Zum Schuljahrwechsel Abschied und viele Änderungen im Lehrerpersonal des Gmünder Gymnasiums
st das Parler mit seinem Latein am Ende? So könnte man sich auf den ersten Blick fragen. Denn mit Annemarie Sattler (Latein, Französisch), Elisabeth Ziegler (Latein, Französisch) und Hans Georg Böck (Latein, kath. Religion) gehen gleich drei Lehrkräfte in den Ruhestand, die lange Zeit den Lateinunterricht am Parler geprägt haben — fachlich und menschlich.
SCHWÄBISCH GMÜND. In dieser Zeit wurde Latein auch als erste Fremdsprache ab Klasse
5 unterrichtet und sie haben viele Schülerinnen und Schüler bis zur Meisterklasse — dem großen Latinum — begleitet. Mit ihrem Engagement für den Unterricht, die Schule sowie die Schülerinnen und Schüler haben sich Sattler, Ziegler und Böck mit den Worten von Horaz ein Denkmal errichtet, das dauerhafter ist als Erz. Dies gilt gleichermaßen für Margit Nill (Englisch, Deutsch), die ebenfalls in den Ruhestand geht.
Nach ihrem Referendariat in Kirchheim kam Annemarie Sattler im September
1971 ans Parler-Gymnasium, das damals noch eine Jungenschule war. Nur vereinzelt fanden sich unter den Schülern auch Mädchen, jene nämlich, die den altsprachlichen Zug gewählt hatten.
Studiert hatte sie die Fächer Latein und Französisch, daher war es für die junge Lehrerin eine besondere pädagogische Herausforderung, die insgesamt zwölf Mädchen von Klasse
5 –
13 in Sport zu unterrichten. Aufgrund des Lehrermangels kam Mathematik hinzu, wofür sie eine Zusatzqualifikation erworben hatte. Für einige Jahre ließ sich Annemarie Sattler aus familiären Gründen beurlauben, um dann
1986 wieder ans Parler zurückzukehren. Während dieser Familienzeit nutzte sie einen fünfjährigen Auslandsaufenthalt in Brüssel, um am dortigen Goethe-Institut Deutschkurse zu geben.
In ihrem Beruf schätzte die vielseitig interessierte Pädagogin besonders die Bandbreite der Altersgruppe, d. h. die völlig unterschiedlichen erzieherischen und methodischen Herausforderungen bei Kindern in Klasse
5 bis zu den jungen Erwachsenen in der Oberstufe. Von der Notwendigkeit verbesserter rhetorischer Schulung für Schüler überzeugt, leitete sie eine Rhetorik-AG, und begeistert von „Jugend debattiert“ bereitete sie seit
2002 Schülerinnen und Schüler auf die einzelnen Stufen des Wettbewerbs vor — mit schönen Erfolgen bis hin zum Landeswettbewerb in Baden-Württemberg.
Als Personalrätin engagierte sie sich für das Kollegium und als erste Frauenvertreterin des Parler-Gymnasiums besonders für ihre Kolleginnen. Elisabeth Ziegler studierte Latein und Romanistik (Französisch und Spanisch) in Tübingen und brachte reiche Auslandserfahrung (Aix-en-Provence und Salamanca und Oaxaca /Mexico) mit, als sie
1981 am Parler-Gymnasium ihren Dienst antrat. Auch sie engagierte sich als Mitglied des Örtlichen Personalrats für das Kollegium, gemeinsam mit anderen frankophilen Kollegen baute sie den Schüleraustausch mit der französischen Partnerschule in Poitiers aus.
Die Philologin unterrichtete gerne auf allen Stufen, vorwiegend jedoch auf der Oberstufe. Dadurch führte sie regelmäßig Studienfahrten nach Rom oder in die Provence, wo die Zusammenhänge französischer und römischer Geschichte und Kultur am deutlichsten spürbar werden. Aber auch als Klassenlehrerin in der
7. Klasse trug sie für zahlreiche Schullandheim-Aufenthalte die Verantwortung.
Margit Nill kam nach ersten Unterrichtserfahrungen in Stuttgart und Sindelfingen und neunjähriger Kinderpause zum Schuljahr
1986/
87 mit den Fächern Englisch und Sport ans Parler-Gymnasium. Unterrichtsschwerpunkt war für Frau Nill zunächst Sport, seit Einführung des bilingualen Zuges am PG unterrichtete sie — im Wechsel mit H. Heil — zunehmend die bilingualen Klassen
5 und
6, die in der Anfangsphase dieses Zuges eine besondere Herausforderung darstellten.
Damit verbunden war über viele Jahre hinweg die Tätigkeit als Klassenlehrerin. Dabei war es für Margit Nill „schön zu sehen, wie schnell sich die Schüler ans Parler gewöhnten, sich wohlfühlten und mit ihren Aufgaben wuchsen“.
Nach dem Studium der katholischen Theologie und Latein in Freiburg unterrichtete Hans-Georg Böck fast zwei Jahrzehnte am Rechberg-Gymnasium in Donzdorf, bevor er
1993 ans Parler-Gymnasium kam. Aufgrund seiner fachlichen Kompetenzen war er über viele Jahre Fachbetreuer in Latein und Religion. In der Oberstufe unterrichtete er immer Religion, in den letzten Jahren zunehmend auch Latein. Studienfahrten der Latein– und Französischkurse führten ihn gerne nach Südfrankreich, zu den Stätten der römischen und französischen Geschichte und Kultur. Über zwölf Jahre lang war „Hajo“Böck Oberstufenberater, organisierte also für die Abiturienten das Kurssystem. In den letzten Jahren war er zusätzlich als Rektoratsassistent mit schulorganisatorischen Fragen betraut.
Neben den Pensionären verlassen F. Gromann (Gemeinschaftskunde), F. Herzer (Deutsch, Bio) und F. Weber (Mathe, Bio) das PG. Sie werden im Realschulbereich tätig sein. Auch H. Weber (Pfarrvikar) wird Schwäbisch Gmünd verlassen und eine Gemeinde betreuen. F. Schmid (Englisch, Deutsch) und F. Vogel (Deutsch, Französisch) werden zumindest vorübergehend nicht mehr am PG unterrichten, ebenso wie F. Nagel (Französisch). Auf der anderen Seite wird Schulleiter Olav Stumme viele neue Kolleginnen und Kollegen begrüßen dürfen: F. Groß (Englisch, Franz. Span.), F. Gruhle (kath. Religion, Deutsch, Latein), H. Jochum (Philosophie, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Deutsch), F. Kreutzer, (Sport Deutsch) und H. Rossak (Bio, Sport, Erdkunde). Außerdem bleibt nach bestandenem Referendariat F. Urso (Italienisch, Englisch, Französisch) am Parler, und die beiden Referendarinnen F. Barck (Latein, Geschichte, Italienisch) und F. Rohde (Deutsch, Englisch) werden eigenständig unterrichten.
Damit kann Olav Stumme die Eingangsfrage eindeutig beantworten: „Das Parler ist mit seinem Latein nicht am Ende; das traditionsreiche Gymnasium steht mit dem Bau der Mensa im kommenden Schuljahr viel eher vor einem neuen Anfang, vor einer schönen pädagogischen wie organisatorischen Herausforderung.“
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