Martinusschule zieht mit vier Klassen nach den großen Ferien in die Stauferschule ein
Manchmal hat eine Stadt auch Glück: Durch den Teilumzug der Martinusschule in ohnehin leer stehende Räume der Stauferschule in der Weststadt liegen dann keine Raumkapazitäten mehr brach und ein gemeinsamer Schulbesuch von Kindern mit und ohne Behinderung wird möglich gemacht. Von Gerold Bauer
SCHWÄBISCH GMÜND. Vor dem Hintergrund der UN-Konvention aus dem Jahr
2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen hegt die Martinusschule seit längerer Zeit die Überlegungen, zumindest einen Teil der Schule (bislang angesiedelt auf dem Areal der Stiftung Haus Lindenhof) in einer allgemeinbildenden Schule in möglichst zentraler Lage in Schwäbisch Gmünd einzurichten. Damit würde sich die Martinusschule auf drei „Standorte“ verteilen — zum einen weiterhin im Haus Lindenhof in Bettringen sowie in verschiedenen Außenklassen und an der Stauferschule.
„Behinderte Menschen gehören nicht an den Rand, sondern mitten in unsere Gesellschaft“, kommentierte Bürgermeister
Dr. Joachim Bläse in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch dieses Ansinnen der Schule und fügte hinzu: „Das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten soll Standard werden!“.
Mithin habe ein zentrumsnaher Schulstandort auch Symbolkraft, so Bläse. Weil es mit ein paar Eimern Farbe allerdings nicht getan sei, wenn man die Schule behindertengerecht einrichten wolle, bat der Bürgermeister den Gemeinderat darum, im Rahmen einer außerplanmäßigen Ausgabe die entsprechenden Mittel für den Umbau zur Verfügung zu stellen. Von den Umbaukosten, die sich auf knapp
60 000 Euro summieren, wird die Martinusschule selbst
16 000 Euro übernehmen; den Rest müsste die Stadt Gmünd aufbringen. Die Martinusschule ist ursprünglich als jeweils zweizügige Grund– und Hauptschule konzipiert und entsprechend gebaut worden. Aufgrund der rückläufigen Kinderzahlen sowie immer mehr sinkenden Übergangsquoten auf Hauptschulen werden die Klassenstufen
5 bis
9 nur noch einzügig geführt. Diese Entwicklung wird sich durch die Schaffung der neuen Schulart „Werkrealschule“ noch verschärfen, denn die Stauferschule bleibt eine reine Hauptschule, und auch im Grundschulbereich geht der Trend in Richtung Einzügigkeit. Dementsprechend sind momentan fünf Klassenzimmer nicht belegt. Gleichzeitig ist die Stauferschule die einzige Hauptschule im Kernstadtbereich, deren Räume bereits weitgehend barrierefrei zugänglich sind. Deshalb ist sie bestens geeignet, um dort vier Klassen der Martinusschule sowie einen „Speiseraum“ zu beherbergen. Schon zu Beginn des kommenden Schuljahres
2010/
2011 soll dies realisiert sein.
Im Namen der
CDU–Fraktion betonte Christa Rösch, dass behinderte Kinder ein Recht darauf haben, eine Regelschule zu besuchen; leider hinke das Land Baden-Württemberg diesbezüglich noch hinterher. Es sei ein Glücksfall, dass nun in der Stauferschule geeignete Räume frei seien, und für alle Beteiligten bringe der Einzug der Martinusschule dort einen Mehrwert. Daniela Maschka Dengler (
SPD) wünscht sich eine lebendige Kooperation und dass sie „gelingen möge“. Auch die Grünen zeigten sich „voll überzeugt von den Argumenten“ (Karl-Andreas Tickert). Hier lohne es sich, Geld auszugeben. Und Konrad Widmann (Freie Wähler/FDP) findet: „Die bauliche Zusammenführung zweier Schulen hat für uns Symbolcharakter.“ Theorie sei aber das eine, Praxis das andere; „es muss sich im alltäglichen Umgang niederschlagen“.
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