Die neue DRK-Rettungswache in Heubach sorgt für kürzere Anfahrtszeiten in medizinischen Notfällen /Gestern eingeweiht
Wenn Menschen bei Unfällen schwer verletzt werden, einen Herzstillstand erleiden oder einen Schlaganfall bekommen, entscheiden wenige Minuten darüber, ob der Betroffene überlebt und vielleicht sogar wieder weitgehend geheilt werden kann. Die gestern eingeweihte Rettungswache in Heubach verkürzt die Hilfsfrist. Von Gerold Bauer
HEUBACH. Vier Jahre nach Stationierung eines hauptamtlich besetzten Rettungswagens im Rosensteingebiet wurde gestern eine neue Rettungswache in Heubach eingeweiht, die sogar doppelt besetzt ist. Unter der Woche stellen auf diese Weise gleich zwei in Heubach stationierte Rettungswagen inklusive qualifizierter Besatzung sicher, dass im Raum Rosenstein bei Notfällen keine langen Anfahrtszeiten in Kauf genommen werden müssen.
Die hohe Auslastung des bisher in Heubach stationierten Rettungswagens, der zusätzlich für Krankentransporte eingesetzt wird, brachte es mit sich, dass das Fahrzeug bei Notfällen im Rosensteingebiet nicht immer verfügbar war und Fahrzeuge der benachbarten Rettungswachen die Einsätze übernehmen mussten. Die geographische Lage ließ jedoch nicht in all diesen Fällen ein Eintreffen innerhalb von
15 Minuten — also in der gesetzlichen geforderten Hilfsfrist – an der Notfallstelle zu. Dieses Manko wurde nun behoben — und entsprechend froh waren alle Beteiligten über die neue Rettungswache.
„Heute ist ein guter Tag für die Menschen im Raum Rosenstein“, sagte
DRK–Kreisvorsitzender
Prof. Dr. Reinhard Kuhnert gestern bei der Einweihungsfeier im Beisein vieler geladener Gäste. „Man hört, dass wir hier gebraucht werden“, kommentierte er, als während der Feier ein Fahrzeug mit Sondersignal vorbeifuhr. Dass diese Rettungswache in Heubach so schnell realisiert werden konnte (die Bauzeit betrug weniger als ein Jahr), sei nur dem guten Zusammenwirken aller Beteiligten zu verdanken, sagte Kuhnert.
DRK–Kreisgeschäftsführer Bruno Bieser bedankte sich nicht zuletzt bei Bürgermeister Klaus Maier, der mit dem Verweis auf die zu langen Anfahrtszeiten im Raum Heubach das ganze Projekt ins Rollen gebracht hatte. Ursprünglich, so Bieser, sei ja geplant gewesen, die neue Rettungswache neben dem Mehrgenerationenhaus in Heubach anzusiedeln, doch heute sei man froh, dass es aufgrund berechtigter Nachbarschafts-Einwände anders gekommen sei. Und wieder sei es Klaus Maier gewesen, der das Projekt voran gebracht habe — dieses Mal durch Bereitstellung eines Grundstücks. Bieser machte darauf aufmerksam, dass angesichts der Zwölf-Stunden-Schichten des Rettungsdienstes die Aufenthalts– und Ruheräume etwas großzügiger gestaltet seien, als dies dem gesetzlichen Minimum entspreche. Dankesworte adressierte er nicht zuletzt an das Land, denn von den
421 000 Euro Baukosten trage das Land
240 000 Euro. Mit
170 000 Euro sei der
DRK–Kreisverband an den Kosten beteiligt und
11 000 Euro wurden mit Hilfe von Spenden aufgebracht.
Heubachs Schultes Klaus Maier erinnerte daran, dass ihn Bruno Bieser seinerzeit dafür sensibilisiert habe, wie entscheidend bei vielen Notfällen eine schnelle Hilfe innerhalb nur weniger Minuten sei. Die neue Rettungswache werde deshalb sehr von der Bevölkerung in den Rosenstein-Gemeinden begrüßt — und deren Lage mit baldiger Anbindung an die neue Nordumgehung biete den Vorteil, dass es im Normalfall nicht erforderlich sei, schon an der Rettungswache das Martinshorn einzuschalten. Und dies bedeute, dass die Nachbarn nicht häufig gestört werden.
Staatssekretär
Dr. Stefan Scheffold (
MdL) würdigte in seinem Grußwort die wertvolle Arbeit des
DRK in vielen Bereichen. Deshalb gewähre das Land im Rahmen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit dem
DRK auch großzügig finanzielle Unterstützung.
Dr. Eberhard Schwerdtner, Vize-Präsident des
DRK–Landesverbands, unterstrich, dass der Rettungsdienst in Baden-Württemberg sehr gut und wirtschaftlich arbeite. Er sei einer Meinung mit Sozialministerin Monika Stolz, dass sich eine schnelle medizinische Hilfe in Notfällen nicht auf Ballungsgebiete beschränken dürfe, sondern auch für Menschen im ländlichen Raum gewährleistet sein müsse. Schwerdtner würdigte es ausdrücklich, dass sich drei niedergelassene Ärzte im Einzugsgebiet der neuen Rettungswache auch als Notärzte zur Verfügung stellen. Dies sei nicht selbstverständlich, aber sehr hilfreich.
AOK–Regionalgeschäftsführer Jörg Hempel machte als Vorsitzender des Rettungsdienst-Bereichsausschusses darauf aufmerksam, dass eine schnelle und kompetente Hilfe in Notfällen auch im Sinne der Kostenträger, sprich der Krankenkassen sei. „Je besser die Qualität am Anfang der Behandlungskette, desto besser sind die Chancen, dass ein Patient kein Dauerpflegefall sondern wieder gesund wird!“ Und davon profitieren laut Hempel letztlich ja wieder alle Beitragszahler. Der Redner warnte vehement davor, bei Kostendiskussionen die Zahlen von früher mit heute zu vergleichen. Der medizinische Fortschritt bedeute, dass man heute helfen könne, wo man früher nichts mehr machen konnte — und dies habe eben auch seinen Preis. „Diese medizinische Qualität darf man nicht politischem Aktionismus opfern!“, stellte Hempel klar.
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