Pfarrer Siegfried Jahn und seine Familie mit vielen guten Worten und großem Bedauern in Gschwend verabschiedet
Die evangelische Kirchengemeinde Gschwend verabschiedete am Samstagabend mit einem Festakt in der alten Halle Pfarrer Siegfried Jahn. Acht Jahre lang hatte er als außergewöhnliche Pfarrerpersönlichkeit in Gschwend gewirkt. Von Dorothee Wörner
GSCHWEND. Eigentlich, so war den vielen liebevoll gestalteten Beiträgen zu entnehmen, ist Siegfried Jahn gemeinsam mit seiner Familie sowohl aus dem kirchlichen als auch aus dem bürgerlichen Leben der Gemeinde und als „Chef“ des Kindergartens Brunnengässle nicht mehr wegzudenken. „Er hat einen Handstand gemacht, beim Einschulungsgottesdienst“, erzählte eine Mutter in einer Videovorführung, in der Jugendliche um Daniel Wahl mit verschiedenen Gschwendern ein Interview über Pfarrer Jahn geführt haben. Dieser Handstand habe die Kinder schwer beeindruckt und sie selbst sei begeistert über den Witz und den Elan, mit dem der Pfarrer sein Amt ausgeübt habe, so die junge Frau.
Bürgermeisterin Rosalinde Kottmann und ihr Rathausteam nahmen diese positive Grundhaltung des Pfarrers, der „ganz bei den Menschen war“, auf und inszenierten einen gelungenen Sketch, in dem sie humorvoll die kleineren und größeren Zwischenfälle während seiner Amtszeit Revue passieren ließen. Vom Fallschirmsprung zur Schlüsselübergabe bei der Halleneinweihung bis hin zu einem Schlag, den der begeisterte Skifahrer Jahn vom Bügel des Schlepplifts am Gschwender Skihang abbekommen hatte.
Die Geschwender Sport treibenden Vereine stellten die Sportlichkeit von Siegfried Jahn in den Mittelpunkt, der Dirigent des Musikvereins hob seine Musikalität als Bassist hervor, das vertraute Du bei den Ansprachen und die liebevoll gewählten Worte zeigten, dass hier viele Freundschaften geschlossen worden sind.
Das bestätigte auch Eberhard Zimmer, der im Namen des Kirchengemeinderats die Besucher begrüßte, welche die Halle bis auf den letzten Platz füllten. Er wandte sich an Pfarrer Jahn, seine Frau Dagmar und die vier Töchter; dabei wandelte er das Motto des
250-jährigen Kirchenjubiläums „Kirche, mitten im Dorf — mitten im Leben“ um und meinte, dass die Gemeinde ihre Pfarrersfamilie selbst immer „mittendrin“ erlebt habe.
Von kirchlicher Seite grüßte der Gaildorfer Dekan
Dr. Reinhard Uhlmann für den Kirchenbezirk, er freue sich auf Pfarrer Jahn als Dekanskollegen im Dekanat Blaufelden, seinem neuen Amt, das er im September dieses Jahres antreten wird. Er bezeichnete ihn als streitbaren Wegbegleiter, der sich sehr für den Erhalt der Kirche im ländlichen Raum eingesetzt habe.
Bewundert habe er seine bodenständige geistliche Logik, mit der er in Diskussionen immer vorwärts argumentiert habe. Er dankte auch Dagmar Jahn, welche die Arbeit ihres Mannes mit Verständnis, Charme und Fürsorge unterstützt habe. Als Pfarrersfrau habe sie sich in vielen Bereichen eingebracht, beispielsweise beim Frauenkreis und beim Kirchenchor, der unter Leitung von Heinrich Schüle ebenfalls einen Auftritt hatte. Beiden sei es gelungen Gemeindemitglieder für Aufgaben in der Kirche zu gewinnen und zu begleiten.
Eine Gartenbank als Dank für die gute Zusammenarbeit schenkten die Nachbargemeinden aus Frickenhofen, Hellershof und Kirchenkirnberg, wohl wissend, so meinte Pfarrer Stadler aus Kirchenkirnberg, dass er in seiner lebendigen Art wohl wenig darauf sitzen werde. „Doch, doch, sie sollten sich ab und zu darauf ausruhen“, meinte Schulleiter Wetzel von der Heinrich-Prescher-Schule und dankte für die Gesprächsbereitschaft in ruhigen, wie in turbulenten Zeiten.
Grüße für den „Glaubensbruder“ kamen auch von der Altpietistischen Gemeinschaft und ein Dank für die gemeinsame Arbeit in der Ökumene, so beim ökumenischen Gottesdienst beim Badseefest und bei der Einbringung des Garbenwagens überbrachte H. Obele von der katholischen Kirchengemeinde.
„Lieber Siggi, der ist für dich!“ – die Jugendlichen der Gemeinde hatten ihrem Pfarrer einen Kuchen gebacken und er lud sie sofort zum gemeinsamen Frühstück ein: „Wenn ihr wollt“. Sie bedankten sich mit einer tollen Choreographie zum Rap-Song „I gotta feelin“ dafür, dass sie sich bei allen Problemen immer auf ihn verlassen konnten.
Die Konfirmandengruppe hatte die Bewirtung übernommen, die kleine Mädchenjungschar grüßte mit Liedern und die Gemeinde sang begleitet vom Posaunenchor unter Leitung von Roland Hinderer, bei dem Pfarrer Jahn selbst den Bass spielt, „Lobet den Herren“ und „Nun danket alle Gott“. Ein weiterer musikalischer Genuss war es, den Gschwender Musikverein unter Leitung von Frieder Geiger zu hören, der Pfarrer Jahn mit einem Auszug aus Vivaldis „Vierjahreszeiten“ und mit Volksliedern verabschiedete. Eva Daiß vom Literaturkreis Bilderhaus drückte die große Wertschätzung für Pfarrer Jahn aus und sprach mit ihrem Abschiedsgruß „Wir lassen sie nicht gerne gehen!“ wohl allen Anwesenden und der ganzen Gemeinde aus der Seele.
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