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» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 25. Juli 2010

Thomas K. Peter nach dem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff auf sensibler Mission bei Kunduz in Afghanistan

Es war die bislang heikelste Mission für den 78-​jährigen Regierungsbaumeister i.R. Thomas K. Peter. Im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland besuchte er bei Kunduz in Afghanistan jene Familien und Dorfältesten, die Zeugen und Leidtragende der Tragödie des Luftangriffs am Kunduz-​River geworden waren. Wohlbehalten und mit neuen Sichtweisen zum Bundeswehr-​Einsatz ist Thomas K. Peter nach Schwäbisch Gmünd heimgekehrt.

Den Gmündern ist Regierungsbaumeister Thomas K. Peter wohlbekannt. Als Straßen– und Brückenbauingenieur bereiste er zeitlebens die Welt, kennt besonders Land, Sprache und Mentalität der Menschen im Orient. Daheim setzte er sich beispielsweise für sicherheitstechnische Korrekturen am B-​29-​Tunnel ein, warb ursprünglich auch für schnellere und günstigere Alternativen für den B29-​Ausbau, welche nicht so extreme Breschen ins Stadtbild geschlagen hätten wie die letztendlich realisierten Schacht-​, Trog– und Rampenlösung. Ein Experte, der sich im ruhigen Ton einmischt. Eigentlich längst im wohlverdienten Ruhestand, klingelt bei ihm immer wieder das Telefon. Speziell die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die sich als verlängerter Arm der Bundesregierung für Entwicklungs– und Wiederaufbauprojekte engagiert, greift immer wieder gerne auf die Fach– und Ortskenntnis, vor allem auf das diplomatische Geschick ihres Mitarbeiters zu zurück, wenn es besonders heikle Missionen zu meistern gilt. Zum zweiten Mal wurde Thomas K. Peter nun gebeten, Verkehrsprojekte im Rahmen der Wiederaufbauhilfe in Afghanistan zu begutachten und vor Ort bei den Dorfältesten und Baufirmen für Vertrauen und Zusammenarbeit zu werben. Diesmal führte ihn die Mission direkt an jenen Ort einige Kilometer südlich von Kunduz, wo sich im vergangenen Jahr jene furchtbare Tragödie abspielte, als die Bundeswehr einen Luftangriff auf zwei Tanklastzüge anforderte, die sich in einer Furt im Kunduz-​River festgefahren hatten. Bereits 2007 weilte Thomas K. Peter exakt dort. Er plante seinerzeit Straßenverbindungen und einen Brückenbau, um die Provinzen bei Kunduz und Masar-​e Sharif entlang der historischen Seidenstraße besser miteinander zu verknüpfen. Ein Vorteil nicht nur für den Handel, sondern auch für eine bessere Verbindung zwischen den Bundeswehr-​Standorten.
Eine nun tragische These, die Thomas K. Peter mit heimbrachte: Wäre die schon damals von ihm vorgeschlagene Brücke über den Kunduz-​River gebaut worden, hätten die Tanklaster vermutlich diesen Weg genommen, wären also nicht steckengeblieben – und viele unbeteiligte Zivilisten wären möglicherweise noch am Leben. Allen Schilderungen nach, die er in den betroffenen Dörfern hörte, verstärken jene Informationen, das in jener verhängnisvollen Nacht nicht nur Taliban-​Kämpfer an den zuvor entführten Tanklastwagen standen, sondern aus allen Himmelsrichtungen die bettelarmen Leute – ohne Zwang – zum Fluss geeilt waren, weil es sich herumgesprochen hatte, dass sie dort zum Nulltarif Benzin und Diesel abzapfen durften. Es gibt in der Nähe zwar eine Brücke, doch sie ist kaum tragfähig, weil teils durch Bomben noch aus russischer Besatzungszeit beschädigt. Für vier Millionen Euro will nun Deutschland einen Neubau vorantreiben. Thomas K. Peter koordinierte und begutachtete nun die Maßnahme. Fast nicht zu glauben: Er verzichtete völlig auf Begleitschutz durch die Bundeswehr, ließ sich nicht mal bei den Sicherheitsbehörden registrieren. „Ich habe mich so viel sicherer gefühlt“, beschreibt er die Wahrnehmung, dass besonders nach jenem Bombenangriff am Kunduz-​River, der etwa 100 Todesopfer und viele Schwerverletzte gefordert hatte, auch die Bundeswehr mehr als Besatzungsmacht und nicht mehr als Schutz– und Aufbautruppe betrachtet wird. Die Afghanen seien gleichermaßen gastfreundliche und stolze Leute. Was besonders die unsensiblen Amerikaner an Fehlentwicklungen verschuldet hätten, sei nun auch auf die Bundeswehr übergesprungen. Seiner Einschätzung nach befinden sich nun die deutschen Soldaten in einem Teufelskreis. Die militärische Mission gehöre abgebrochen. Er habe sich dagegen als Zivilist absolut sicher gefühlt, habe Freundlichkeit und Gesprächsbereitschaft erfahren. Ob der Brückenneubau nach der Tragödie auch als Zeichen der Wiedergutmachung gelinge, das sei nur zu hoffen. Einen Krieg gegen die Taliban zu gewinnen, werde jedoch der US-​Armee und der Bundeswehr ebenso wenig gelingen wie einst der mächtigen Sowjetarmee. Ein Fehler sei es, die Taliban nur als Terroristen zu jagen. Denn auch sie seien Teil dieses Landes und müssten als Gesprächspartner betrachtet werden. hs
 

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