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» Ostalbkreis | Dienstag, 27. Juli 2010

Die Grundschule in Täferrot nahm im Rahmen einer großen Feier Abschied vom beliebten und engagierten Rektor Eberhard Junker

Er ist bekannt als ein Mann der leisen Töne — aber dies gilt nur für Worte. Denn wenn es um Musik geht, hat Eberhard Junker in Täferrot nun 23 Jahre lang dafür gesorgt, dass die Schüler kräftig auf die Pauke hauen konnten. Auch sonst hat der beliebte Pädagoge weit mehr vermittelt, als im Lehrplan steht — zum Beispiel Spiel– und Lebensfreude. Nun tritt er in den Ruhestand. Von Gerold Bauer

TÄFERROT. Als der heute 64-​jährige Eberhard Junker vor 23 Jahren damit begann, in Täferrot wieder eine Grundschule aufzubauen (zunächst als Außenstelle der Eichenrainschule und zwei Jahre später als selbständige Grundschule) hat er etwas sehr Wertvolles geschaffen. „Hier herrscht jener Geist, der gute Grundschulen schon immer geprägt hat“, lobte der Leitende Schulamtsdirektor Hans Jörg Polzer und blickte zurück auf jene pädagogische Leitlinie, die nach dem Krieg entwickelt und in deren Tradition Eberhard Junker auch im Studium ausgebildet worden sei.
Polzer erinnerte außerdem daran, dass der Pfarrerssohn Junker zunächst als Schüler und später als Pädagoge in der „Kaderschmiede“ des evangelischen Internats in Michelbach wichtige Impulse für eine erfolgreiche Karriere als Lehrer erhalten habe. Der Schulamtsdirektor zitierte einige Beurteilungen aus Junkers Personalakte, in der von einem lernwilligen, engagierten und gewissenhaften Pädagogen zu lesen sei, der sich durch Menschlichkeit, Integrität und Ausstrahlungskraft auszeichne sowie seine musikalischen Fähigkeiten in den Dienst der Schule und der Gemeinde stelle.
Junkers Liebe zur Musik wurde von Schulamtsdirektor ausdrücklich gewürdigt. Schon seine Zulassungsarbeit am Ende des PH-​Studiums kündete von hoher Musikalität, denn Eberhard Junker habe sich mit Bruckners Sinfonien als Material für den Musikunterricht an Grund– und Hauptschulen auseinander gesetzt. „So eine anspruchsvolle Zulassungsarbeit möchte ich heute mal wieder lesen!“, so Polzer. Mit dem großen Dank dafür, dass er die Grundschule Täferrot zu und mit einem zeitgemäßen pädagogischen Konzept geführt habe, verabschiedete Polzer den engagierten Pädagogen und Schulleiter in den Ruhestand.
Was Junker in Täferrot geleistet hat, kam auch an den Stellwänden allerorts in der Gemeindehalle zum Ausdruck. Naturerkundungen, Sport, Ausflüge und immer wieder Musik — wobei schon die ausgehängten Zeitungsberichte zeigten, dass die Täferroter Grundschule zwar zahlenmäßig zu den ganz kleinen im Gmünder Raum gehört, aber im Hinblick auf den Aufwand und die Qualität der musikalischen Aufführungen zu den ganz Großen.
Als Schulträger sagte Bürgermeister Jochen Renner, dass in Täferrot der Name Junker und die Grundschule immer eine Einheit bildeten und er sich noch gar nicht vorstellen könne, wie der Schulbetrieb künftig ohne den beliebten Rektor ablaufen werde. Das Thema „Verlässliche Grundschule“, sprich Kernzeitbetreuung, sei in Täferrot nie ein Problem gewesen. Der Rektor sei auf unbürokratische Weise stets kurz nach sieben Uhr in der Schule gewesen und mittags länger dageblieben.
„Manchmal habe ich abends gedacht, dass jemand versehentlich in der Schule das Licht brennen ließ, und musste dann feststellen, dass Rektor Junker noch am Arbeiten war“, berichtete Renner schmunzelnd. Auch als die Pausenklingel irgendwann kaputt ging, wurde sie nicht repariert, sondern durch einen Pfiff des Schulleiters ersetzt. So kam die Schule zu ihrem Beinamen „Grundschule mit Pfiff“ — wobei dies nicht nur fürs Pausensignal gelte, sondern für die Art und Weise, wie Kinder dort unterrichtet werde. „Eberhard Junker hat der Schule den Stempel einer sympathischen Einrichtung aufgedrückt“, lobte Renner.
Pfarrerin Andrea Palm, evangelische Ortsgeistliche von Täferrot dankte auch im Namen der katholischen Gemeinde Leinzell für die „gute Nachbarschaft“ und nannte insbesondere die Kooperation beim „Krippenspiel“ und weiteren Projekten. Mit dem Erich-​Kästner-​Zitat „Lasst Euch die Kindheit nicht austreiben!“ brachte sie auf den Punkt, was Eberhard Junkers Erfolgsrezept als Lehrer und Rektor war: Was er selbst schon als Junge gerne machte (Lagerfeuer und Fußball, aber auch aktives Musizieren und ein gelebter Glaube) fand Eingang in sein pädagogisches Konzept und in den Schulalltag. „Er hat seine eigene Spielfreude auf die Kinder übertragen!“.
Ein nahezu identisches Bild vom scheidenden Schulleiter zeichnete Elternbeiratsvorsitzende Ingrid Bareiß. Zusätzlich zu den geforderten Lerninhalten habe er den Kindern vermittelt, was man braucht, um im Leben zurecht zu kommen. Lehrerin Margot Endler — mit 21 Jahren Tätigkeit in Täferrot eine langjährige berufliche Weggefährtin — berichtete, dass sie schon bei ihrem Vorstellungsgespräch angesichts einer Wüstenrennmaus-​Zucht im Schulhaus gemerkt habe, dass in dieser kleinen Schule ein ganz besonderer Geist herrsche, in der die besonderen Fähigkeiten und Stärken eines jeden Einzelnen gefragt sind. „Gute Chefs sind selten — wir hatten einen!“, sagte sie zum Abschied von Junker.
Die Kinder drückten dasselbe musikalische aus und sangen „Spitze, dass du da warst!“ Im aufwändigen Bühnenprogramm wurde Haydns Kindersinfonie (gemeinsam mit musikalischen Freunden und den beiden Kindern von Eberhard Junker) aufgeführt, das Thema „Bewegte Schule“ szenisch vor Augen geführt und in Sketchen die besondere Art und Weise beleuchtet, wie Eberhard Junker sein Amt als Rektor ausübte. Zum Beispiel mit einer Dusche aus dem Gartenschlauch nach hitzigen Fußballspielen, dem Lagerfeuer in der großen Pause oder einer Naturerkundung am nahegelegenen Fluss.
Mit einem umfassenden Dank an alle, die ihn auf seinem Weg wohlwollend begleitet hatten, schloss Junker den Reigen der Reden. „Dies war heute mein ganz persönliches Erntedankfest!“.
 

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