Gospelmesse wurde gestern in der Augustinuskirche zu einem berührenden musikalischen Erlebnis
Zu einem Gottesdienst, der im Rahmen des Festivals Europäischer Kirchenmusik ganz besonders von der Musik geprägt war, riefen am Sonntagmorgen die Glocken in die evangelische Augustinuskirche.
SCHWÄBISCH GMÜND (kos). Aufgeführt wurde dort in Auszügen die Gospelmesse „Mass of Joy“, für Soli, Chor und Instrumentalensemble des weitbekannten
1958 geborenen Komponisten evangelischer Kirchenmusik Ralf Grössler, der
1958 nach dem Abitur evangelische Kirchenmusik in München studierte und sich seither auch intensiv mit George Gershwins beschäftigte. Dabei war er fasziniert von der Möglichkeit der Verbindung populärer Musikelemente mit klassischen Formen. Gleichzeitig fing er an, sich mit der Gospelmusik auseinanderzusetzen und schrieb erste Werke für Chor und Orchester. Besonders sind es die Kinder und Jugendlichen, die ihn zum Komponieren anregen, so sagt der Komponist es selbst, und so vereinte und dirigierte passend zum Thema „Jung und Alt“ beim diesjährigen Festival Europäische Kirchenmusik Thomas Benz bei der „Mass of Joy“ in der Augustinuskirche junge und ältere Sänger und Musiker wie die Cappella-Chöre der Augustinuskirche, den Motettenchor Schwäbisch Gmünd, den Schüler-Eltern-Lehrer-Chor des Rosenstein-Gymnasiums Heubach sowie die Instrumentalisten. Als Kirchenmusiker und Komponist ist Grössler ungemein produktiv und vielseitig, und es entstand eine Vielzahl von Werken und auch die
1998 entstandene „Mass of Joy“. Als seine heutigen Schwerpunkte bezeichnet er die Gospelmusik, aber auch den gesamten Kinder– und Kleinkinderchorbereich, mit Liedern, gesungenen Geschichten und Singspielen.
In der „Mass of Joy“ setzt er Stilelemente der Gregorianik, die barocke Fuge genau so ein wie Swingmusik-Elemente, den Blues und Gospel-Songs, um daraus eine nuancenreiche farbenfrohe Palette moderner rhythmisch geprägter Kirchenmusik zu machen, die berührt und nicht ohne Eindruck auf jung und alt bleibt. Damit und hierbei gewiss mit der Mass of Joy“ kommt er einer immer wieder gehörten Forderung nach, den Gottesdienste auch durch neue Musik eine neue Lebendigkeit zu verleihen. Er selbst formuliert das so: „Diese Form von Lebendigkeit hat unsere Kirche und somit unsere Kirchenmusik sehr nötig und sie erfüllt alle Beteiligten mit innerer Genugtuung und Freude.“ Und im Swing– und Gospelstil sieht er die in unserem europäischen Kulturkreis weitgehend fehlende Möglichkeit, den Körper im Einklang mit der Musik in Schwingung und direkte Bewegung zu versetzen.
Dem Dirigenten Thomas Benz gebührt das Verdienst, dass die „Mass of Joy“ auch in Gmünd zu einem kirchenmusikalischen aussagekräftigen Glanzpunkt wurde. Überraschend vielseitig war die Ausdruckskraft der Komposition, die den Beteiligten sicherlich intensives Proben abverlangt hatte, so dass bei der Aufführung das Zusammenwirken der Chöre und Instrumentalisten bei der Bildung großer Klangbilder beeindruckend war. Auch die zahlreichen gesanglichen und instrumentalen Soli gaben dem Werk eine besondere prägende Note. Das gilt sicherlich für jene Passagen besonders deutlich, in denen barocke Elemente der Musik und die des Jazz zu einer wohlklingenden Einheit wurden.
Berücksichtigen muss man allerdings, dass es wohl noch dauern wird, bis auch in einer „deutschen“ Gospelmesse die dichte Intensität des Ausdrucks die Zuhörer dazu verleitet, von passiv Lauschenden zu spontan mitgehenden Akteuren zu werden, wie man es bei „schwarzen“ Gospelmessen kennt. Dafür war der Beifall am Schluss jedoch sehr groß.
Die Predigt in der Gospelmesse hielten Pfarrerin Viola Schrenk und Pfarrer Matthias Plocher gemeinsam über das vierte Gebot, wobei sie mit der Erkenntnis, dass dieses Gebot alle angeht und gegenseitiger Respekt und Dankbarkeit und Geduld wichtig wären, und so das vierte Gebot auch zum Dialog zwischen den Generationen aufrufe, sicherlich den in Musik gesetzten Gedanken der Mass of Joy nahe kamen.
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