem Verhalten und der Person des Kindes zu trennen. Ein liebevolles Elternhaus und klare Regeln seien hier von Bedeutung. Anschließend gab die Referentin Empfehlungen für den Familien– und Schulalltag, die auch für nicht betroffene Kinder und Jugendliche von Bedeutung sind: Eine verlässliche Tagesstruktur, fairer Umgangston, Gesprächsangebote und Rückzugsmöglichkeiten sowie einen altersgerechten Freiraum.
Hilfreiche Tipps zur Hausaufgabenpraxis und dem Lernen von Vokabeln rundeten den Vortrag ab. Wesentlich sei auch der Umgang mit Internet, Computer und
Co. 1,
5 Stunden Zeit am Fernseher und
PC zusammen sei die angemessene Zeit ab der
7. Klasse. Zwischen Lernzeit und Computerspiel müsse mindestens eine Stunde Differenz liegen, damit sich die gelernten Inhalte im Langzeitgedächtnis verankern könnten.
Wie gut ein Kind mit AD(H)S zurecht komme, sei von der Summe der positiven Faktoren in seiner Umgebung abhängig, sehr viel weniger von der Schwere des Störungsbildes. Kindererziehung sei, so ein chinesisches Sprichwort, Liebe, Liebe, Liebe und Vorbild, Vorbild, Vorbild.
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